Neue Mittel

Berliner Sportstätten erhalten Millionen für Sanierungen

Das meiste Geld soll in den Olympiapark, den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark und das Sportforum Hohenschönhausen investiert werden.

Das Sommerbad am Olympiastadion ist seit Jahren marode. Im September soll nun mit den Sanierungsarbeiten begonnen werden

Das Sommerbad am Olympiastadion ist seit Jahren marode. Im September soll nun mit den Sanierungsarbeiten begonnen werden

Foto: dpa Picture-Alliance / Jörg Carstensen / picture alliance / dpa

Trotz der gescheiterten Olympiabewerbung investiert Berlin in neue Sportstätten und überholt bestehende Anlagen. Im Olympiapark in Charlottenburg-Wilmersdorf soll im September, nach dem Ende der Freibadsaison, mit der Sanierung des Schwimmstadions begonnen werden.

„Dafür hat der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause 3,5 Millionen Euro aus den vorhandenen Mitteln von 80 Millionen Euro für den Olympiapark bewilligt“, sagte Sportstaatssekretär Andreas Statzkowski (CDU) der Berliner Morgenpost. Mit dem Geld werde ein Stahlbecken installiert, zudem würden Leitungen ausgetauscht.

Für die historischen Tribünen steht weiterhin eine Lösung aus. Sie sind marode, werden nicht benötigt, stehen aber unter Denkmalschutz. Die Maifeldtribüne werde hingegen modernisiert und das Sportmuseum ausgebaut, erläuterte Statzkowski. „Wir bauen auch eine neue Zweifach-Sporthalle auf dem Gelände. Dafür haben wir fünf Millionen Euro aus dem Sondervermögen der wachsenden Stadt.“

Neuer Chef im Olympiapark

Personell soll sich ebenfalls etwas tun im Olympiapark: „Die Entscheidung für den neuen Chef des Olympiastadions ist so gut wie gefallen. Wir sprechen derzeit mit dem ausgewählten Bewerber, es geht noch um Einzelheiten des Vertrages“, verriet der Staatssekretär.

Joachim Thomas war als Stadionchef im Oktober 2014 vom Aufsichtsrat abberufen worden, als die Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittelte. Er stand im Verdacht, Spesen und Tankbelege nicht korrekt abgerechnet zu haben.

Daraufhin übernahm Peter von Löbbecke kommissarisch den Job. Er war bereits von 2004 bis 2010 Geschäftsführer der Olympiastadion GmbH, dann schied er aus Altersgründen aus.

Jahn-Stadion nicht sanierbar

Die Sportverwaltung habe auch konkrete Vorstellungen für den Friedrich- Ludwig-Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg, so der CDU-Politiker. Das alte Stadion sei nach Überzeugung von Fachleuten nicht sanierbar. „Es muss abgerissen und neu gebaut werden. Für das Stadion werden 92 Millionen Euro aufgerufen. Es geht aber um das ganze Gelände. Pankow hat einen riesigen Bedarf an Sportanlagen. Wir haben ein Gesamtkonzept, es sollen Sporthallen und mehrere Sportplätze errichtet werden. Das kostet inklusive des großen Stadions 170 Millionen Euro“ so Statzkowski. Das Projekt sei aber noch nicht in der Investitionsplanung verankert.

In das Sportforum Hohenschönhausen seien in den vergangenen Jahren mehr als 30 Millionen Euro investiert worden. An den meisten Bauvorhaben dort beteilige sich der Bund, weil es sich um Anlagen für den nationalen Spitzen- und Leistungssport handele. Allerdings sei das Gesamtkonzept für das Sportforum veraltet und müsse überarbeitet werden, so der Staatssekretär. Die Sportverbände wünschten sich eine neue Halle für etwa 3000 Zuschauer. Die neue Sporthalle wäre kleiner als die Max-Schmeling-Halle, aber größer als der jetzige Bau im Sportforum. Der fasst rund 1500 Besucher.

Dämpfer für Planungen am Sportforum

Die Planung für das Sportforum hat allerdings einen Dämpfer bekommen. Derzeit wird dort der 47 Jahre alte Trainingshallenkomplex saniert. In den drei Hallen mit insgesamt 16.000 Quadratmeter Fläche trainieren unter anderem Leichtathleten, Boxer und Turner sowie Ball- und Eissportler. Die Dächer müssen saniert und die Statik des Stahltragwerks verbessert werden. Die Kosten waren auf 6,9 Millionen Euro beziffert, nun erhöhen sie sich um 2,8 Millionen auf rund 9,7 Millionen Euro. Das geht aus einem von Sportstaatssekretär Statzkowski und Senatsbaudirektorin Regula Lüscher unterzeichneten Schreiben der Senatsverwaltungen für Sport und Stadtentwicklung an den Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses hervor, das der Berliner Morgenpost vorliegt.

Im Rahmen der Sanierung erhalten die Dächer eine neue Wärmedämmung und eine neue Alu-Dachhaut. Das aber erhöht die Last auf die Tragwerkskonstruktion, die an die Grenzen ihrer Tragfähigkeit komme, heißt es in dem Schreiben. Bei höheren Schneelasten müssten die Hallen gesperrt werden. Folglich sei „vor der Erneuerung und der energetischen Sanierung der Dächer das gesamte Dachtragwerk zwingend statisch zu ertüchtigen“. Im Verlauf der Planung habe sich gezeigt, dass dies „erheblich anspruchsvoller und aufwendiger ausfällt als ursprünglich zu erwarten war“. So seien in den alten Anlagen künstliche Mineralfasern, Asbeststreifen und Farbschichten, die Zink und Blei enthalten, entdeckt worden. Allein die Mehrkosten für die Schadstoffbeseitigung werden mit 305.000 Euro angegeben.

Längere Bauzeiten erwartet

Größter Einzelposten mit mehr als 1,4 Millionen Euro ist aber der Mehraufwand für Gerüstbauarbeiten. Ursprünglich war eine „kleinteilige Raumrüstung“ vorgesehen. Unter anderem wegen der Schutzmaßnahmen bei der Schadstoffbeseitigung, aber auch weil die Halle im Winter vorübergehend wieder in Betrieb genommen werden soll, sei eine vollständige Raumrüstung mit 250.000 Quadratmetern erforderlich, erklären Lüscher und Statzkowski. Zudem könne das Tragwerk nur saniert werden, wenn das Dach nicht auf ihm laste.

Nun soll es mit Stützen gesichert werden, die auf dem Gerüst ruhen. Diese Widrigkeiten führen auch dazu, dass die Bauleistungen umfangreicher werden und die Arbeiten länger dauern. Das schlägt mit rund 576.000 Euro zu Buche. Immerhin habe der Bund zugesagt, seinen Anteil an der Sanierung um 300.000 Euro auf knapp 3,8 Millionen Euro zu erhöhen, erklären die Staatssekretäre. Bei einem Verzicht auf die Fortführung der Statikverbesserung würde er allerdings seine bisher bereitgestellten Mittel von rund 3,5 Millionen Euro von Berlin zurückfordern. Der Hauptausschuss will sich am 9. September mit dem Thema befassen.