Fachkräftemangel

Berlin benötigt immer mehr Fachkräfte aus dem Ausland

Nachwuchsprobleme: Ohne Fachkräfte aus dem Ausland würde die Altenpflege in Berlin schon jetzt zusammenbrechen.

Nach Angaben der Senatssozialverwaltung werden derzeit rund 112.000 Menschen in Berlin von Altenpflegern betreut. Bis zum Jahr 2030 seien es 170.000

Nach Angaben der Senatssozialverwaltung werden derzeit rund 112.000 Menschen in Berlin von Altenpflegern betreut. Bis zum Jahr 2030 seien es 170.000

Foto: Angelika Warmuth / dpa

Berlin.  Ausländische Fachkräfte werden für die Wirtschaft in Berlin und Brandenburg immer wichtiger. Berlin konnte im vergangenen Jahr einen Zuwanderungsgewinn von mehr als 40.000 Menschen verzeichnen. Mehr als drei Viertel kamen nach Angaben der Industrie- und Handelskammer (IHK) aus dem Ausland. Viele Branchen sind auch längst auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen, um einem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

>> Kommentar: Arbeitskräfte aus dem Ausland sind unverzichtbar <<

Ein Sektor, der ohne Fachkräfte aus dem Ausland längst nicht mehr funktionieren würde, ist die Altenpflege. Das gilt für den Bund, aber insbesondere für Berlin. Auch Betreiber von Pflegeheimen setzen mehr und mehr auf Fachkräfte aus dem Ausland, etwa die Renafan GmbH, die deutschlandweit Seniorenheime und ambulante Pflegestationen führt.

Der Personalleiter von Renafan, Christian Deckert, sagte der Berliner Morgenpost, dass durch den demografischen Wandel künftig mehr Menschen pflegebedürftig werden würden. „Wir haben aber jetzt schon Nachwuchsprobleme bei Pflegefachkräften.“ Renafan habe bereits 90 Kräfte aus dem ehemaligen Jugoslawien gewonnen, 25 davon für Berlin. Außerdem arbeitet Renafan mit einer ungarischen Berufsfachschule für Gesundheitsberufe zusammen, um Absolventen dieser Schule für eine Arbeit in Deutschland zu gewinnen.

Nach Angaben der Senatssozialverwaltung werden derzeit rund 112.000 Menschen in Berlin von Altenpflegern betreut. Bis zum Jahr 2030 seien es 170.000. Ende 2013 waren in stationären Berliner Pflegebereichen knapp 15.000 Menschen beschäftigt, in der ambulanten Pflege waren es 21.000 Menschen. Aktuellere Zahlen liegen bislang nicht vor.

Ein großer Fortschritt, der nicht ausreicht

Damit ist klar, dass bis 2030 Tausende neue Pflegekräfte in Berlin benötigt werden. Im vergangenen Jahr wurden 2800 Altenpfleger ausgebildet, vor fünf Jahren waren es lediglich 1875. Das ist ein großer Fortschritt, reicht aber nicht aus. Für viele junge Menschen ist der Beruf angesichts schlechter Bezahlung und schwieriger Arbeitsbedingungen nicht attraktiv. Daher versucht die Sozialverwaltung, nicht nur Schulabgänger, sondern insbesondere auch Quereinsteiger und Migranten für eine Ausbildung in der Altenpflege zu motivieren.

In Brandenburg ist einem Betreiber eines Heimes die Betriebserlaubnis entzogen worden, unter anderem deshalb, weil zu wenig Pflegekräfte im Einsatz waren. Das gab es in Berlin bisher nicht. Regina Kneiding, Sprecherin von Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) sagte der Berliner Morgenpost, dass bei den von der Heimaufsicht durchgeführten Prüfungen in den meisten Fällen festgestellt wurde, dass genügend Fachkräfte eingesetzt sind. In den wenigen anderen Fällen habe man aber rechtzeitig gegensteuern können.