Architektur

Wirbel um geplanten Siemens-Neubau in Berlin-Mitte

Siemens möchte an der Museumsinsel bauen - trotz Denkmalschutzbedenken. Dennoch erhielt der Konzern einen positiven Bauvorbescheid.

Ein geschichtsträchtiges Gebäude in Mitte beschäftigt gerade einen Teil der Politik und der Stadtverwaltung: Das Magnus-Haus am Kupfergraben, gegenüber der Museumsinsel. Das denkmalgeschützte Gebäude aus dem 18. Jahrhundert gehört dem Technologiekonzern Siemens, der im hinteren Teil des Gartens eine neue Repräsentanz errichten möchte. Die Untere Denkmalschutzbehörde lehnte das ab, unter anderem weil angeblich der Denkmalbestand in diesem Bereich beeinträchtigt wird. Siemens erhielt allerdings dennoch einen positiven Bauvorbescheid. Der Aufreger: Im Hintergrund hatte sich der ehemalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), bis Dezember 2014 im Amt, den damaligen Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) gebeten, das Projekt zu unterstützen.

In der Folge genehmigte zunächst Mittes Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) das Projekt. Als das Landesdenkmalamt blockierte, machte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher von ihrem Weisungsrecht Gebrauch. Vorzugsbehandlung oder normales Vorgehen in einem Streitfall? Siemens könnte jetzt also bauen. Offenbar ist derzeit aber noch unklar, ob eine Tiefgarage genehmigt wird. Der Konzern schweigt zu dem Vorgang.

Veranstaltungsräume geplant

Für die deutsche Industrie ist das Magnus-Haus besonders bedeutend: Hier trafen sich Mitte des 19. Jahrhunderts, als der Physiker Heinrich Gustav Magnus im Haus lebte und forschte, führende Physiker des Landes, von hier startete die Deutsche Physikalische Gesellschaft und hier trafen sich die beiden Studenten Werner Siemens und Johann Georg Halske, die 1847 den Vorläufer des Siemens-Konzerns in Berlin gründeten. Das Gebäude gehört Siemens seit 2001 und ist Sitz der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Das Grundstück hat eine Fläche von rund 3800 Quadratmetern, auf etwa 800 steht das historische Gebäude, das etwa 14,80 hoch ist. Siemens plant einen Neubau mit höchstens 500 Quadratmetern Fläche und einer Firsthöhe von rund 17,50 Metern im hinteren Teil des Grundstücks. So sieht es jedenfalls eine erste Skizze der Stararchitekten Kleihues + Kleihues vor.

Siemens plant offenbar Veranstaltungsräume und Büros im Neubau. Als Investitionssumme ist ein niedriger zweistelliger Millionenbetrag vorgesehen. einen Zeitplan für den Bau gibt es wohl noch nicht, vorgesehen ist auf jeden fall ein Architektenwettbewerb.

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