Umfrage

Berliner geben 1466 Euro für ihren Urlaub aus

Eine neue Umfrage zeigt: Die Berliner verreisen am liebsten in Deutschland. Die Begeisterung für Ferntouren sinkt.

Keine zwei Wochen mehr, dann beginnen die Sommerferien in den Schulen, die große Reisewelle setzt ein. Wo ist die Wahrscheinlichkeit, einen Hauptstädter im Urlaub zu treffen, besonders groß? Was macht der Berliner im Urlaub am liebsten? Und was lässt er sich den Urlaub kosten?

In diesem Jahr ist er ausgabefreudiger. Im Schnitt 1466 Euro lässt sich der Berliner seinen Urlaub kosten, wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Berliner Sparkasse ergab. Die Summe steigt seit 2013. Damals waren es im Schnitt 1215 Euro. Eingeschlossen sind der Reisepreis und die geplanten Ausgaben vor Ort. „Die Berliner profitieren von der anhaltend guten Wirtschaftslage, mehr Arbeitsplätzen in der Stadt und gestiegenen Reallöhnen“, sagt Olaf Schulz von der Berliner Sparkasse. „So können sie sich ihren Urlaub auch etwas mehr kosten lassen.“ Mehr als jeder vierte Berliner gibt 500 bis unter 1000 Euro aus, jeder fünfte 1000 bis unter 1500 Euro. Und jeder achte gibt sogar mehr als 3000 Euro aus.

Der Überblick, wie viel sich jeder Berliner den Urlaub kosten lässt, weist übrigens eine interessante Trennung der Stadt aus – auch 25 Jahre nach dem Mauerfall und dem intensiven Um-, Weg- und Zuziehen seither. In den östlichen Bezirken geben die Menschen übrigens im Schnitt deutlich weniger aus als in den westlichen: 1114 zu 1662 Euro. Das kann verschiedene Gründe habe, etwa, dass das Einkommensniveau im Ostteil der Stadt niedriger liegt als im Westteil oder dass Berliner, die in Pankow, Marzahn oder Treptow wohnen, generell lieber einfachere und damit günstigere Urlaube machen. Oder auch daran, dass Urlaub in Deutschland vielleicht insgesamt nicht so teuer ist, wie einer im Ausland.

Deutschland immer beliebter

Denn fast jeder zweite aus den Ostbezirken macht Urlaub im eigenen Land, aus den Westbezirken sind es mit 41 Prozent deutlich weniger. Insgesamt ist eine Reise in Deutschland wie in den vergangenen Jahren auch 2015 am beliebtesten. Und das Ziel legt in der Gunst der Berliner zu: 2012 entspannten sich 37 Prozent der Berliner zwischen Flensburg und Garmisch, dieses Jahr gaben 44 Prozent an, im Sommer im Inland zu bleiben.

Auf Rang zwei der beliebtesten Reiseziele folgt mit Abstand Spanien (16 Prozent) vor Italien (zwölf Prozent). Beide Länder haben im vergangenen Jahr offenbar in der Gunst der Berliner gewonnen. Weniger interessant sind dagegen Fernreisen. Zwar zieht es elf Prozent der Hauptstädter Richtung Karibik, USA oder Asien, im vergangenen Jahr waren es allerdings 15 Prozent, 2013 sogar 17 Prozent.

Wenn es den Berliner in die Sonne zieht, reist er eher selten nach Griechenland. Etwa jeder zwanzigste, der einen Urlaub plant, gibt in der Umfrage der Sparkasse das Land an der Ägäis an – der Wert hat sich seit 2012 kaum verändert. Bis zum Wahlsieg der radikal-linken Syriza stiegen die Buchungszahlen, seither sind sie allerdings eingebrochen, allein im März um mehr als ein Viertel, wie der griechische Fremdenverkehrsverband Sete berichtete. Vermutlich wegen der unsicheren Lage. Das hält aber vor allem die, die in Berlin eine Ausbildung machen, nicht ab, an Hellas Strände zu reisen. Jeder zehnte Auszubildende hat dort einen Urlaub gebucht. Das Land rangiert bei den Azubis vor der Türkei und gleich hinter Italien und Frankreich.

Griechenland-Urlauber sollten Bargeld dabei haben

Wer für diesen Sommer einen Urlaub im krisengeschüttelten Griechenland geplant hat, etwa auf einer der zahlreichen Inseln, muss sich darauf einstellen, mehr als sonst bar zu bezahlen. „Wir raten Griechenland-Reisenden, ausreichend Bargeld mitzunehmen“, sagt Schulz. Auch Langzeit-Urlauber sollten mehr mitnehmen als üblich. „Nach unseren Erkenntnissen sind Barauszahlungen an Geldautomaten für ausländische Kunden nicht wie für die Griechen auf 60 Euro begrenzt. Dies gilt aber nur, solange die Automaten noch über Bargeld verfügen.“ Es sei stellenweise zu Engpässen gekommen. Urlauber könnten auf eine Kreditkarte umsteigen. „Allerdings bestehen bereits jetzt viele Geschäfte, Hotels und Dienstleister auf Barzahlung.“

Das kommt den Berlinern entgegen. Drei von vier Hauptstädtern nutzen im Urlaub Bargeld – konstant seit Jahren – das mit Abstand beliebteste Zahlungsmittel. Die Kreditkarte holt allerdings auf. Inzwischen 40 Prozent der Berliner nutzen sie im Urlaub, fast genauso häufig wie die EC-Karte.

Geändert hat sich 2015 übrigens erstmals seit vier Jahren der wichtigste Zweck des Urlaubs: Zeit mit der Familie, Freunden und Partner verbringen steht nicht mehr ganz oben auf der Liste. In diesem Jahr will der Berliner sich vor allem bewegen, etwa wandern oder schwimmen. Das gaben 72 Prozent der Befragten an, 2014 waren es nur 61 Prozent. Zeit mit der Familie verbringen kommt auf 70 Prozent nach 71 Prozent 2014. Und immerhin 53 Prozent wollen nur eins: Faulenzen.

Insgesamt planen 52 Prozent der Berliner einen Sommerurlaub, etwas mehr als im vergangenen Jahr, als es 50 Prozent waren. Die Reiselust verteilt sich nach Bezirken unterschiedlich: Während in Tempelhof-Schöneberg, Charlottenburg-Willmersdorf, Mitte und Pankow die Zahl der Urlauber die der Zu-Hause-Bleiber übersteigt, ist es vor allem in Mahrzahn-Hellersdorf, Treptow-Köpenick und Reinickendorf umgekehrt. Und auch die Mehrheit in Friedrichshain-Kreuzberg bleibt der Umfrage zufolge eher mehrheitlich in den heimischen vier Wänden.