Kulturforum

Offener Wettbewerb für Museumsneubau gefordert

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Sabine Gundlach
Der freie Blick zu Scharouns Philharmonie und Kammermusiksaal (links) könnte durch den Neubau des Musuems der Moderne verstellt werden

Der freie Blick zu Scharouns Philharmonie und Kammermusiksaal (links) könnte durch den Neubau des Musuems der Moderne verstellt werden

Foto: Marion / Marion Hunger

Kulturforum gefährdet: Der geplante Standort eines Museums der Moderne an der Potsdamer Straße ruft immer mehr Kritiker auf den Plan.

Die Festlegung des Bundes für einen Standort des geplanten Museums der Moderne an der Potsdamer Straße ruft immer mehr Kritiker auf den Plan. Stein des Anstoßes: Noch in diesem Sommer soll ein offener Ideenwettbewerb starten, der sich aber ausschließlich auf das Grundstück zwischen Neuer Nationalgalerie und Philharmonie bezieht. Damit bleibt ein alternativer und bereits 2013 in einem Gutachten empfohlener Standort für das Museum auf dem Kulturforum völlig außer Acht. Architekten, Stadtplaner und Fachverbände befürchten, dass damit die Zukunft des Kulturforums verbaut wird.

Der Haushaltsausschuss des Bundestages hatte am 16. Juli 2,4 Millionen Euro für den Erwerb des Grundstücks an der Potsdamer Straße und zur Auslobung des Ideenwettbewerbs für das Museum der Moderne freigegeben. Für den Bau selbst hat der Bund bereits 2014 die Summe von 200 Millionen Euro bewilligt.

Volkwin Marg: Der Bund verschenkt Chance für das Kulturforum

„Die Entscheidung für diesen einen Standort ist eine eigenmächtige Festlegung durch Kulturstaatsministerin Monika Grütters, mit der der Bund die letzte Chance zur Neugestaltung des Kulturforums verschenkt“, sagte Volkwin Marg der Berliner Morgenpost. „Denn damit wird die Sichtbeziehung zwischen den herausragenden Architekturen von Scharouns Philharmonie und Mies van der Rohes Neuer Nationalgalerie gefährdet und das Ensemble von Weltkulturerbe-Niveau auf dem Kulturforum gestört“, so Marg.

Der renommierte Planer und Mitbegründer des weltweit agierenden Büros gmp Architekten plädiert für ein offenes Verfahren ohne frühzeitige Festlegung auf ein Baugrundstück, wie es Monika Grütters im Alleingang durchgesetzt habe.

Standortanalyse 2013: Argumente für Sigismundstraße

Marg selbst favorisiert als Museums-Standort das Baufeld an der Sigismundstraße. „Die Standortvergleichsanalyse des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR) hat 2013 ergeben, dass dort optimale Verbindungen des Neuen Museums durch Zugänge zur Gemäldegalerie wie zur Nationalgalerie möglich sind, und ein Bau dort zudem die Sichtbeziehung zwischen allen Kultureinrichtungen frei hält“, sagt Marg.

Er verweist auf das Positionspapier der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), der Bauherrin des künftigen Museums, in der Hermann Parzinger und Michael Eissenhauer noch vor zwei Jahren einen Neubau an der Sigismundstraße vorgeschlagen haben.

Protest der Verbände

Auch die Berliner Architektenkammer, der Bundesverband des Bundes Deutscher Architekten (BDA), die Bundesstiftung für Baukultur und die Stiftung Zukunft für Berlin kritisieren das Vorgehen des Bundes bei der Planung.

„Es ist angesichts der Bedeutung dieses Ortes nicht angemessen, dass die Politik dort einfach eine Entscheidung trifft, ohne die Architektenschaft oder auch die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung zu beteiligen“, sagt Benedikt Hotze. Wie der BDA-Sprecher sagte, fordere der Bundesverband deshalb, „dass der Standort für das Museum der Moderne in einem städtebaulichen Ideenwettbewerb gefunden und nicht vorgegeben wird und dass im Rahmen dieses Wettbewerbs auch die Belange des gesamten Kulturforums berücksichtigt werden“.

Ein offenes Verfahren beim Ringen um díe beste Lösung für das neue Museum und das Kulturforum fordert auch die Berliner Architektenkammer. Präsidentin Christine Edmaier bestätigte der Morgenpost, „dass wir die Entscheidung für das Museseum der Moderne grundsätzlich begrüßen, uns gleichwohl aber auch einen standortoffenen Ideenwettbewerb wünschen.“ Auch die Stiftung Zukunft Berlin kritisiert die mit der Freigabe der Planungsgelder verbundene Festlegung auf ein Grundstück.

Es gibt aber auch Architekten, die Grütters’ Festlegung grundsätzlich begrüßen. „Nach 40 Jahren Diskussion über die Zukunft des Kulturforums halte ich es für sinnvoll, dass ein Standort festgelegt und mit der Planung begonnen wird“, sagt Jan Kleihues. Es sei schließlich Aufgabe von Architekten für solch komplexe Grundstücke, auch wenn sie inmitten herausragender Architektur stehen, eine angemessene Lösung zu finden, so der Architekt.

Kleihues: So ein Museum ist kein Renditeobjekt

Grütters Ansinnen, den Museumsneubau als Public-Private-Partnership-Projekt zu realisieren und damit das sonst für Bauten des Bundes zuständige Bundesamt für Bauwesen bei dem Vorhaben außen vor zu lassen, stößt allerdings auch bei Kleihues auf Kritik. „So ein Museum ist schließlich kein Renditeobjekt“, mahnt der in Berlin beheimatete Architekt .

„Wenn der Bund 200 Millionen Euro auf den Tisch legt für ein staatliches Museum der Moderne auf dem Kulturforum, das zweifellos ein Areal von nationaler Bedeutung ist, dann sollte auch der Bau Aufgabe des Bundes bleiben und in diesem Fall nicht in private Hände gegeben werden“, sagt auch Reiner Nagel. Der Vorsitzende der Bundesstiftung für Baukultur in Potsdam kritisiert zudem ebenso „die voreilige Herangehensweise durch Festlegung des Standortes.“

„Aus Sicht eines klugen Entwicklungsmanagement sollte man einen Schritt nach dem anderen gehen, und nicht gleich einen Eckpfeiler in die Mitte des Kulturforums setzen und frühzeitig einen Standort festlegen. Man sollte in der jetzigen Vorplanungsphase erst einmal alle Optionen im Rahmen eines Ideenwettbewerbs belastbar prüfen“, fordert Nagel. Persönlich favorisiere auch er den Standort an der Sigismundstraße.

Architektenkammer fordert öffentliche Jurysitzungen

Unterdessen bringt die Berliner Architektenkammer noch einen ganz anderen Aspekt in die Diskussion um den Wettbewerb für das Kulturforum ein. So plädiert Präsidentin Edmaier für die Öffnung von Jurysitzungen für die interessierte Öffentlichkeit.

„Wir haben das jüngst in einer Sondersitzung des Ausschusses für Wettbewerbe und Vergabe diskutiert“, bestätigte Edmaier im Gespräch mit der Berliner Morgenpost. „Ähnlich wie bei besonderen Gerichtsverfahren sollte man auch bei einem offenen Ideenwettbewerb eines solch bedeutenden Projektes wie dem Neubau des Museums für die Moderne über die Möglichkeiten öffentlicher Jurysitzungen nachdenken“ so Edmaier. Der Vorteil einer Öffnung solcher Sitzungen sei mehr Transparenz. „Warum soll die Öffentlichkeit nicht teilnehmen und nachvollziehen können, wie die Seiegrentwürfe ausgewählt werden“, so Edmaier.

Bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz stößt der Vorschlag allerdings nicht auf Zuspruch. „Wir haben uns auf ein nichtöffentliches Verfahren verständigt, wie es bei solchen Wettbewerben üblich ist“, antwortet Ingolf Kern auf Nachfrage. Der Sprecher der Stiftung , die als Bauherrin auch Ausloberin der Wettbewerbe für den Neubau ist, verweist darauf, dass sopwohl die Auslobung als auch die Ergebnisse des Ideenwettbewerbs öffentlich präsentiert werden.