Demografie

Berlin wächst und wird immer europäischer

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Foto: pa/ZB/dpa-ZB

Die Anziehungskraft von Berlin ist ungebrochen. Binnen eines Jahres zogen mehr als 30.000 Menschen aus anderen Ländern in die Hauptstadt. In Wedding ist jeder dritte Einwohner ein Ausländer.

Der Zustrom von Menschen aus anderen Staaten der Europäischen Union (EU) lässt Berlins Einwohnerzahl weiter wachsen. Die Zahl der gemeldeten Berliner lag zum 30. Juni 2014 bei 3,531 Millionen, teilte das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg am Dienstag mit. Das entspricht einem Plus von 41.600 Menschen gegenüber dem Vorjahr.

Motor der Entwicklung ist der Zuzug von EU-Bürgern. Deren Zahl stieg in den vergangenen zwölf Monaten um knapp 30.000 an und liegt aktuell bei 225.000. Die Entwicklung ist signifikant, auch wenn die Statistiker einräumen, dass die Zahl der Ausländer in der Stadt „leicht überzeichnet“ sei.

So wurde der Einwohnerverlust Berlins auch bei der bundesweiten Volkszählung 2011 vor allem dadurch erklärt, dass sich ausländische Bürger beim Verlassen Deutschlands nicht ordentlich bei den Behörden abmelden würden.

Was sich schon im Stadtbild bemerkbar macht, weist nun auch die Statistik aus. Berlin ist ein Anziehungspunkt für zumeist junge Menschen aus den europäischen Staaten, ob sie nun ein eher niedriges Wohlstandsniveau haben wie Polen oder Bulgarien oder in einer akuten Wirtschaftskrise stecken wie Italien.

Absolut am stärksten wuchs im vergangenen Jahr die Zahl der in Berlin lebenden Polen. Ein Anstieg von 3178 Personen ließ die Gesamtzahl der Polen auf fast 52.000 anwachsen. Damit sind die Menschen aus dem Nachbarland nach der Gruppe der Türken – deren Zahl sank um 1200 auf 99.000 – die größte Ausländergruppe.

Große Anziehungskraft hat Berlin auch auf Italiener, deren Zahl um fast 2800 auf 24.000 zugenommen hat. 17.150 Franzosen leben in der Stadt, 1200 mehr als 2013. Außerdem gibt es 13.500 Spanier in Berlin, 1300 kamen hinzu. Besonders schnell wachsen die Gruppen der Bulgaren (plus 2600 auf 19.750) und Rumänen (plus 2225 auf mehr als 12.000). Dagegen nahm die Zahl der Russen, Serben und Vietnamesen nur leicht zu.

Insgesamt leben derzeit 550.000 Ausländer in der Stadt. Die Quote ist auf 15,6 Prozent gestiegen, nach 14,9 Prozent vor einem Jahr. In den westlichen Bezirken ist fast jeder Fünfte Ausländer, im Ostteil der Stadt noch nicht einmal jeder Zehnte. Im Ortsteil Wedding ist jeder dritte Bewohner ein Ausländer – die höchste Quote in Berlin. In Köpenick ist es dagegen nur jeder dreißigste.

Angesichts des Zustroms werden auch neue Kitas und Schulen gebraucht. Denn die Zahl der ausländischen Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren wuchs binnen eines Jahres um 2600.

Mehr Einwohner bedeuten für Berlin zusätzliche Einnahmen aus dem Länderfinanzausgleich. Jeder Kopf bringt mindestens 2000 Euro pro Jahr aus dem bundesweiten Transfersystem. Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) wies am Dienstag Forderungen nach neuen Investitionsprogrammen für die wachsende Stadt zurück. Berlin finanziere bereits Mehrausgaben für Asylbewerber, zusätzliche Lehrer und Kita-Plätze

dpa/mim