Berlin Trend

Müller beliebt wie Wowereit zu seinen besten Zeiten

Michael Müller kommt als Regierender Bürgermeister gut an. 52 Prozent der Berliner zeigten sich zufrieden oder sehr zufrieden. Das ergab der Berlin Trend von Berliner Morgenpost und RBB-Abendschau.

Der Stimmungswandel ist eklatant. Seit die SPD den Wechsel von Klaus Wowereit zu Michael Müller im Roten Rathaus gewagt und ohne Streit bewältigt hat, haben die Sympathien für den Spitzenmann auf dem Stuhl des Regierenden Bürgermeisters deutlich zugenommen. Auch der Senat insgesamt hat stark an Ansehen gewonnen.

Fast scheint es so, als hätten die Berliner darauf gewartet, einen ein neues Gesicht an der Spitze präsentiert zu bekommen, seit Wowereits Popularitätswerte nach der gescheiterten Eröffnung des Flughafens BER 2012 abgestürzt waren.

Michael Müllers persönliche Werte sind seit seinem Sprung vom Posten eines Stadtentwicklungssenators zum Regierenden Bürgermeister förmlich explodiert. 52 Prozent sind mit Müllers ersten drei Monaten im neuen Amt zufrieden, das ist fast so gut wie bei Wowereit vor seinem Absturz.

Im Juni 2014, als er noch Senator war, äußerten sich nur 20 Prozent positiv über Müllers Arbeit. Bemerkenswert: Fast kaum ein Berliner hält nichts von Müller. Nur elf Prozent sind unzufrieden mit ihm. Sogar unter den Wählern der Oppositionsparteien Grüne und Linke genießt Müller bei jedem zweiten Sympathie. In der SPD lieben sie den Regierenden bereits fast so innig wie Klaus Wowereit in seinen besten Tagen. Drei Viertel der SPD-Wähler finden Müller gut. Im Lager des Koalitionspartners CDU erreicht die Zustimmung mit 62 Prozent sogar fast zwei Drittel.

Dieser Wert muss Frank Henkel schmerzen. Denn der CDU-Landeschef und Innensenator wird von Union-Wählern schlechter bewertet als der SPD-Politiker Müller, gegen den er nach Lage der Dinge 2016 einen Wahlkampf ums Rote Rathaus führen wird. 60 Prozent Zufriedenheit im CDU-Lager sind zwar ein ordentlicher Wert, aber weniger als Müller in der Unions-Wählerschaft erreicht. Henkel kann von der allgemein wohlwollenden Stimmung gegenüber dem Müller-Senat nur sehr eingeschränkt profitieren. Zwar kann er gegenüber dem letzten Berlin Trend mit dieser Fragestellung zwei Punkte zulegen. Henkel kommt nun auf 34 Prozent, die mit ihm zufrieden oder sehr zufrieden sind. Aber es bleiben 33 Prozent, die mit ihm explizit unzufrieden sind. Eine künftige Suche nach einem anderen Bündnispartner jenseits der SPD dürfte erschweren, dass Frank Henkel im Lager der Grünen mit großer Mehrheit negativ eingeschätzt wird.

Der Zuwachs an Vertrauen, die die Berliner dem Müller-Senat insgesamt entgegen bringen, geht offenbar fast komplett auf das Konto des Regierenden Bürgermeisters. Inzwischen sind 44 Prozent der Ansicht, die Regierung mache eine mehr oder weniger gute Arbeit. In der Endphase des Wowereit-Senats hatte nur jeder vierte Wahlberechtigte diesen Eindruck. Auch der Anteil der Nicht-Zufriedenen sank von 69 auf 51 Prozent. Auffällig ist, dass nur jeder zweite CDU-Wähler zufrieden mit dem Senat ist, aber zwei Drittel der SPD-Wähler.

Mit den aktuellen Werten liegt der rot-schwarze Senat der Hauptstadt zwar immer noch am Ende der Beliebtheitsskala der deutschen Landesregierungen. Infrastest dimap, die im Auftrag der Berliner Morgenpost und der rbb-Abendschau den Berlin Trend erheben, hat in den vergangenen Monaten Zufriedenheits-Werte zwischen 46 Prozent in Schleswig-Holstein und 69 Prozent in Bayern gemessen. Die Bundesregierung wird von 58 Prozent der Deutschen positiv bewertet.

Die übrigen Senatoren und auch die Oppositionsvertreter werden in der Regekl ebenfalls besser eingeschätzt als bei der letzten vergleichbaren Umfrage. besonders stark holten Linken-Fraktionschef Udo Wolf (plus sechs Punkte) und CDU-Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (plus fünf) auf. Auch Grünen-Fraktionsvorsitzende Ramona Pop und SPD-Bildunsgsenatorin Sandra Scheeres (je plus drei) konnten Sympathien gewinnen. Sozialsenator Mario Czaja (CDU, plus eins)) und SPD-Arbeitssenatorin Dilek Kolat (plus zwei) legten leicht zu, während Justizsenator Thomas Heilmann (CDU, minus eins) als einziges Senatsmitglied weniger Zufriedenheit im Publikum auslöst als vor acht Monaten. Piraten-Fraktionschef Martin Delius schneidet bei seiner Premiere im Ranking mit 19 Prozent Zufriedenheit ordentlich ab. Auch die Werte für die neuen SPD-Senatoren Matthias Kollatz-Ahnen (Finanzen) und Andreas Geisel (Stadtentwicklung) sind ehrenvoll, aber ausbaufähig.

Insgesamt zeigt sich, dass nach dem Ausschieden von Klaus Wowereit und Ex-Finanzsenator Ulrich Nußbaum kein Landespolitiker mehr in der ganzen Stadt bekannt ist. Selbst die Spitzenleute Müller und Henkel sind einem Drittel der Bürger nicht bekannt oder sie trauen sich kein Urteil zu. Vor allem an den jüngeren scheint weitgehend vorbei gegangen zu sein, dass Berlin einen neuen Regierenden Bürgermeister hat. 54 Prozent gaben an, Müller nicht zu kennen oder keine Meinung zu haben.

Für die Wahlen zum Abgeordnetenhaus in anderthalb Jahren haben die Parteien also noch alle Möglichkeiten, Wähler von sich zu überzeugen. In der Sonntagsfrage kommt die SPD derzeit auf 28 Prozent, einen Prozentpunkt mehr als beim Berlin Trend im Oktober 2014. Die CDU kommt unverändert auf 26 Prozent. Damit hätte die große Koalition weiter eine deutliche Mehrheit im Landesparlament. Die Opposition kann keine Gewinne erzielen. Die GRünen kommen auf 18 Prozent (plus eins), die LInken auf 14 (minus zwei), die Piraten wie bisher auf drei Prozent. Die Alternative für Deutschland (AfD), die nicht im Parlament vertreten ist, kämpft mit fünf Prozent (minus zwei) um den Einzug. Die sonstigen Parteien vereinen sechs Prozent (plus zwei) auf sich.