Wohnungsbau

Schnell fertig und günstig: Die "Treskow-Höfe" in Karlshorst

Die Treskow-Höfe sind das größte kommunale Bauvorhaben der vergangenen Jahre - und ein Modell für den neuen massenhaften Wohnungsbau.

Foto: Klaus Dombrowsky / HOWOGE

Die ersten Mieter sind bereits eingezogen, während an den Außenanlagen noch kräftig gearbeitet wird. Nach rund zwei Jahren Bauzeit wurde das bislang größte landeseigene Wohnungsbauprojekt, die „Treskow-Höfe“ in Karlshorst, sogar rund ein halbes Jahr schneller als vereinbart fertiggestellt. „Und das sogar, obwohl wir drei Monate zurückgeworfen wurden, weil die Archäologen nach Siedlungsresten aus der Bronzezeit gesucht haben“, sagte Stefanie Frensch. Die Geschäftsführerin der Wohnungsbaugesellschaft Howoge hatte am Donnerstag Besuch von Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD), der sich durch die neue Anlage führen ließ. Dieser zeigte sich sichtlich erfreut, dass das Bauvorhaben sowohl im Kosten- als auch im Zeitrahmen geblieben ist. „Auch wenn viele angesichts von Bauvorhaben wie der Staatsoper und dem Hauptstadtflughafen es nicht glauben: Mehr als 90 Prozent der öffentlich errichteten Gebäude werden im geplanten Rahmen fertig“, so Geisel.

Größtes kommunales Bauvorhaben

Insgesamt 414 Wohnungen, eine Kita mit 90 Plätzen, zwei Senioren-WGs mit 23 Apartments und sieben Gewerbeeinheiten sind in dem Neubauquartier an der Treskowallee und Hönower Straße entstanden. Damit ist das Quartier das mit Abstand größte kommunale Bauvorhaben, dass in den vergangenen Jahren fertig geworden ist. „Und trotz der hohen Baudichte wirkt die Anlage sehr grün und großzügig“, lobte Geisel. Tatsächlich sind auf dem Areal, auf dem sich zuvor marode Studentenwohnheime aus den 60er-Jahren befanden, fünf bis sieben Stockwerke hoch. Die Studentenbehausungen wurden abgerissen, nur eines der insgesamt neun Gebäude mit den leuchtend weißen Fassaden ist ein sanierter Altbau.

Die Howoge hatte das Areal bereits 2011 vom landeseigenen Liegenschaftsfonds gekauft – noch zu der Zeit, als Berlin seine Grundstücke ausschließlich zu Höchstgeboten veräußerte. „Hätten wir schon damals die heutigen Bedingungen gehabt, hätten wir noch günstigere Mieten anbieten können“, sagte Howoge-Chefin Frensch. Doch auch so sei man stolz, dass die Wohnungen, die alle über einen Balkon und eine Deckenhöhe von 2,60 Meter verfügen, für Mieten von sieben bis 10,50 Euro angeboten werden können. 40 Einheiten werden zudem an Bezieher von Hartz IV gegeben. Nach Howoge-Angaben liegen fast alle Wohnungen unterhalb der im Mietspiegel ausgewiesenen ortsüblichen Vergleichsmiete für Neubauten. „Das alles haben wir geschafft, ohne Förderung in Anspruch zu nehmen“, sagte Frensch. Denn auch die Förderdarlehen für den sozialen Wohnungsbau gibt es erst seit 2014. Rund 60 Millionen Euro hat das Unternehmen laut Frensch in das Projekt investiert.

Das Ensemble ist bereits zu zwei Drittel belegt. Die 38 bis 108 Quadratmeter großen Wohnungen seien insbesondere bei Berlinern aus der unmittelbaren Nachbarschaft gefragt, es gebe aber auch viele Anfragen von jungen Familien aus Prenzlauer Berg und Mitte. Das habe auch dazu geführt, dass die Kita, die im August eröffnen soll, bereits 70 Anmeldungen verzeichnen könne. „Die Howoge ermöglicht mit ihrem Projekt sowohl familien- als auch altersgerechtes Wohnen – und das alles in einer städtebaulich und architektonisch anspruchsvollen Art und Weise. So stelle ich mir Wohnungsbau mit bezahlbaren Mieten und einer lebendigen sozialen Mischung vor“, sagte Bausenator Geisel. In den Treskow-Höfen sei es zudem gelungen, Wohnungen für jeden Geldbeutel zu bauen, ohne an der Qualität zu sparen. Im Gegenteil: In die Grünanlagen sind Spielplätze und eine Boccia-Bahn integriert, die Autos verschwinden in der Tiefgarage, die unter der zentralen Grünfläche verborgen ist.

Mit den „Treskow-Höfen“ hat die Howoge im Frühjahr 2013 seine Neubauoffensive gestartet. 650 neue Wohnungen hat das Unternehmen seitdem bereits fertiggestellt. In den Jahren 2015 und 2016 wird die landeseigene Gesellschaft mit dem Bau von weiteren rund 1500 Einheiten beginnen. Alle sechs städtischen Wohnungsbaugesellschaften planen nach Senatsangaben 21.065 neue Wohnungen. „Bis zum Ende dieser Legislaturperiode im Herbst 2016 sollen 10.000 Wohnungen fertig beziehungsweise im Bau sein“, sagte Geisel.

Werbung für die Senatspolitik

Der Senator nutzte den Baustellenrundgang auch dafür, um für die Wohnungsbaupolitik des Landes zu werben. Denn die steht seit Start des Mietenvolksbegehrens erheblich unter Druck. Die Initiative hat in der ersten Stufe bereits 48.000 Unterschriften gesammelt. Ihr Gesetzesentwurf sieht vor, insbesondere die Mieter von Sozialwohnungen zu entlasten und die sechs städtischen Wohnungsbaugesellschaften in Anstalten öffentlichen Rechts umzuwandeln. Nach einer Kostenschätzung des Senats würde dies die Landeskasse mit rund 3,5 Milliarden Euro belasten.

Ob der Senat dem Vorschlag der Initiative einen eigenen Gesetzesentwurf entgegensetzt, stehe indes noch nicht fest, sagte Geisel der Berliner Morgenpost. „Wir sind ja nicht unter Zeitdruck, die Initiative will ja erst im Januar mit dem Unterschriftensammeln beginnen“, so der Senator. Nach einem ersten vielversprechenden Gespräch mit den Initiatoren in dieser Woche hätten diese ja schon einige Nachbesserungen am Abstimmungstext vorgenommen. „Noch im Juni werden wir ein zweites Gespräch führen“, sagte Geisel weiter.

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