Spree-Pläne

Wie Berlin die Wasserqualität der Spree verbessern will

Senator Andreas Geisel und Wasserbetriebe-Chef Jörg Simon präsentieren ihre Spree-Pläne. Doch dann gibt es Protest.

Dreißig Mal im Jahr ergießt sich die Berliner Kanalisation in die Spree. Wenn Starkregen auf die Hauptstadt niederprasselt, kann das Kanalsystem die Wassermengen nicht halten, ein Gemisch aus Regenwasser, Abwässern, Fäkalien und Straßenschmutz fließt in die Spree.

Mitte Juni kam es zum letzten großen Überlauf. „Acht Tonnen organischen und anorganischen Materials mussten aus dem Fluss geholt werden“, sagte Andreas Geisel (SPD), Senator für Stadtentwicklung und Umwelt am Montag. Geschätzte vier Tonnen davon waren tote Fische.

„Eine dringende Aufgabe“

Um zu zeigen, dass Berlin etwas gegen das altbekannte Problem Mischwasserkanalisation unternimmt, lud die Senatsverwaltung am Montag gemeinsam mit den Berliner Wasserbetrieben (BWB) zu einer Bootsfahrt. Mit an Bord: Senator Geisel, der Staatssekretär für Verkehr und Umwelt, Christian Gaebler (SPD), der BWB-Vorstandsvorsitzende Jörg Simon, Fischereibiologen, Planer sowie Objektmanager. „Die Verbesserung der Wasserqualität der Berliner Gewässer ist eine dringende Aufgabe“, sagte Geisel.

Bei strahlendem Sonnenschein fuhr der Ausflugsdampfer am Hauptpumpwerk B5 vorbei – von hier aus werden alle Pumpen im insgesamt 2000 Kilometer langen Kanalsystem gesteuert – hin zu Ausläufen, aus denen nach einem Wolkenbrüchen das verdreckte Kanalwasser in die Spree fließt.

Dann drehte das Boot eine Schleife um „Rudolf Kloos“, ein Kahn mit einem großen Kanister, aus dem 200 Liter Flüssigsauerstoff pro Stunde in den Fluss gepumpt wird. Denn wenn die Kanalisation überläuft, vermehren sich im Wasser die Mikroben und nehmen den Fischen die Luft zum Atmen weg. Rudolf Kloos gibt sie ihnen zurück – im Landwehr- und im Neuköllner-Schifffahrtskanal, fünf Nächte die Woche.

„Der Gestank ist bestialisch“

Nicht an Bord an diesem Montag war Edgar Schmidt von Groeling und Ralf Steeg – sie hatten um Mitfahrt gebeten, Wasserbetriebe und Senatsverwaltung lehnten ab.

Steeg macht sich seit Jahren für saubere Berliner Gewässer stark und hat mit Spree2011 ein Pilotprojekt für die Abwasserspeicherung bei Starkregen verwirklicht. Warum er nicht mitfahren durfte? Steeg zitierte Tucholsky: „Wer auf den Schmutz hinweist, gilt für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht.“ Schmidt von Groeling ist Betreiber des Hotelboots „Eastern Comfort“. Das liegt in der Nähe der Oberbaumbrücke, etwa 200 Meter von einem der Kanalausläufe entfernt. „Wir können dann Tage lang die Fenster nicht öffnen, der Gestank ist bestialisch“, beschrieb von Groeling die Lage nach einem Wolkenbruch.

Er lebe seit 16 Jahren auf Hausbooten, die Wasserqualität, da ist er sich sicher, hat sich in den letzten Jahren verschlechtert. Präsent waren die beiden Kritiker bei der Bootsfahrt dennoch. Von Groeling steuerte mit einem Motorboot den Ausflugsdampfer an und machte seinem Unmut lautstark Luft. Und Steegs Spree2011 war Diskussionsthema zwischen Politikern und Journalisten.

70.000 Kubikmeter Kanalisation

Gaebler verwies während der Bootsfahrt auf die geringe Speicherkapazität von Spree2011. Diese beträgt derzeit 500 Kubikmeter. Das erklärte Ziel der Senatsverwaltung: Bis 2020 sollen weitere 70.000 Kubikmeter Kanalisationen und Becken entstehen, die bei Starkregen das überschwappende Abwasser aufnehmen. In fünf Jahren soll es nur noch höchstens zehn Mal im Jahr in die Spree fließen. Um das zu erreichen wurden seit 1998 rund 27 Milliarden Euro investiert und 74.345 Kubikmeter Speicherkanalisation gebaut. Nun sollen in den nächsten Jahren fast genauso viel dazu kommen. „Das ist eine hehre Aufgabe“, sagte Kanalisationsplaner Kay Joswig.