Wirtschaft

Berliner Unternehmen fehlen 900 Lehrlinge

Trotz einer hohen Zahl an Arbeitssuchenden bleiben viele Ausbildungsplätze unbesetzt. Das gefährdet den Wirtschaftsstandort Berlin.

Zwei Wochen vor dem Ausbildungsstart sind bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) noch 900 freie Ausbildungsplätze registriert. „Bei der Vielfalt an Berufen haben vor allem auch Jugendliche Chancen, deren Schulzeugnisse nicht perfekt ausgefallen sind - wenn Sie motiviert sind“, sagt IHK-Bildungsgeschäftsführer Thilo Pahl. Plätze gibt es demnach noch in 65 verschiedenen Ausbildungsberufen, auch in den traditionell attraktiven Berufen, wie Mechatroniker oder Zerspanungsmechaniker.“

Last-Minute-Börse

Tatsächlich wird die Zahl der freien Ausbildungsplätze deutlich über den jetzt bekannten 900 liegen. „Viele Auszubildende treten die Stelle gar nicht erst an, weil sie doch einen Studienplatz erhalten oder eine bessere Alternative gefunden haben“, sagt IHK-Sprecher Leif Erichsen. Um Unternehmen und Jugendliche zusammen zu bringen, veranstaltet die IHK gemeinsam mit der Agentur für Arbeit und der Handwerkskammer am 9. und 10. September eine Last-Minute-Börse für Ausbildung in den Station-Hallen am Gleisdreieck.

„Ich appelliere an alle Jugendlichen, ihre Chance zu nutzen und sich auf die noch freien Ausbildungsplätze zu bewerben“, sagt Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD). „Gleichzeitig fordere ich die Unternehmen auf, nicht nur auf die Schulnoten zu achten.“ Nach Auffassung der Wirtschaftsverwaltung sollte der Zugang zu Ausbildung auch für Flüchtlinge vereinfacht werden. „Das Potenzial der bei uns Hilfe suchenden Flüchtlinge müssen wir nutzen und Möglichkeiten für Praktika oder eine Ausbildung schaffen“, sagt ein Sprecher der Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU). „Hierzu brauchen wir schnellere und einfachere Verfahren.“

Mehr Studenten als Auszubildende

Berliner Unternehmen klagen zunehmend über einen Mangel an ausbilddungsfähigen jungen Menschen. „Sie drängen immer häufiger in schulische Bildungsgänge oder entscheiden sich für ein Studium, anstatt eine Lehre zu beginnen“, stellten der IHK-Präsident Eric Schweitzer und der Präsident der Handwerkskammer, Stephan Schwarz, gemeinsam fest. 2013 sei die Zahl der Studienanfänger mit 31.500 fast doppelt so hoch gewesen wie die der Ausbildungsanfänger. „Den Berliner Unternehmen fehlen schon jetzt etwa 27.000 Fachkräfte“, heißt es in einer Bilanz von IHK und Handelskammer, die jetzt präsentiert wurde.

In Berlin bewarben sich laut Bundesagentur für Arbeit im vergangenen Jahr 20.900 junge Leute um einen Ausbildungsplatz, 2013 waren es noch fast 22.100. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Berlin geht dem Bericht zufolge seit Jahren stetig zurück. 2007 waren es noch knapp 21.900, im Jahr 2010 nur noch 18.900 und 2014 nicht einmal 16.000.