Preisverleihung im Bundesrat

Die besten Schülerzeitungen Deutschlands

Im Bundesrat sind am Freitag Deutschlands beste Schülerzeitungsredakteure ausgezeichnet worden. Bundesratspräsident Volker Bouffier würdigte den Nachwuchs - auch ein Team aus Berlin landete ganz vorn.

Wo sonst die Vertreter der Bundesländer debattieren, herrscht am Freitag gute Laune pur: Im Plenarsaal des Bundesrats sitzen junge Journalisten aus 32 Schülerzeitungsredaktionen und 14 Bundesländern, die in viele Handykameras lächeln. Schließlich gehören sie zu den Gewinnern im Schülerzeitungswettbewerb der Länder und der Jugendpresse Deutschland. Als Schirmherr kann Bundesratspräsident Volker Bouffier auch ein Berliner Team auszeichnen: Die Schülerzeitung „OHnE“ vom Charlottenburger Heinz-Berggruen-Gymnasium landet in der Kategorie Gymnasien auf Platz eins.

„Eine gute Zeitung ist eine, die ihre Leser findet und es schafft, dauerhaft aktuell zu bleiben“, beantwortete Bouffier die Frage, was die Qualität einer Zeitung ausmacht. Für ihre Qualität und ihr Engagement lobte der hessische Ministerpräsident auch die ausgezeichneten Blätter aus den verschiedenen Schulformen, die sich mit einer großen Themenvielfalt inhaltlich und optisch überzeugend auseinandergesetzt haben. Frei nach dem Wettbewerbsmotto „Kein Blatt vorm Mund“ war Flüchtlingspolitik 2014/15 bundesweit ein Schwerpunkt, aber auch Mobbing oder Magersucht. Die Konkurrenz war riesig, insgesamt beteiligten sich nach Angaben der Jugendpresse Deutschland 1900 Schülerzeitungen.

Auch viele Chefredakteure - wie Ines Pohl (taz) und Brigitte Fehrle (Berliner Zeitung) - waren in den Bundesrat gekommen, um die Preise zu übergeben. Morgenpost-Chefredakteur Carsten Erdmann zeichnete die Sieger bei den Grundschulen aus: Für die „Gänselieselpost“ der Münchner Gänseliesel-Grundschule nahmen die Kinderreporter Victoria und Lucas den Preis entgegen. „Ihr könnt stolz sein“, lobte Erdmann das Blatt, in dem es um aktuelle Themen wie Streiten und Vertragen geht. Auch die Frage, warum im Herbst die Blätter von den Bäumen fallen, wird darin erörtert. Wie er dafür recherchiert habe? Kinderreporter Lucas zögert nur kurz und hat die Lacher auf seiner Seite, als er antwortet: „Eigentlich wusste ich schon alles.“ Carsten Erdmann findet die Vielfalt der prämierten Schülerzeitungen großartig: „Sie ist wie eine Wundertüte voller kreativer Ideen. Jeder sollte ein Interesse daran haben, dies auch in Zukunft zu unterstützen“, warb er für das Medium. Auf Platz zwei bei den Grundschulen landete eine Schülerzeitung aus der Region, die „Reporterkids“ der Grund- und Oberschule Schenkenland im brandenburgischen Groß Köris.

Großes Lob für Sieger aus Charlottenburg

Viel Jury-Lob gab es auch für die ausgezeichnete „OHnE“ des Heinz-Berggruen-Gymnasiums, die das Thema Widerstand frech und kreativ gespiegelt hat. Die geballte Faust auf dem roten Heft-Cover setzt ein starkes Signal, und die provokante Schlagzeile dazu lautet: „Alle redeten vom Widerstand. Wir nicht“. Schließlich geht es im Heft auch um die Frage, für was sich Jugendliche überhaupt noch (politisch) engagieren. Die Chefredakteurin der taz, Ines Pohl, fand neben der Themenauswahl die Interviews und meinungsstarken Beiträge der „OHnE“ sehr überzeugend, hob zudem den multimedialen Ansatz und das „tolle Farbkonzept“ hervor. „Wir sind frei. Jeder, der schreiben will, kann das machen“, so Johann, 17, aus der OHnE-Chefredaktion. Das Team bestehe aus rund 15 Schülern, erzählte seine Mitstreiterin Mariam noch - beim Fototermin präsentierten sich die OHnE-REdakteure sichtlich entspannt mit ihrer preiswürdigen Ausgabe. Auch im nächsten Heft will das Team wieder ein großes Thema aufgreifen und mit Meinungsfreude punkten: „Vision“ heißt das Motto.

Auch digital ist der Nachwuchs stark

Viele Schülerzeitungen in der Republik sind im Digitalen ganz stark, wie das Beispiel der „Steinpost“ aus Oldenburg zeigt, die crossmedial denkt und dafür einen Sonderpreis vom Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger erhielt. Dessen Präsident Helmut Heinen fand es beeindruckend, wie hier die Schülerzeitung zu einem modernen, crossmedialen Produkt weiterentwickelt worden ist. Die Redaktion bietet in ihrem WebMag Bilderstrecken und Playlists an, QR-Codes beamen die Leser direkt von der Printzeitung zum Webauftritt der Steinpost.

Am Ende geht es in Print und Online immer um gute Geschichten, mit denen man beim Leser punkten muss. Das hat ein bisschen mit Zauberei zu tun, zeigte Moderator Alexander Merk. Der ist nämlich auch Zauberer und schaffte es, die Gedanken der Kinderreporterin Victoria zu lesen. Die Gedanken - sprich die Wünsche ihrer Leser - müssen auch (Schüler-)Zeitungen kennen.