Stolz sitzt Jakob auf der Feldbahnlok und lässt sich den Fahrtwind um die Nase wehen. Vater Marian Sommer führt die Lok, die in gemütlichem Tempo und mit viel Getöse durch den ehemaligen Ziegeleipark Mildenberg in Brandenburg rattert.

Mit der ganzen Familie sind die beiden per Auto angereist, und haben die Lok Orenstein & Koppel MD 1 aus Lohmen bei Dresden auf einem Anhänger extra zum 1. Märkischen Feldbahnfest geschafft. Viele Eisenbahn-Fans sind an diesem Wochenende in den Park gekommen, um historische Feldbahnen und Dampfloks zu bestaunen, die dort einst die Ziegel transportierten.

Wer das verpasst hat, kann unter dem Motto „Unterwegs in der Tonstichlandschaft“ an jedem ersten Wochenende im Monat noch bis Oktober (auch am 9.6., 16. bis 17.8., 3.10) weitere abenteuerliche Dampflok-Fahrten erleben.

Mit der Dampflok auf Tour

Aber nicht nur das bietet das ehemalige Ziegeleigelände, das an der Oberen-Havel-Wasserstraße liegt und zudem in eine einzigartige Seenlandschaft eingebettet ist. In dem rund 42 Hektar großen Park, eine der bedeutendsten Industrie-Kultur-Stätten Europas, kann man an spannenden Führungen, Fahrten und vielen verschiedenen Aktivitäten teilnehmen. Alte Industriegebäude wurden in den vergangenen Jahren dafür instand gesetzt und aus einer Industriebrache ein großer Erlebnispark mit Erholungsfaktor geschaffen.

So erfährt man zum Beispiel ausführlich, wie dort bis 1991 Ziegel hergestellt wurden. Richtig spannend wird’s beim Rundgang durch den ehemaligen riesigen Ringofen, in dem die Ziegel gebrannt wurden. Begleitet von den typischen Geräuschen klirrender Ziegel und fauchenden Feuers wandern die Besucher durch einen Brennkanal des Ringofens, gewappnet mit einem leuchtenden Plastikziegel, der etwas Licht spendet.

Bereits 1894 wurde der Ringofen eröffnet, in dem noch bis 1990 Ziegel gebrannt wurden. Von der Tonaufbereitung bis zum Brennen und Auskühlen der Ziegel wird im Ziegeleipark der gesamte Arbeitsprozess anschaulich nachgestellt.

Wie man seine Ziegel selbst herstellt

Milliarden von Ziegeln wurden in dem Zehdenicker Ziegelrevier, dem größten Europas, zu Gründerzeiten hergestellt, aus denen Berlin und große Teile der Mark Brandenburg erbaut wurden. Per Lastkahn transportierte man die Ziegel über die Wasserwege nach Berlin, worauf auch der Spruch basiert: „Berlin wurde aus dem Kahn gebaut“.

Wer möchte kann sich auch einmal selbst am Formen von Ziegeln versuchen. So wie Dustin (8) und Celine (6) aus Berlin. Die beiden Geschwister haben großen Spaß daran, aus dem matschigen Ton eigene Ziegel herzustellen. Oma Heike Günther (48), Großpapa Lutz Back (70) und Bruder Francesco (11) stehen daneben und begutachten die kleinen Werke der Kinder.

„Wir sind hier auf Familienausflug und finden das Angebot einfach toll“, sagt Heike Günther. „Besonders die Fahrten mit der Bahn gefallen uns“, sagt sie. Einen ganzen Tag wollen sie dort verbringen, denn es gibt ja „eine Menge zu sehen“.

Picknicken, Baden und eine Abenteuerspielwiese

Ziegel unter Anleitung selbst herstellen kann man auch an den Handwerkertagen, die jedes erste Wochenende im Monat, von April bis September, stattfinden. Dann bekommt jeder Ziegel eine Nummer und wenn sie nach dem Trocknen bei der Spätsommernacht am 6. September gebrannt werden, bekommt jeder seinen eigenen Ziegel wieder zurück.

Etwas für schlaue Köpfe ist die Ziegelpark-Rallye. An zwölf Stationen müssen Fragen beantwortet werden: Wer alles richtig macht, bekommt am Ende im Besucherzentrum eine kleine Überraschung geschenkt.

Außerdem locken eine Abenteuerspielwiese mit Seilfähre und Kleintierzoo. Im Sommer lädt der Park zu einem Picknick im Grünen und zum Baden in den glasklaren Tonstich-Seen ein.

Wassersportler machen fest

Wer mehr Zeit dort verbringen möchte, kann entweder im Hotel ein Zimmer buchen, eine Ferienwohnung mieten oder mit seinem Camper anreisen. Wassersportler haben die Möglichkeit mit ihrer Motoryacht zum Beispiel an einem der 40 Gastliegeplätze des Yachthafens Mildenberg festzumachen.

Übrigens ist Mildenberg ein perfekter Ausgangspunkt für Touren zur Mecklenburgischen Kleinseeplatte, zum Finowkanal, dem ältesten noch schiffbaren Kanal Deutschlands und zur kurvigen Havel – auch per Kanu.

Direkte Verbindungen zur Ostsee, Oder, Elbe und nach Berlin, machen die Wasserstraßen für Freizeitsportler attraktiv.

Führerschein für die Ziegelbahn

Wer davon träumt, im Ziegeleipark eine Lok einmal selbst zu fahren, hat in den Sommerferien beim Eisenbahntag (montags, mittwochs, freitags, jeweils 11 bis 16 Uhr nach Voranmeldung) die Gelegenheit dazu.

Während der 30-minütigen Fahrt (10 Euro pro Person) lernt man auf einer Feldbahnlok unter Anleitung wie sie funktioniert und kann eine große Runde im Park drehen.

Am Ende gibt’s – nach bestandener Prüfung – sogar einen „Ziegelbahn-Führerschein“.

Eintrittspreise und Öffnungszeiten

Der Ziegeleipark ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Das Ziegeleipark-Ticket (Park-Eintritt & Ziegeleibahn) kostet für Erwachsene 8 Euro, für Kinder 4 Euro. Für das Picknick-Ticket (nur Parkgelände), die Naturpark-Tour sowie das Kurzzeit-Ticket (nur Ausstellungen) zahlen Erwachsene jeweils 5 Euro, Kinder 2,50 Euro.

Das Ziegeleipark-Ticket & Themenführung, das Ziegeleipark-Ticket & Naturpark-Tour sowie das Ziegeleipark-Ticket & Audio-Guide-Führung kosten jeweils für Erwachsene 11 Euro, für Kinder 5,50 Euro.

Für eine Mitfahrt im Führerstand einer Dampflok zahlen Erwachsene und Kinder jeweils 10 Euro. Kinder: 4–14 Jahre, jedes weitere Kind zahlt 50 Prozent. Weitere Fahrten und Veranstaltungen unter www.ziegeleipark.de