Asylbewerber

Flüchtlinge in Berlin - So spenden und helfen Sie richtig

Viele Flüchtlinge kommen nach Berlin, dabei wird jede helfende Hand benötigt. Was Sie in Ihrem Bezirk tun können, um ihnen zu helfen.

Freiwillige Helfer bei der Einrichtung des ehemaligen Rathauses Wilmersdorf. Am Freitagabend zogen die ersten Flüchtlinge in die neue Notunterkunft ein

Freiwillige Helfer bei der Einrichtung des ehemaligen Rathauses Wilmersdorf. Am Freitagabend zogen die ersten Flüchtlinge in die neue Notunterkunft ein

Foto: Christian Mang

Eigentlich wäre es in dieser furchtbaren Lage ironisch zu sagen, dass es auch schöne Momente gibt. Aber es sind diese Momente, in denen man Menschen sieht, die helfen wollen. Viele von ihnen formieren sich übers Internet, sie tauschen sich in Facebook-Gruppen aus, erheben ihre Stimme.

Und immer wieder kommen Menschen mit voll bepackten Autos auf das Gelände des Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Moabit, die Wasserflaschen, Windeln, Lebensmittel spenden. Das hohe Engagement ist beeindruckend. Und noch mehr Menschen wollen sich engagieren. Wie und wo kann das in den Berliner Bezirken funktionieren? Eine Auswahl.

Charlottenburg-Wilmersdorf: Spenden vor Ort

In den vier Flüchtlingseinrichtungen (Kaiserdamm, Rognitzstraße, Soorstraße, Eschenallee) in Charlottenburg und Wilmersdorf werden neben Sach- und Kleiderspenden auch BVG-Tickets, Prepaid-SIM-Karten und Kosmetika angenommen. Abzugeben Mo-Di von 11-16 Uhr, Do. von 13.30-18.30 Uhr im Büro der Wahlkreisabgeordneten Ülker Radziwill, Friedbergstr. 36. Oder direkt vor Ort.

Friedrichshain-Kreuzberg: Lebensmittel benötigt

In Friedrichshain können im Roten Laden Sachspenden abgegeben werden. Benötigt werden Schreibhefte, Stifte und Fußbälle. Außerdem immer folgende Lebensmittel: Reis, Milch, Zwiebeln, Zucker, Huhn, Tee und anderes. Weidenweg 17, Mo. 13-18 Uhr, Di. und Do. 10-18 Uhr, Fr. 9-13.00 Uhr.

Lichtenberg: Container-Dorf entsteht

Die Koordinierungsstelle ist erreichbar unter Tel. 030-50566518 oder post@koordinierungsstelle-lichtenberg.de.

In Falkenberg entsteht im Hausvaterweg 21 zudem derzeit ein Container-Dorf des evangelischen Jugend- und Fürsorgewerks. 280 Flüchtlinge sollen noch im August dort einziehen. Am 24. August findet der Tag der offenen Tür statt, bei dem Sachspenden aller Art gebraucht werden.

Marzahn-Hellersdorf: Kleidung und Schulsachen

In der Gemeinschaftsunterkunft in der Maxi-Wander-Straße 78 können Sie ganztägig beim Wachschutz Sachspenden abgeben. Besonders benötigt werden Kleidung und sämtliche Schulsachen. Tel. 030-53021843

Mitte: "Moabit hilft" engagiert sich vor Ort

Mit Sachspenden kann man sich montags bis freitags an die Berliner Stadtmission wenden, Lehrter Str. 68, Tel. 030-690333. Die Initiative „Moabit hilft“ ist zudem die einzige Organisation, die seit Tagen vor dem Lageso steht, in Haus R Sachspenden annimmt, Brote schmiert und Wasser an die Wartenden verteilt.

Neben Lebensmitteln, Hygieneartikeln und Windeln freut sich die Initiative auch über abwaschbare Spielsachen, Malstifte und Bastelsachen sowie sämtliche Ballspiele. Online gibt es eine Bedarfsliste, die täglich aktualisiert wird.

Neukölln: Zentrum sucht Freiwilligen

Das Deutsch-Arabische Zentrum in der Uthmannstr. 23 sucht einen Ehrenamtlichen, der sich längerfristig um die Organisation und Koordination aller freiwilligen Helfer kümmert. Der Leiter des Zentrums, Khalil, erhofft sich dadurch mehr Struktur und Effizienz. Bei Interesse direkt den Leiter anrufen: Tel. 030-56826648.

Das „Bündnis Neukölln“ freut sich über finanzielle Unterstützung, um weiterhin ehrenamtlich ausgeführte Angebote finanzieren zu können. Geldspenden gehen an: Bündnis Neukölln, IBAN: DE75 1002 0500 0003 3226 09, Kontonummer: 3322609

Pankow: Sportartikel spenden

Im Rupert-Neudeck-Haus des evangelischen Jugend- und Fürsorgewerks leben viele Jugendliche, die sich über Sportutensilien – Bälle, Tischtennisschläger – freuen. Spenden gehen direkt in die Storkower Str. 139 C und können ganztägig beim Wachschutz abgegeben werden. Wer Fragen zu weiteren sachgerechten Spenden hat, schreibt eine Mail an storkower@pankow-hilft.de.

Reinickendorf: Ehrenamtliche Mentoren gesucht

Neben anderen gemeinnützigen Vereinen ist auch „kein Abseits!“ Teil der Initiative „Willkommen in Reinickendorf“. Derzeit ist die Gruppe wieder auf der Suche nach ehrenamtlichen Mentoren, die sich für acht Monate für jeweils ein Flüchtlingskind, das mit seiner Familie im Wohnheim an der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik lebt, engagieren. Bei Interesse eine Mail an: bewerbung@kein-abseits.de. Informationen unter www.kein-abseits.de.

Spandau: Schulsachen für Flüchtlingskinder

Im AWO Wohnheim in der Motardstraße 101 A werden vor allem Utensilien für die Schule benötigt. Mo-Fr von 9-15 Uhr im Haus 5 oder ganztägig beim Wachschutz.

Steglitz-Zehlendorf: Wörterbücher benötigt

In der Gemeinschaftsunterkunft in Lichterfelde-West werden momentan unter anderem Wörterbücher (Arabisch-, Farsi-, Serbisch-, Russisch-, Kurdisch-Deutsch), Fahrräder und Bildergeschichten über Gesundheit, Essen und Alltag gebraucht.

Spenden werden vor Ort entgegengenommen. Goerzallee 307, Mo-Fr 10-16 Uhr. Tel. 030-79011838. In der Unterkunft in der Klingsorstraße 119 können Sie unter anderem mit Leggins für Frauen, Matratzen (90x200 cm) und Sportschuhen helfen. Mehr Infos auf der Homepage.

Tempelhof-Schöneberg: Mit Kinderspielzeug helfen

Im Georg-Kriedte-Haus des evangelischen Jugend- und Fürsorgewerks leben viele Familien mit Kindern. Immer gewünscht sind Kinderspielzeuge und Freizeitbeschäftigungen aller Art. Spenden können täglich am Kirchhainer Damm 74 abgegeben werden.

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Treptow-Köpenick: Kleidung dringend benötigt

Im Salvador-Allende-Haus des evangelischen Jugend- und Fürsorgewerks werden dringend Schuhe und Sportschuhe, Kindersachen, Schulranzen, Schulmaterial und Hauswirtschaftssachen wie Geschirr, Töpfe, Bettwäsche oder Handtücher benötigt. Die Sachspenden können jederzeit beim Wachschutz des Hauses abgeben werden. Im Bezirk gibt es außerdem die sehr aktive Nachbarschaftshilfe „Welcome Refugees!“, bei der man sich weiter informieren kann.

Hilfe in ganz Berlin

Der Flüchtlingsrat listet 30 lokale Willkommensinitiativen für Flüchtlinge in Berliner Sammelunterkünften auf. Die Links zu den Einrichtungen findet man gebündelt auf der Internetseite. Zudem gibt es zahlreiche weitere Initiativen, etwa „Give something back“. Dort kann man schauen, ob es Gesuche von Organisationen oder Einzelpersonen gibt, etwa Deutschunterricht, Unterstützer freier Projekte von Flüchtlingen, Freizeitunternehmungen.

Unter „Medizin hilft Flüchtlingen“ sammelt sich eine Gruppe hilfsbereiter Menschen, die meisten davon Ärzte. Auf der Seite Internetseite werden Gesuche aufgesetzt. Derzeit werden Psychotherapeuten vor Ort, Übersetzer (u.a. Farsi, Arabisch, Serbokroatisch) und Helfer für Organisation/Dokumentation und Mithilfe bei der Sprechstunde gesucht. Wer helfen möchte, kann an info@medizin-hilft-fluechtlingen.de eine Mail schicken.

Auch die Evangelischen Kirchengemeinden helfen: Wer sich über den Bedarf informieren möchte, kann den Kirchenkreis Berlin Stadtmitte kontaktieren, Tel. 030-258185291, oder info@kkbs.de.

Flüchtlingen Arbeit und Perspektiven geben

Flüchtlinge sind oft hoch qualifiziert oder verfügen über praktische Kenntnisse. Gleichzeitig sind in Berlin immer noch Lehrstellen unbesetzt. Das Netzwerk „bridge“ berät Unternehmen, die Flüchtlinge bei sich einstellen wollen (Ansprechpartner: Bernd Mottok / Tel.: 70 07 22 50, E-Mail bernd.mottok@gfs-fachschule.de). Bei der Suche nach einem Mitarbeiter hilft auch die Jobinitiative Arrivo Berlin. Dazu meldet man sich bei Arrivo Berlin (E-Mail: info@arrivo-berlin.de, Tel.: 611 8042) Die Initiative findet einen Flüchtling, der in einer drei- bis vierwöchigen Praktikumsphase erste Erfahrungen im Betrieb sammeln kann. Wenn beide Seiten zufrieden sind, kann der Praktikant dann in einer duale Berufsausbildung oder Beschäftigung übernommen werden.

Patenschaften: Familien in Berlin zusammenführen

Für syrische Familien ist es schwierig nach Deutschland einzureisen. Besonders trifft das Familien mit Kindern und Älteren. Der „Freundeskreis zur Unterstützung von Bürgerkriegsflüchtlingen aus dem Nahen Osten“ vermittelt Flüchtlingspatenschaften. Berliner können ab zehn Euro im Monat dafür spenden, dass der Verein Familienangehörige aus Syrien nach Deutschland holt, Job und Wohnung vermittelt, Miete und Unterhalt zahlt. „Das Geld geht zu 100 Prozent an syrische Flüchtlinge“, so der Vorstand Martin Keune. Wer nicht nur Pate sein möchte, kann sich gegenüber der Ausländerbehörde verpflichten, für Lebensunterhaltskosten eines Flüchtlings aufzukommen.

Flüchtling aufnehmen: Miete trägt das Sozialamt

Grundsätzlich kümmert sich das Evangelische Jugendfürsorgewerk (EJF) in Berlin um die Vermittlung von privaten Zimmern an Flüchtlinge, solange das Asylverfahren noch läuft und der Bewerber keinen Aufenthaltsstatus besitzt. Wer einen Asylbewerber aufnehmen möchte, der schickt eine Beschreibung seines Mietangebots per E-Mail an die EJF. Wenn die Beratungsstelle das Angebot für angemessen befindet, wird ein Besichtigungstermin vereinbart. Die Mietkosten zahlt das Lageso direkt an den Vermieter. Nach Ablauf der ersten drei Monaten kann ein Flüchtling dann aber auch auf anderem Weg Wohnungsangebote annehmen.

Das Projekt „Flüchtlinge Willkommen“ vermittelt Privatzimmer und klärt, welche Vermieter mit welchen Flüchtlingen zusammenpassen könnten. „Wir bekommen viele Anmeldungen, aber die wenigsten sind ernst gemeint“, sagt Mareike Geiling, eine der Initiatoren des Projekts. „Die Leute stellen sich nicht genau vor, worauf sie sich einlassen.“ Wenn ein Vermieter ernsthaft interessiert sei und „nicht einfach nur eine Schlafcouch“ zur Verfügung habe, wird ein Termin vereinbart. Die Miete trägt das Sozialamt.

Hilfsangebot von Initiativen im Internet

Auch online organisieren sich viele Menschen, um den Flüchtlingen in Berlin zu helfen. Auf Facebook sind zahlreiche Gruppen entstanden, in denen Aktionen geplant und abgesprochen werden. Eine Auswahl:

Netzwerk Flüchtlinge "Berlin hilft!" - Selbstbeschreibung: Diese Gruppe dient dazu, den Bedarf, seien es ehrenamtlichen Helfer/innen, Sachspenden oder Lebensmittel in den Flüchtlingshilfsinitiativen zu koordinieren und an die Unterkünfte zu vermitteln. Ihr findet hier eine Übersicht über alle Flüchtlingsunterkünfte in Berlin und ihren jeweiligen Bedarf, sowie Ansprechpartner und Adressen der Einrichtungen.

Moabit hilft - Selbstbeschreibung: „Moabit hilft!“ setzt sich seit September 2013 für eine solidarische und unterstützende Nachbar*innenschaft ein. Denn seitdem wird das ehemalige Vermessungsamt in Moabit als Notunterkunft für ca. 150 Geflüchtete und Asylsuchende genutzt.

Wedding hilft! - Selbstbeschreibung: Kriege und Vertreibungen führen dazu, dass Flüchtlinge aus den unterschiedlichsten Gebieten der Welt, auch zu uns nach Wedding kommen. Ihnen und ihren Kindern wollen wir, eine Gruppe von Anwohner_innen, lokalen Institutionen, Vereinen und Geschäftsleuten aus Wedding, tatkräftig helfen.

Neukölln hilft - Selbstbeschreibung: "Neukölln hilft" ist eine Info-Seite, die über die Vielzahl von Projekten von und mit Flüchtlingen in Neukölln informiert.

Refugees Welcome to Karlshorst - Flüchtlinge in Berlin - Selbstbeschreibung: Viele Karlshorster möchten mit gutem Beispiel vorangehen und den Flüchtlingen eine Chance geben, ihre unfreiwillige Anwesenheit so angenehm zu gestalten, wie es uns möglich ist.

Friedrichshain hilft - Selbstbeschreibung: "Friedrichshain hilft" wurde im September 2015 ins Leben gerufen, um aktive Hilfe für flüchtende Menschen auch in unserem Stadtteil zu leisten.

Koordination Flüchtlinge am BAMF Spandau - Selbstbeschreibung: Diese Gruppe ist überparteilich und überkonfessionell. Wir organisieren Nothilfe für die Flüchtlinge am BAMF Askanierring 106 auf rein ehrenamtlicher Basis!