Freizeit

Wie man auf dem Wasser Berlin umrunden kann

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Jeanette Bederke

Auf Oder, Spree und Kanälen lässt sich die Hauptstadt umrunden. Unterwegs gibt es viel zu sehen und zu erleben.

Frankfurt(Oder).  Freizeitkapitäne mit Sportbootführerschein können in Brandenburg jetzt Neues abseits der bekannten und viel befahrenen Binnenwasserstraßen entdecken. Der Tourismusverband Seenland Oder-Spree-Seenland hat dafür die 340 Kilometer lange Wasserwanderroute Berlin-Oder-Umfahrt konzipiert: „Die führt über die Oder nordwärts in den Finowkanal zum Schiffshebewerk, von dort aus über die Oder-Havel-Wasserstraße weiter bis Oranienburg, über die Spree durch Berlin und zurück zur Oder über den Oder-Spree-Kanal“, beschreibt Geschäftsführerin Ellen Rußig.

Das neue Angebot ist vor allem für jene etwas, die bereits Bootstourenerfahrungen haben und die sich ein oder zwei Wochen dafür Zeit nehmen wollen, sagt sie. Die Großstadt Berlin mit ihren zahlreichen Sehenswürdigkeiten ist ein idealer Startpunkt. Die Spree führt mitten durch die Innenstadt vorbei am neuen Regierungsviertel und durch die historische Mitte. Die Mark bietet als Kontrastprogramm in weiten Teilen ruhige und naturbelassene Flusslandschaften.

Ein mehr als 100 Jahre alter Schiffsfahrstuhl

Aber auch hier gibt es unterwegs noch eine Menge mehr zu sehen, beispielsweise beeindruckende Monumente der Industriegeschichte wie das Schiffshebewerk Niederfinow, einen über 100 Jahre alten Schiffsfahrstuhl, oder auch die älteste künstliche Wasserstraße Deutschlands, den Finowkanal. Und noch etwas zeichnet die Umfahrt aus: Unterwegs gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Abstecher in benachbarte Gewässer zu machen – im Süden von der Spree aus in den Schwielochsee, im Norden vom Oder-Havel-Kanal in die Ruppiner Seen, von der Oder flussaufwärts in Richtung Breslau.

Flussabwärts lohnt sich eine Tour ins Vogelparadies Warthebruch bei Küstrin-Kietz oder in Höhe Schwedt in die deutsch-polnische Nationalparkregion Unteres Odertal. Die malerische, naturbelassene Auenlandschaft der Oder selbst ist zweifellos das Highlight der Umfahrt – auch wenn das Befahren des Grenzflusses aufgrund schwankender Wasserstände und einer starken Strömung für Freizeitkapitäne eine Herausforderung ist. Entschädigt wird der Reisende dafür durch eine Ursprünglichkeit und Idylle, wie es sie an regulierten Flüssen längst nicht mehr gibt.

Ungestörte Ruhe auf dem Fluss

Bisher kaum touristisch erschlossen, verspricht die Oder ungestörte Ruhe auf dem Wasser. Was kaum jemand weiß: Die Oder ist eines der wenigen Gewässer in Deutschland, für das es bisher keine Geschwindigkeitsbegrenzung gibt. Die von Stromschnellen geprägte Strömung der Oder ist allerdings auch der Grund dafür, dass Wassertouristen die Umfahrt am besten entgegengesetzt dem Uhrzeigersinn machen sollten, um dann von Eisenhüttenstadt bis Hohensaaten stromabwärts zu schippern. Zwar ist die Tour auch andersherum möglich, doch kostet die Oderfahrt stromaufwärts je nach Bootsmotorenausstattung Zeit und zusätzlichen Kraftstoff. Wer in Berlin startet, fährt also auf der Spree Richtung Süden – von Friedrichshain über Karlshorst, Adlershof und Köpenick. Weiter geht es dann ab der Stadtgrenze über den Oder-Spree-Kanal 84 Kilometer durch schier endlos erscheinende Wälder.

Zu Besuch in der DDR-Modellstadt

Unterwegs lohnen die Domstadt Fürstenwalde und der Erholungsort Müllrose im Schlaubetal für einen Landgang. Über die beeindruckende Eisenhüttenstädter Zwillingsschachtschleuse, Baujahr 1929, geht es in die Oder. Auch hier sollten Reisende einen Zwischenstopp einlegen, um sich die in den 50er-Jahren am Reißbrett entworfene DDR-Modellstadt etwas näher anzuschauen. Ein erster Stopp auf dem anspruchsvollen Grenzfluss ist in Frankfurt möglich. Im sogenannten Winterhafen, einem ruhigen Seitenarm im nördlichen Bereich der Stadt, ist durch ein deutsch-polnisches EU-Projekt eine Marina entstanden – mit einer modernen, 60 Meter langen Steganlage mit 18 Liegeplätzen für Sportboote.

Weiterhin gibt es Sanitäranlagen, Stromanschlüsse, Entsorgungsmöglichkeiten, eine Trinkwassertankstelle und fünf Caravanstellplätze. Zudem kann an dem ruhigen Seitenarm der Oder gegen Gebühr auch gezeltet werden. Von der Marina aus führt eine eingepflegte Uferpromenade geradewegs ins Frankfurter Stadtzentrum und zum innerstädtischen Grenzübergang nach Polen, vorbei an der Konzerthalle, der Musikschule und dem zur Gedenkstätte umgestalteten früheren Stasi-Gefängnis mit original erhaltenem Zellentrakt. Wer den Grenzübergang links liegen lässt, gelangt an der Uferpromenade geradewegs zum Kleist-Museum, dem berühmtesten Sohn der Oderstadt gewidmet.

Höhenunterschied von 36 Metern

Weitere Anlegemöglichkeiten auf dem Grenzfluss gibt es bisher lediglich in Lebus und Küstrin. Am Anleger in Lebus lockt das „Anglerheim“ mit Fischgerichten, in Küstrin empfiehlt sich ein Abstecher auf die östliche Flussseite zu den Ruinen der ehemaligen Festungsstadt. Nach insgesamt 113 Oderkilometern biegt die Tour bei Hohensaaten und der Ostschleuse in westlicher Richtung auf die Oder-Havel-Wasserstraße ab. Nach etwa 13 Kilometern Fahrt durch das flache Oderbruch ist der Barnim erreicht, ein eiszeitlich geprägter Höhenzug. Die 36 Meter Höhenunterschied werden entweder über den Oder-Havel-Kanal und das Schiffshebewerk Niederfinow oder alternativ über den Finowkanal mit 12 Schleusen überwunden.

Das letzte Stück führt durch die Berliner Innenstadt

Wer ausreichend Zeit mitbringt, sollte sich die 34 Kilometer lange Fahrt auf Deutschlands ältestem noch in Betrieb befindlichen Kanal mit zahlreichen malerischen Anrainerorten wie der Stadt Eberswalde in Kombination mit längeren naturbelassenen Abschnitten nicht entgehen lassen. Bei Kilometer 50 stößt der Finowkanal wieder auf den Oder-Havel-Kanal. 25 Kilometer weiter gelangt der Wasserwanderer nach Oranienburg. Weiter geht es auf dem Oder-Havel-Kanal bis zur Schleuse Spandau, das letzte Tourstück führt wieder über die Spree. Nach etwa 16 Kilometern ist die Berliner Innenstadt erreicht.