Ehemaliger Flughafen

Berlin macht Tempelhof für Flüchtlinge klar

Die Hangars werden nun doch als Notunterkunft hergerichtet. Flüchtlinge müssen sich auf lange Wartezeiten bei der Registrierung einstellen.

Der Haupteingang zum ehemaligen Flughafen Tempelhof: Auf dem Gelände sollen noch in dieser Woche Flüchtlinge unterkommen

Der Haupteingang zum ehemaligen Flughafen Tempelhof: Auf dem Gelände sollen noch in dieser Woche Flüchtlinge unterkommen

Foto: Paul Zinken / dpa

Die beiden Hangars auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof werden nun doch als Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung gestellt. Zuvor hat die Stadt dies wegen mangelnder sanitärer Einrichtungen vor Ort ausgeschlossen. Berlins Regierender Michael Müller sagte nun dem rbb, dass bereits "in den nächsten Tagen" die ersten Menschen in einen der Hangars einziehen.

Der soll mit einer beheizbaren Traglufthalle ausgestattet werden. Die Berliner Zeitung berichtet von 800 Geflüchteten, die dort Unterkunft finden sollten. Am Wochenende ging dort das "Lollapalooza"-Musikfestival zu Ende. Die mobilen Toiletten sollen übernommen werden, so Müller. Auch sollen die Flüchtlinge die Sanitäranlagen des nahegelegenen Columbiabades nutzen, sie würden dann mit einem Shuttle-Service von den Hangars zum Bad gebracht.

Charitéärzte behandeln Flüchtlinge

Berlins größte Notunterkunft bleibt vorerst das Gelände der früheren Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne in Spandau. In den Gebäuden und Zelten leben derzeit 1700 Flüchtlinge und Einwanderer, darunter 250 Kinder. Sie werden nun von Ärzten, Krankenschwestern und Pflegern der Uniklinik Charité behandelt. Täglich von 9.00 bis 17.00 bieten sie jeweils vier Stunden Sprechstunde für Kinder und für Erwachsene an, teilte die Charité am Montag mit. Ein Arzt, ein Pfleger und jemand für die Aufnahme der Personalien seien immer gleichzeitig anwesend, sagte der stellvertretende ärztliche Direktor der Charité, Joachim Seybold.

In kurzer Zeit hätten sich rund 200 Ärzte und Pfleger freiwillig dafür gemeldet. Einige arbeiteten ehrenamtlich in ihrer Freizeit, andere würden während ihrer Arbeitszeit von der Charité für diese Aufgabe freigestellt. Die Uniklinik stelle auch die Medikamente, sagte Seybold. Es gehe jetzt um die Versorgung besonders der Flüchtlinge, die noch nicht registriert und krankenversichert seien.

Behandelt werde das „ganze haus- und allgemeinärztliche Spektrum“. Viele Menschen hätten Wunden oder Blasen an den Füßen, manche seien erschöpft. Kinder hätten Husten und andere Infektionen. „Es sind überwiegend fluchtbedingte Erkrankungen“, sagte Seybold. Sollten schwerere Krankheiten auftauchen, würde man die Flüchtlinge in die umliegenden Krankenhäuser schicken.

Lange Wartezeit bei der Registrierung

Neu in Berlin angekommene Flüchtlinge müssen sich auf lange Wartezeiten bei der Registrierung einstellen. Sie sollen sich nicht mehr beim LaGeSo in der Turmstraße registrieren lassen. Das LaGeSo will stattdessen mobile Teams in die Notunterkünfte schicken. LaGeSo-Sprecherin Silvia Kostner bestätigte, dass die Flüchtlinge dort auf ihre Registrierung warten sollen.

Nach Angaben der Initiative „Willkommen in Westend“ müssen sich die in den beiden Sporthallen am Olympiapark untergebrachten Menschen auf eine Wartezeit von zwei bis drei Wochen einstellen. LaGeSo-Sprecherin Kostner hofft, dass es „etwas schneller“ geht. Auf dem LaGeSo-Gelände warteten etwa 400 Menschen, „wir können etwa 100 bis 150 Menschen pro Tag registrieren“. Das LaGeSo hat mobile Teams in mehrere Unterkünfte entsandt, um alle neu Angekommenen sofort zu registrieren, reichten aber die Kapazitäten nicht.

So lange sie noch keinen Asylantrag stellen konnten, erhalten die Flüchtlinge beispielsweise keine Krankenscheine. In den Notunterkünften haben sie einen Schlafplatz und werden verpflegt. Die medizinische Versorgung übernehmen in den Unterkünften Ärzte als ehrenamtliche Helfer.

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