Prognose

Berlin wächst, wird rasant älter und bleibt dennoch jung

Kein Bundesland wird so stark wachsen, wie Berlin. Das sagt eine Studie voraus. Für Brandenburg sieht die Prognose schlechter aus.

Das sogenannte Medianalter liegt den Daten zufolge im Jahr 2030 in Berlin bei 42,8 Jahren – die Hälfte der Einwohner ist älter, die andere Hälfte jünger

Das sogenannte Medianalter liegt den Daten zufolge im Jahr 2030 in Berlin bei 42,8 Jahren – die Hälfte der Einwohner ist älter, die andere Hälfte jünger

Foto: Jens Kalaene / dpa

Eine Stadt, so groß wie Wuppertal - so viele Einwohner wird Berlin einer Prognose zufolge in den nächsten 15 Jahren hinzugewinnen. Berlin werde um 340.000 Einwohner wachsen, sagte die Bertelsmann Stiftung am Mittwoch voraus. Insgesamt käme die Hauptstadt 2030 dann auf 3,71 Millionen Einwohner. Verglichen mit 2012 wäre das ein Plus von mehr als zehn Prozent.

Die Bevölkerungsstruktur verändert sich der Prognose zufolge deutlich: Zum einen steigt die Zahl der über 80-Jährigen um mehr als drei Viertel. Zugleich aber wird Berlin im Jahr 2030 das im Mittel jüngste Bundesland sein: Das sogenannte Medianalter liegt den Daten zufolge dann bei 42,8 Jahren – die Hälfte der Einwohner ist älter, die andere Hälfte jünger.

Die drei Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen gewinnen der Studie zufolge zusammen fast eine halbe Million Einwohner hinzu – kein Bundesland aber wächst so stark wie Berlin. Sachsen-Anhalt (-13,6 Prozent) und Thüringen (-9,9 Prozent) verlieren sogar einen beachtlichen Teil ihrer Bevölkerung. Generell wachsen die Städte, wogegen die Einwohnerzahlen im ländlichen Raum zurückgehen.

Bevölkerungsrückgang in Brandenburg

Der Bevölkerungsrückgang in Brandenburg fällt laut Studie geringer aus als bislang erwartet. Bis 2030 werde die Bevölkerung um insgesamt 87.000 auf dann 2,36 Millionen Einwohner schrumpfen, teilte die Stiftung am Mittwoch mit. Das seien 3,5 Prozent weniger als 2012, als 2,45 Millionen Menschen in Brandenburg lebten.

Das Landesamt für Statistik war bei seiner jüngsten Prognose vor drei Jahren noch von einem Rückgang auf 2,25 Millionen Einwohner ausgegangen. „Darin waren aber die stärkere Zuwanderung in den vergangenen Jahren und die Ergebnisse des Zensus 2011 noch nicht eingerechnet“, erläuterte die Sprecherin der Stiftung, Petra Klug.

Gemäß dem generellen Trend in Deutschland wachsen die städtischen Regionen um Berlin, während die ländlichen Räume deutlich Einwohner verlieren. So nimmt die Einwohnerzahl in der Landeshauptstadt Potsdam in den kommenden 15 Jahren um 11,6 Prozent zu, während Frankfurt (Oder) um knapp neun Prozent schrumpft. Der Landkreis Elbe Elster muss ein Minus von 18,7 Prozent verkraften und Oberspreewald-Lausitz ein Minus von 18,1 Prozent.

Deutschland profitiert von Zuwanderung

Bei den Berechnungen ist berücksichtigt, dass Deutschland insgesamt von einer verstärkten Zuwanderung profitiert. Bundesweit werden trotzdem sinkende Bevölkerungszahlen vorhergesagt. Demnach werden in 15 Jahren in Deutschland nur noch 79,97 Millionen Menschen leben, 0,7 Prozent weniger als 2012.

In den schrumpfenden und alternden Regionen werde es damit schwieriger, eine gute Infrastruktur zu garantieren, warnte Bertelsmann-Stiftungsvorstand Brigitte Mohn. Auch in einwohnerschwachen Regionen aber würden flexible Mobilitätsangebote, schnelles Internet und eine angemessene Gesundheitsversorgung gebraucht. Alte Menschen brauchten außerdem Pflege - hier drohten Versorgungslücken.