Brandenburg

Flüchtlingsheim in Nauen brennt ab - Brandstiftung vermutet

In Nauen ist eine als Flüchtlingsheim geplante Sporthalle abgebrannt. Brandenburgs Innenminister spricht von einem schwerem Anschlag.

Eine geplante Notunterkunft für Flüchtlinge ist im brandenburgischen Nauen (Havelland) westlich von Berlin niedergebrannt. Das Feuer an der Sporthalle hatte sich bei seiner Entdeckung am frühen Dienstagmorgen bereits auf das gesamte Gebäude ausgebreitet, wie die Polizei in Potsdam mitteilte. Die Feuerwehr habe sich deshalb dazu entschlossen, die Halle kontrolliert abbrennen zu lassen. Verletzt wurde niemand.

Ersten Erkenntnissen zufolge handelt es sich um Brandstiftung. Das sagte Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) am Dienstagmorgen vor Ort. Darauf deuteten die Brandrichtung, Ausbreitung und Schnelligkeit des Feuers. Vom ersten Alarm um 2.22 Uhr in der Nacht bis zum Eintreffen der Feuerwehr an der Sporthalle seien lediglich zwölf Minuten vergangen. „Da brannte bereits alles lichterloh“, sagte Schröter. Die Feuerwehr, die mit 16 Einsatzwagen und etwa 60 Einsatzkräften vor Ort war, konnte nur noch wenig ausrichten.

Klarheit über Brandursache erst am Mittwoch

Spürhunde sollen am Mittwoch nun bei der Suche nach der Ursache des Brandes helfen. Sie könnten etwaige Brandbeschleuniger erst aufspüren, wenn kein Brandgeruch mehr wahrnehmbar sei, sagte Innenminister Schröter. Daher sei ein Einsatz erst am Mittwochmorgen ab 8.00 Uhr möglich. Gegen Mittag werde man vermutlich einschätzen können, ob es sich um einen gezielten Anschlag handele, der dem rechten Spektrum zuzuordnen sei. Alle Indizien sprächen derzeit dafür.

„Wir werden uns durch solche Brandstiftungen, die in dieser Größenordnung in den letzten 20 Jahren in Brandenburg nicht stattgefunden haben, aber nicht davon abbringen lassen, Menschen, die in Not geraten sind, in Brandenburg vernünftig unterzubringen“, sagte Schröter weiter. Zudem solle die Sicherheit auf Baustellen für geplante Flüchtlingsunterkünfte etwa mit mehr Polizeipräsenz erhöht werden.

Staatsschutz ermittelt

Der Brandort wurde weiträumig abgesperrt, am Morgen gab es noch zahlreiche Glutnester. Gegen 9.30 Uhr war das Feuer schließlich gelöscht. Ein Sprecher des brandenburgischen Innenministeriums sagte der Berliner Morgenpost, dass die genaue Brandursache noch unklar sei. Die Polizei geht aber von Brandstiftung aus. Ein technischer Defekt sei höchst unwahrscheinlich, hieß es. Spezialisten sollen die Ursache am Vormittag eingehender untersuchen, Statiker prüfen den Zustand der Halle.

Das Gebäude gehört zum Oberstufenzentrum mit beruflichem Gymnasium des Landeskreises Havelland, in der Umgebung gibt es zahlreiche Gewerbebetriebe und eine Behindertenwerkstatt. Am Abend wollten sich Bürger in Nauen zu einer Mahnwache zusammenfinden.

Politiker verurteilen Tat scharf

Zahlreiche Politiker äußerten sich erschüttert über den Brandanschlag in Nauen. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) rief zu einem "Aufstand der Anständigen" auf und bekräftigte die Null-Toleranz-Strategie der Landesregierung. "Distanzieren Sie sich vom fremdenfeindlichen Mob!", rief er die Bürger auf. Auch der Bürgermeister der Stadt Nauen, Detlef Fleischmann (SPD), zeigte sich tief erschüttert.

Der Landkreis hatte im Juli angekündigt, dass die Halle der vorübergehenden Unterbringung von Flüchtlingen dienen solle. Vorgesehen war eine Nutzung von September bis Jahresende. Mehr als 100 Menschen sollten dort unterkommen. Noch in dieser Woche sollten die ersten Flüchtlinge in die Turnhalle einziehen. Mit Inbetriebnahme neu errichteter Container-Unterkünfte in Schönwalde und Dallgow-Döberitz sollte die Sporthalle dann wieder ihrem eigentlich Zweck dienen.

In Nauen hatte es in diesem Jahr mehrfach Demonstrationen gegen die geplante Aufnahme von Asylbewerbern gegeben. Im Februar war eine Stadtverordnetenversammlung zu diesem Thema massiv von rechtsextremen Demonstranten gestört worden. Die Sitzung musste abgebrochen werden. „Wenn wir diesem rechten Mob die Bedeutungshoheit überlassen, werden wir noch größere Probleme kriegen“, sagte Nauens Bürgermeister, Detlef Fleischmann (SPD), am Dienstag dem Nachrichtensender n-tv.

Brandenburger AfD-Chef löst Empörung aus

Der Brandenburger AfD-Chef Alexander Gauland löste mit seinen Äußerungen zu dem mutmaßlichen Brandanschlag Empörung aus. „Wären die Bürger einbezogen worden und hätten sie das Gefühl, dass nicht nur sie und die Kommunen gefordert werden, sondern auch die Politik auf Bundes- und Landesebene alles tut, um der Situation Herr zu werden, ließen sich Reaktionen wie jetzt in Nauen sicherlich verhindern“, erklärte Gauland am Dienstag.

SPD Generalsekretärin Klara Geywitz nannte die Äußerungen Gaulands „abscheulich“. „Er rechtfertigt den fremdenfeindlichen Anschlag auf die Flüchtlingsunterkunft und schiebt die Verantwortung von den Tätern auf diejenigen, die Kriegsflüchtlingen helfen und sie willkommen heißen wollen“, sagte Geywitz. „Das ist eine neue radikale Qualität, die wir in Brandenburg so bisher nicht kannten.“

>>> Verfolgen Sie auch auf unserer Facebook-Seite die Diskussion zum Thema <<<