Es ist gar nicht so einfach, mit der Politik aufzuhören. Ein Freund, der etliche Jahre als Regierungssprecher gearbeitet hat, erzählte mir kürzlich, dass ihm die Zeit danach wie ein „kalter Entzug“ vorgekommen sei. Von heute auf morgen kaum noch SMS und Mails, keine Anrufe, abends war Ruhe. Erst nach drei Wochen sei es ihm besser gegangen. „Jetzt aber“, so sagt er, „freue ich mich über die Rückgewinnung des Feierabends.“
Noch viel schwerer fällt der Abschied aus der Politik auch den Berliner Machern. Unser ehemaliger Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) schreibt ja eine wöchentliche Zeitungskolumne. In dieser Woche ließ er sich über die Auswahl des neuen BER-Chefs aus. Man hätte keinen hoch bezahlten Manager engagieren sollen, sondern die Aufgaben lieber aufteilen – in einen Manager, der sich um das Geschäft und den Flugverkehr kümmert und einen, der das BER-Großprojekt stemmt.
Putzige Äußerungen
Solche Äußerungen sind, sagen wir, putzig, weil Nußbaum bis vor Kurzem noch selbst im Senat saß. Mehr noch: Seine ihm damals unterstellte Staatssekretärin Margaretha Sudhof ist bis heute Mitglied im BER-Aufsichtsrat.
Aber auch unseren ehemaligen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit drängt es in die Öffentlichkeit. Er macht jetzt mit beim Verein Berliner Kaufleute und Industrieller, leitet die Antidiskriminierungskommission der Bundesregierung und lässt sich im Radio einmal wöchentlich fünf Minuten lang interviewen.
Bei seinem ersten Auftritt in dieser Woche musste Wowereit über Griechenland reden (Schulden, ja, da kennt Berlin sich aus), über die vielen Verkehrsunfälle und über die ITB. Es war, gelinde gesagt, langweilig. Und das hat er wahrlich nicht verdient: Wowereit war vieles, langweilig aber war er nie.



