Wetterpaten

Wie man Namensgeber für ein Hoch oder Tief werden kann

Einmal Namenspate für ein Wettergebiet sein. Ab Mittwoch nehmen die Meteorologen der FU Berlin Aufträge für 2016 entgegen.

Die Oberbaumbrücke  im Licht der Abendsonne – vor wenigen Tagen war Hoch Isabel im Einsatz.

Die Oberbaumbrücke im Licht der Abendsonne – vor wenigen Tagen war Hoch Isabel im Einsatz.

Foto: dpa Picture-Alliance / Jean Claude Castor / picture alliance / zb

Erst vor wenigen Tagen war Isabel im Einsatz. Sie brachte warme Luft nach Deutschland und damit einen Hauch von Spätsommer. Isabel, so heißt auch die Verlobte von Toni Höhne aus Mahlow (Teltow-Fläming). Sie war als Namenspatin verantwortlich für das schöne Wetter. Vor fast einem Jahr war der Krankenpfleger Toni Höhne auf der Suche nach einem Geschenk für den 27. Geburtstag seiner Isabel. „Ich will nicht irgendwas kaufen sondern immer etwas Besonderes schenken“, sagte der junge Mann. Einen Stern habe seine Verlobte bereits von ihm bekommen, diesmal sollte es etwas anderes Originelles sein. Im Internet wurde er auf die Wetterpatenschaften des Instituts für Meteorologie der Freien Universität Berlin aufmerksam und kaufte ein Hoch mit dem Anfangsbuchstaben „I“. Fast ein Jahr später zog Isabel jetzt über Deutschland hinweg, gut sichtbar auf den Wetterkarten der Zeitungen und TV-Sendern. Toni Höhne konnte mit dem Geschenk bei seiner Verlobten punkten. An diesem Freitag werden die beiden Hochzeit feiern. Beim Start der neuen Wetterpaten-Aktion am morgigen Mittwoch ist er nicht mehr dabei. Er ist schon längst wieder auf der Suche nach einem besonders ausgefallenem Geschenk.

Wer gibt den Hochs und Tiefs ihre Namen?

Bereits seit 1954 geben die Experten am Institut für Meteorologie an der Freien Universität Berlin den Hoch- und Tiefdruckgebieten, die über Deutschland hinwegziehen, einen Namen. Die Idee dafür hatte die damalige Studentin und spätere ZDF-Wettermoderatorin Karla Wege aus den USA mitgebracht, wo Hurrikans – also schwere Sturmtiefs – traditionell einen Namen erhalten. Zunächst nutzten die FU-Meteorologen die Namen nur zur internen Unterscheidung der Luftdruckgebiete, dann jedoch bekamen Zeitungsredakteure davon Wind, die die Namen für ihre Berichterstattung übernahmen. Schließlich ist die Schlagzeile „Kyrill fegt über Berlin hinweg“ viel einprägsamer als „Ein Sturmtief lässt Bäume umstürzen“.

Seit wann gibt es Namenspatenschaften?

Wurden die Namen für die Hochs und Tiefs von den FU-Mitarbeitern zunächst frei vergeben, kann sich seit 2002 jeder Interessierte an der Namenswahl beteiligen. Grund dafür waren Geldsorgen der Meteorologen. Denn die Universität hatte aus Kostengründen die Finanzierung der studentischen Arbeit in der Wetterwarte in Berlin-Dahlem eingestellt. „Dadurch war die nach Potsdam zweitlängste Aufzeichnung von Wetterdaten in Deutschland akut in Gefahr“, sagte Thomas Dümmel vom Team Wetterpate der Berliner Morgenpost. Bei der Suche nach neuen Finanzquellen kamen die Verantwortlichen am Institut für Meteorologie auf die Idee, die Namen über eine kostenpflichtige Patenschaft zu vergeben. Mit den Einnahmen werden etwa Aufwandsentschädigungen für die Studenten finanziert, die tagtäglich und rund um die Uhr in Dahlem das Wettertagebuch führen. „Darin werden unter anderem die Wolkenart und die genaue Dauer von Niederschlägen festgehalten“, sagte Wetterexperte Dümmel. So etwas könnten automatisierte Anlagen in aller Regel nicht leisten.

Und was kostet mich eine Patenschaft?

Für die Benennung eines Tiefdruckgebiets werden dem Wetterpaten 199 Euro in Rechnung gestellt, für ein Hochdruckgebiet muss der Namensgeber 299 Euro überweisen, zuzüglich der Mehrwertsteuer von aktuell 19 Prozent. Während Selbstständige und Firmen die Mehrwertsteuer verrechnen können, müssen Privatpersonen am Ende also 236,81 Euro für ein Tief oder 355,81 Euro bezahlen. Wer möchte, dass der Eintrag mit seinem Internetauftritt verlinkt wird, muss noch einen kleinen Aufpreis von 23,60 Euro zahlen. Die Preise für eine Patenschaft, so betont Dümmel, seien seit 2002 stabil geblieben. Allerdings müsste seit drei Jahren zusätzlich die Mehrwertsteuer berechnet werden.

Wie erklärt sich der Preisunterschied?

Grund dafür ist wie so oft das Marktprinzip von Angebot und Nachfrage. Hochdruckgebiete sind zum einen mit etwa 50 pro Jahr viel seltener als Tiefs (jährlich rund 150), zudem bringen sie meist schönes Sonnenwetter mit und sind daher bei den Namenspaten einfach begehrter. Trotz des Preisunterschieds sind für die Hochs die Namen oft schon sehr schnell vergeben, während das eine oder andere Tief bis kurz vor seinem Erscheinen auf der Wetterkarte noch auf einen Namen wartet. In solchen Fällen versteigern die FU-Meteorologen die Namensvergabe auch schon einmal auf Ebay. So gerade erst geschehen für ein in Kürze bevorstehendes Tiefdruckgebiet, das vom Namensgeber Quirin für den Preis von 160 Euro ersteigert wurde. „Im Einzelfall gehen die Namensrechte auch schon mal für 50 oder 60 Euro weg“, so Thomas Dümmel vom Institut für Meteorologie an der Freien Universität.

Wer kauft eine Wetterpatenschaft?

Die meisten suchen ein Geschenk. So wollte Jens Habich aus Pankow seiner Mutter eine Freude zum Geburtstag machen. Sie sei „sehr begeistert“ gewesen, erzählt er. Hoch Erika zog bereits im Februar über Deutschland. Diesmal will er sich nicht an der Aktion beteiligen, weil die Hochdruckgebiete männliche Namen bekommen. „Ein Tief will ich meiner Mutter nicht schenken“, sagt Jens Habich. Aber auch Firmen beteiligen sich, um Kollegen und Mitarbeiter zu erfreuen. Demnächst wird es das Hoch „Oldenburgia“ geben – das hat der Bürgermeister von Oldenburg gekauft, um sich bei den Bewohnern der Stadt zu bedanken. Privatpersonen machen auch mit, um das Wetterinstitut zu unterstützen. Begonnen wird am Anfang eines jeden Jahres mit dem Buchstaben „A“, in alphabetischer Reihenfolge werden dann – bei den Tiefs in bis zu sechs Durchläufen – die Namen der Hochs und Tiefs veröffentlicht.

Wie werden Männer- und Frauennamen vergeben?

Das wechselt von Jahr zu Jahr. In diesem Jahr tragen Hochdruckgebiete weibliche Vornamen und die Tiefs männliche. Im nächsten Jahr ist es genau andersherum. Am häufigsten haben die Wettergebiete bisher traditionelle deutsche Namen erhalten. 16 mal hieß ein Hoch oder Tief „Klaus“, „Peter“ (15 mal) und „Dieter“ (13 mal) folgen bei den männliche Vornamen. Bei den Frauennamen liegt „Petra“ mit 14 Vergaben klar vorn, gefolgt von „Ursula“ (elfmal) sowie „Gisela“, „Xenia“ und „Yvonne“ (je neunmal). Dass „Queenie“ und „Xanthippe“ auch in den Top Ten liegen, ist kaum verwunderlich, ist doch bei Vornamen mit den Anfangsbuchstaben Q, X, Y oder Z die Auswahl nicht allzu groß.

Ab 16. September, 0 Uhr, nehmen die Meteorologen der Freien Universität Berlin Aufträge für Namenspatenschaften im Jahr 2016 entgegen. Das Formular dafür kann unter www.wetterpate.de heruntergeladen werden.