Der Trend ist seit Jahren gleich: Hunderte Ausbildungsstellen bleiben in Berlin unbesetzt, trotz einer im Bundesvergleich hohen Jugendarbeitslosigkeit von rund zehn Prozent. Viele junge Schulabgänger - ob mit oder ohne Schulabschluss - verschwinden aus dem Blickfeld der Schulen, ohne in irgendeiner Form im Berufsleben aufzutauchen. Das ist nicht nur für die Betroffenen bedauerlich, sondern auch für den Staat. Denn frühe Arbeitslosigkeit ohne Berufsausbildung führt oft dazu, jahrzehntelang auf staatliche Unterstützung angewiesen zu sein, ohne jemals selbst einen Euro in die Sicherungssysteme eingezahlt zu haben.
Viele Unternehmen beklagen zudem seit langem, dass die Zahl der Bewerber für Ausbildungsplätze oder reguläre Stellen sinkt. Die Lehrwerkstatt der Glaser könnte zum Beispiel doppelt so viele Glaserlehrlinge ausbilden als sich tatsächlich melden und wer eine Ausbildung im Hotel anstrebt, kann dies auch jenseits der klassischen Einstellungstermine im September und März tun.
Winwin-Situation
Es droht zudem ein dritter Faktor die Lage weiter zu verschlechtern. Noch macht sich der demografische Wandel in Berlin nicht so stark bemerkbar wie in anderen Regionen. Aber er wird in absehbarer Zeit auch hier dazu führen, dass immer weniger junge Menschen auf den Arbeitsmarkt drängen. Schon jetzt fehlen 27.000 Fachkräfte in der Stadt, beklagt die Industrie- und Handelskammer (IHK).
Um so wichtiger ist es, dass sich die Bundesregierung endlich zu einem Einwanderungsgesetz durchringt, dass das starre Asylverfahren entlastet. Viele der in diesen Wochen und Monaten hier ankommenden Flüchtlinge verfügen über eine gute Schulbildung oder Berufserfahrung und sind hoch motiviert. Statt sie monatelang, manchmal sogar jahrelang dem Arbeitsmarkt zwangsweise vorzuenthalten, sollte denen, die sowieso bleiben werden, ein schneller Eintritt ins Berufsleben ermöglicht werden. Einen besseren Weg zur Integration gibt es nicht. In Berlin haben erste Modellprojekte dazu stattgefunden. Mit guten Ergebnissen. Es wäre eine Winwin-Situation - für die Flüchtlinge wie für die Unternehmen.





