Asyl in Berlin

Flüchtlinge in Berliner Sporthallen - Sportbund protestiert

In ersten Berliner Sporthallen sind bereits Flüchtlinge untergebracht. LSB-Präsident Böger nennt Sporthallen die „allerletzte Option“ .

Flüchtlinge in einer Sporthalle am Berliner Olympiapark

Flüchtlinge in einer Sporthalle am Berliner Olympiapark

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Der Landessportbund Berlin (LSB) warnt davor, weitere Flüchtlinge in Berliner Sporthallen unterzubringen. Damit werde den Sportvereinen die Basis ihrer Arbeit entzogen, in den betroffenen Schulen sei ein regulärer Sportunterricht nicht mehr möglich. Landessportbund-Direktor Heiner Brandi befürchtet "schwere Eingriffe in den Sport".

1000 Menschen am Olympiapark

Insgesamt sind derzeit acht Sporteinrichtungen von Flüchtlingen belegt, darunter zwei Sportplätze mit Traglufthallen im Poststadion in Moabit und die Jahnsporthalle am Columbiadamm. Seit vergangener Woche werden zwei Hallen am Olympiapark als Notunterkünfte genutzt. In der Rudolf-Harbig-Halle und in der Horst-Korber-Halle können jetzt etwa 1000 Menschen untergebracht werden. Zuvor hatten dort beispielsweise die BR Volleys, die Bundesliga-Handballerinnen der Spreefüxxe und die Leichtathleten des Teams Süd trainiert. Auch die Schüler der Poelchau-Oberschule, einer Eliteschule des Sports, sind betroffen.

"Wettbewerb um Trainingshallen"

Die betroffenen Vereine und Verbände haben zwar andere Trainingsorte gefunden. Aber laut Landessportbund werden bereits weitere Turnhallen auf eine Nutzung als Notunterkunft geprüft. BR-Volleys-Manager Kaweh Niroomand sagte, der Sport wolle und könne seinen Beitrag leisten. Zugleich müsse das Training weitergehen, das Horst-Korber-Zentrum könne ein halbes Jahr und länger belegt sein, sie seien aber erst einmal nur für eine Woche im Sportforum untergekommen. Er warnte, es dürfe nicht dazu kommen, "dass alles was wir aufgebaut haben, dass Berlin die Sportmetropole Nummer eins ist, dass da die Säulen kaputt gemacht werden". Bei einem Wettbewerb unter den Vereinen um Trainingshallen könne die Stimmung auch umkippen.

Leichtathleten trainieren für Olympia

Der Präsident des Berliner Leichtathletik-Verbandes, Gerhard Janetzky, berichtete, andere Städte würden bereits versteckt mit ihren Trainingsmöglichkeiten werben. Noch bis Ende November seien bei den Leichtahtleten Vereinswechsel möglich. In der jetzt von Flüchtlingen belegten Halle trainierten die Sprinter mit nur dort vorhandenen Gerätschaften wie einer hydraulisch erhöhbaren Rundbahn und bereiteten sich auf die Hallen-WM und die Olympischen Spiele in Rio vor. "Dies ist nach heutigem Kenntnisstand nicht mehr möglich."

Klaus Böger, Präsident des Landessportbundes,teilte mit, dem LSB sei die Dimension der Probleme bewusst. "Wir sehen auch, dass Sporthallen aufgrund ihres vergleichsweise großen Platzangebotes sowie der Zahl ihrer Sanitäreinrichtungen relativ leicht und kurzfristig in Notunterkünfte umzuwandeln sind. Das darf aber nicht entscheidendes Kriterium sein."

"Überfallartige" Besetzung

Sporthallen zu beschlagnahmen, könne immer allerletzte Option sein, "wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Eine solche Zwangslage sehe ich in Berlin derzeit nicht", erklärte Böger. Füchtlinge könnten etwa im ICC oder in den Hangars des ehemaligen Flughafens Tempelhof untergebracht werden. Der Landessportbund wolle künftig einbezogen werden, wenn es um die Belegung von Sporthallen gehe.

Laut LSB wurde die Halle am späten Abend beschlagnahmt, die Vereine hätten nicht einmal mehr Gelegenheit gehabt, ihre Geräte aus der Halle zu holen. Auch der Leichtathletik-Verband sprach von einer "überfallartigen" Besetzung der Halle.

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