Ex-Regierender

Klaus Wowereit - „Der BER wird mir anhängen“

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Foto: David Heerde

Der ehemalige Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit zieht Bilanz - in einem kroatischen Restaurant am Rathaus Reinickendorf. Was ihn wirklich schmerzt ist der verpatzte BER.

Er saß da, als sei er nie weg gewesen. Blauer Anzug, offenes Hemd, das leichte Lächeln im Gesicht. Und ihm gegenüber Parteifreunde, die an seinen Lippen hingen. Klaus Wowereit (SPD) hatte sich einige Monate rar gemacht in Berlin. Der frühere Regierende Bürgermeister hatte das normale Leben wieder erlernt, war sogar ganz allein U-Bahn gefahren. Aber jetzt ist er wieder da. Am Wochenende beim Sommerfest der SPD-Spandau und am Dienstagabend in einem kroatischen Restaurant am Rathaus Reinickendorf.

Der Name zieht, der Wahlkreisabgeordnete Torsten Karge konnte 100 Genossen begrüßen, darunter Stadträte und Bezirksverordnete. „Ich freue mich über so viel Interesse an Klaus Wowereit“, sagte Wowereit. Nach seiner „Vollbremsung“ aus einem Beruf, der an die Grenzen der physischen Belastbarkeit gehe, habe sich viel verändert, erzählte er. An diesem Tag habe er vier Termine gehabt. Das sei schon viel. Früher seien es 15 gewesen.

„Man ist in der Mühle drin gewesen“, sinnierte der Mann, der 13 Jahre die Hauptstadt regierte. Die Sozialdemokraten spendeten freundlichen Beifall. Der schwoll an, als der Name Thilo Sarrazin fiel. Mit dem Ex-Finanzsenator habe er gut zusammengearbeitet, sagte Wowereit. Aber als er dann bei der Bundesbank zu viel Zeit gehabt und Bücher geschrieben hätte, sei eine „Entgleisung“ herausgekommen. „Das nehme ich ihm übel.“

Auch in der ihm freundlich gesonnenen Umgebung im schmucklosen Gastraum holte Wowereit sein Trauma ein. Bis heute „tut es weh“, gestand er, dass der Flughafen BER nicht pünktlich fertig wurde und zudem die Gäste der Eröffnungsfeier so kurzfristig ausgeladen wurden. „Man kann seine eigene Geschichte nicht umschreiben“, sagte der langjährige Aufsichtsratschef des BER, „der Flughafen wird mir anhängen“. Aber, so fügte er hinzu, er habe nicht das Gefühl, dass dieses Thema „das dominierende ist“.

Dass die Vereinigung Deutscher Aufsichtsräte seinem Nachfolger Michael Müller die Qualifikation für den Kontrolleursposten abspricht, brachte Wowereit in Rage, angesichts von Milliardenverlusten bei privaten Konzernen oder den Problemen bei der Deutschen Bank. „Bevor die die Politik mies machen, sollen sie sich mal an die eigene Nase fassen.“ Manche säßen auf einem sehr hohen Ross. Dass Müller jetzt wieder Aufsichtsratschef wird, findet Wowereit richtig. „Das mag dusselig sein oder konservativ, aber es ist eine Frage, wie man aus seiner Haut gucken kann.“

( jof )