Sportevent

Gauck - Makkabiade in Berlin ist ein "wichtiges Symbol"

Die Makkbiade ist eröffnet. Bundespräsident Joachim Gauck würdigte die erstmalige Austragung der jüdischen Sportspiele in Deutschland.

Haben Spaß: Das Wasserball-Team aus Israel bei der Eröffnungsfeier in der Waldbühne

Haben Spaß: Das Wasserball-Team aus Israel bei der Eröffnungsfeier in der Waldbühne

Foto: Getty Images

Mit einem ebenso kraft- wie gefühlvollen Auftritt des Berliner Popbarden Adel Tawil (Ich und Ich) hat am Dienstagabend die Eröffnungsfeier der Europäischen Makkabi-Spiele 2015 begonnen. "Ich wünsche euch friedliche und glückliche Spiele", rief Tawil, bevor er mit seinem Hit "Wir sind vom selben Stern" die etwa 8000 Besucher mitriss.

Nach seinem Duett mit dem US-Künstler Matisyahu und der schönen Botschaft "Zu Hause ist da, wo Deine Freunde sind" erhoben sich die Gäste von den Sitzen. Die Moderatoren Palina Rojinski und Ran Tzahor begrüßten Bundespräsident Joachim Gauck. Der bahnte sich gemeinsam mit Alon Meyer, dem Präsidenten von Makkabi Deutschland, dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Klaus Böger, dem Präsidenten des Landessportbundes, den Weg durch den VIP-Bereich.

Als der Einmarsch der Nationen begann, standen die meisten Besucher erneut auf, um den Athleten ihre Anerkennung zu zollen. Mit frenetischem Beifall wurde die erste Delegation begrüßt: Israel. Mit 118 Teilnehmern ist sie zugleich eine der größten. Dann zogen sie in einer langen, fröhlichen Reihe ein, jubelnd, strahlend und unzählige Handyfotos und Selfies machend - Argentinien, Australien, Österreich, Belgien, Bosnien-Herzegowina, Weißrussland, Kanada, Tschechien, Dänemark, Spanien, Estland, Finnland, Frankreich, Großbritannien. Die Briten stellen nicht nur mit 153 Athleten die drittgrößte Delegation, sie machten auch unbestritten beim Einzug den meisten Lärm.

Unmittelbar danach folgte mit lediglich einem Sportler die kleinste Delegation: Georgien. Dann kamen Gibraltar, Ungarn, Irland - ebenfalls mit nur einem Vertreter - Italien, Litauen, Moldawien, Mexiko, Niederlande, Polen, Rumänien, Südafrika, Russland, Schottland, Schweiz, Slowakei, Schweden, Türkei, Ukraine, die USA mit mehr als 200 Teilnehmern und schließlich zum guten Schluss, die größte Delegation. Deutschland mit 365 Sportlern. Wieso ihr Einzug allerdings mit den Klängen des Pippi-Langstrumpf-Songs begleitet wurde, blieb ein Geheimnis der Veranstalter.

Ein Ort, an dem Nazis den Sport missbrauchten

Bundespräsident Joachim Gauck würdigte die erstmalige Austragung der Europäischen Makkabi-Spiele in Deutschland „als wichtiges historisches Symbol“. Besonders beeindruckend sei, dass die Wettkämpfe auf dem Olympiagelände, das 1936 Schauplatz der Olympischen Spiele der Nationalsozialisten war, ausgetragen würden, sagte Gauck er in seiner Eröffnungsrede. „Ich freue mich, dass Sie sich diesen Ort ausgesucht haben – und ich bin sehr bewegt, dass dieses Land und diese Stadt nun die jüdischen Spiele sehen werden.“

Die Makkabi-Spiele seien damit zu ihren Wurzeln zurückgekehrt, sagte Gauck. Die jüdische Sportbewegung sei ursprünglich eine Gründung aus Deutschland und auch eine Antwort auf wachsende Judenfeindlichkeit damals in der Gesellschaft gewesen. „Nun also, nach so vielen Wendungen der Geschichte, sind hier, auf dem ehemaligen Reichssportfeld, jüdische Sportler aus allen Teilen der Welt, aus Israel und darüber hinaus versammelt – im friedlichen, sportlichen Wettbewerb.“

70 Jahre nach dem Ende des Dritten Reiches freute sich auch der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, auf die Europäischen Makkabi-Spiele in Berlin. „Wo die Nazis von einem judenfreien Europa träumten, lassen wir unseren jüdischen Traum Wirklichkeit werden“, sagte Schuster bei der Eröffnungsfeier der Wettkämpfe. Für Schuster sind die Spiele zugleich ein Vertrauensbeweis. „Die internationale Makkabi-Gemeinschaft reicht Deutschland die Hand.“

Auch die aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland gekommenen Juden hätten Deutschland vertraut und das jüdische Leben nach dem Fall des Eisernen Vorhangs bereichert. „Sie haben damit Deutschland ein großes Geschenk gemacht“, sagte der Vorsitzende des Zentralrats. Umgekehrt verdankten die Juden Deutschland in den vergangenen 70 Jahren ein Leben in Frieden und Sicherheit.

Rekordbeteiligung von Sportlern

Bei den Makkabi-Spielen kämpfen bis zum 5. August rund 2300 jüdische Sportler aus 38 Ländern im Berliner Olympiapark in 19 Sportarten um Medaillen. Zu den Disziplinen gehören Badminton, Schwimmen und Fußball, aber auch Bridge und Schach. Sportlich haben die Spiele nicht das Niveau von Olympischen Spielen. Aber zu dem Ereignis in Berlin hatten sich so viele Sportler wie nie zuvor angemeldet. Die Organisatoren verzeichneten eine Rekordbeteiligung.

Schon vor der offiziellen Eröffnung durch den Bundespräsidenten hatten die mit einem Etat von fünf Millionen Euro ausgestatteten 14. Europäischen Makkabi-Spiele, im Olympiapark, wo 1936 jüdischen Sportlern der Start bei den Olympischen Spielen verwehrt worden war, begonnen. Im Basketball, Hockey, Fußball, Tennis, Futsal und Volleyball traten am Vormittag die ersten der Amateur-Athleten an.

Gedenken der Opfer des Nazi-Terrors

Zur Eröffnung der Spiele erinnerte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) an die Opfer des Nazi-Terrors. „Unter den sechs Millionen Toten waren auch viele jüdische Sportler“, sagte Maas am Dienstagnachmittag bei der Gedenkveranstaltung auf dem Olympiagelände. „Deutschland hat sich an diesen Menschen doppelt versündigt: Erst hat es ihnen in der Nazi-Diktatur Ehre und Leben genommen, und dann – nach 1945 – hat es jüdischen Spitzensportlern viel zu lange eine würdige Erinnerung versagt.“ Inzwischen sei sich Deutschland wieder seiner großen jüdischen Sportler bewusst.

Maas nannte etwa den Fußball-Nationalspieler Julius Hirsch und die Turn-Olympiasieger Alfred und Gustav Flatow, die in Konzentrationslagern ermordet wurden. „Ich verneige mich vor allen jüdischen Sportlerinnen und Sportlern, die von Deutschen verfolgt, gequält und getötet wurden.“ Mit Blick auf die lange Tradition der Makkabi-Sportspiele der jüdischen Vereine erklärte Maas: „Es war nicht zuletzt der Antisemitismus der bürgerlichen Turn-Bewegung, der Juden Anlass gab, sich in eigenen Sportvereinen zu organisieren.“

Der sportpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Eberhard Gienger, wertete die Spiele als „historisches Zeichen“. Sie „zeigen, dass jüdisches Leben in Deutschland wieder pulsiert“, sagte der frühere Turn-Weltmeister: „Wie bei der Fußballweltmeisterschaft 2006 heißt es auch heute: Die Welt zu Gast bei Freunden.“

Auftakt zu den Maccabi Games
Video: Abendschau, RBB

„Das sind die Spiele der Versöhnung“, sagte Alon Meyer, Präsident von Makkabi Deutschland: „Es gab Bedenken, ob es richtig ist, die Spiele nach Berlin zu bringen, so lange es noch Überlebende des Holocaust gibt, so lange es noch Menschen mit einer Nummer auf dem Unterarm gibt“, so Meyer. „Wir werden alle eines Besseren belehren, die dagegen waren. Es war richtig, die Spiele nach Berlin zu holen. Wir wollen mit diesen Spielen Deutschland ins richtige Licht rücken.“

Zumal die Geschichte der Stadt so eng mit dem jüdischen Leben verbunden ist wie vielleicht keine andere in Deutschland. Mittlerweile leben wieder mehr als 10.000 Juden in Berlin, alleine die Plakatslogans „Bei Gold werden alle meschugge“ oder „Die schnellste Ische Europas“ verdeutlichten, wie eng verbunden schon der Sprachschatz ist.“

Bei ihren Bemühungen bekommen die Veranstalter volle Unterstützung aus der Politik. „Der von Deutschland begangene Zivilisationsbruch der Shoah steht tief in unserem Gedächtnis eingeschrieben“, schrieb Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Grußwort: „Angesichts der Vergangenheit kann Deutschland für die wiedererstarkte Vielfalt jüdischen Lebens unter uns und das neu gewachsene Vertrauen der Gäste aus dem Ausland nur zutiefst dankbar sein.“

Spiele unter besonderem Schutz

Auch die Wahl des Eröffnungsortes, der Waldbühne, hat eine Bedeutung. Wegen der erhöhten Gefahr von Störungen wurde davon abgesehen, die Eröffnungsveranstaltung im Herzen von Berlin vor dem Brandenburger Tor stattfinden zu lassen. Den Sportlern der Makkabiade riet die Jüdische Gemeinde in Berlin zur Vorsicht in bestimmten Stadtteilen der Hauptstadt. So sollten sie tagsüber nicht als Jude identifizierbar – etwa durch das Tragen einer Kippa – durch bestimmte Viertel laufen.

Mehrere hundert Berliner Polizisten schützen die jüdischen Makkabi-Spiele. Zwischen 100 und mehr als 600 Polizisten seien jeweils während der Sportwettkämpfe im Einsatz, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich. Die konkrete Zahl hänge von den täglichen Veranstaltungen und Anforderungen für die Sicherheit ab. Falls es erforderlich sei, stehe auch ein Polizeihubschrauber zur Verfügung. Weitere Details gab die Polizei nicht bekannt.

Auch die Eröffnungsveranstaltung in der Waldbühne stand unter einem besonderen Schutz durch die Berliner Polizei. Die Beamten bewachen aber nicht nur das große Olympiagelände, sondern auch das Hotel Estrel in Neukölln, wo die meisten der mehr als 2000 Sportler wohnen.

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