Flüchtlinge in Berlin

Lage am Lageso verbessert - Ex-Rathaus als Notunterkunft

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Foto: Gregor Fischer / dpa

Von Montag an unterstützen professionelle Helfer das Berliner Lageso. Im Rathaus Wilmersdorf wurde eine Notunterkunft eröffnet.

Nach dem Krisengespräch hat sich die Situation vor dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) verbessert. „Der Freitag war der entspannteste Tag der Woche“, sagte Sprecherin Silvia Kostner am Abend.

Auf den Rasenflächen vor dem Lageso warteten tagsüber weniger Menschen als in den Tagen davor. Dennoch sind alle 61 Heime restlos belegt. Deshalb wurde am Abend wesentlicher schneller als erwartet das Rathaus Wilmersdorf als Notunterkunft eröffnet, wie eine Sprecherin der Sozialverwaltung mitteilte. Berlin wolle allen Flüchtlingen eine Unterkunft bieten.

Die Notunterkunft Karlshorst ist inzwischen mit fast 1000 Flüchtlingen voll belegt. Ursprünglich sollte das Rathaus Wilmersdorf erst Ende August als Flüchtlingsunterkunft eröffnet werden.

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Vermutlich 100 bis 150 Flüchtlinge sollten abends vom Lageso mit Bussen nach Wilmersdorf gebracht werden. Bereits am Nachmittag bauten Mitarbeiter des Arbeiter-Samariter-Bundes Betten für Flüchtlinge auf.

Von Montag an soll das Platzmanagement vor dem Lageso noch deutlich verbessert werden. Dann wird ein großer Wohlfahrtsverband die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer steuern. Die Sprecherin von „Moabit hilft“, Diana Henniges, äußerte sich positiv über die Entlastung durch ein professionelles Team. Hunderte Freiwillige dieser Initiative versorgen seit einer Woche die Flüchtlinge mit dem Nötigsten. Zudem wird von Montag an ein Arzt der Johanniter ständig vor Ort sein - von 8.00 bis 20.00 Uhr.

Ebenfalls von Montag an wird die Stiftung „Gute Tat“ im Auftrag des Senats ein „rotes Telefon“ für Flüchtlingshilfe betreuen. Dort können sich alle freiwilligen Helfer unter der Berliner Telefonnummer 390 88 222 melden und werden eingeteilt.

Entlastung durch mobiles Team

Die Entlastung durch ein mobiles Team, das die Flüchtlinge vor Ort in der Notunterkunft Karlshorst registriere, sei deutlich spürbar, sagte der Lageso-Mitarbeiter, der für die Ausgabe der Nummern zuständig ist. Die dort untergebrachten Flüchtlinge müssten nicht mehr vor der ZAA anstehen.

Bisher waren die noch nicht registrierten Flüchtlinge abends mit Bussen nach Karlshorst gebracht worden. Das ehemalige Telekom-Gebäude ist nun voll. „Ohne hunderte Helfer wäre die Aufnahme der vielen Flüchtlinge in so kurzer Zeit nicht gelungen“, betonte Lichtenbergs Bezirksbürgermeisterin Birgit Monteiro. Die Ehrenamtlichen hätten Betten aufgebaut, Spenden gebracht oder entgegengenommen, sortiert, seien Ansprechpartner und auch Seelsorger für die Flüchtlinge. „Ihnen gebührt großer Dank“, so die SPD-Politikerin.

1000 bis 2000 Asylbewerber sprechen täglich vor

Die Situation vor der Zentralen Anlaufstelle (ZAA) auf dem Gelände des Lageso hatte sich in den vergangenen Wochen kontinuierlich zugespitzt. Täglich sprechen dort zwischen 1000 und 2000 neue Asylbewerber zur Registrierung sowie bereits untergebrachte Flüchtlinge in der Leistungsstelle vor. Das Personal kam einfach nicht mehr hinterher. Die sengende Sommerhitze verschärfte die Lage für die Hunderte wartenden Flüchtlinge. Dutzende ehrenamtliche Helfer der Initiative „Moabit hilft“ versuchten, durch Ausgabe von Getränken und Essen sowie medizinische Betreuung die Lage zu entschärfen.

Am Donnerstag stellte „Moabit hilft“ ein Ultimatum zur Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen. Mittes Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD) unterstützte sie dabei. Die Lageso-Personalratsvorsitzende Astrid Weigert wies am Freitag im rbb-Inforadio die harte öffentliche Kritik am Lageso zurück. Viele ihrer Kollegen seien inzwischen am Ende ihrer Kräfte und versuchten dennoch, unter unzumutbaren Bedingungen die Menschen zu versorgen.

( dpa )