Kommentar

Bread & Butter - Aus Kreativität wird jetzt Business

Zalandos Übernahme der Modemesse Bread & Butter ist gut für Berlin. Mit dem Einstieg des Online-Händlers muss nun aber auch über die Zukunft des Tempelhofer Terminals neu diskutiert werden, sagt Joachim Fahrun.

Zalando sei ein Glücksfall für Berlin. So hat es kürzlich der Aufsichtsratschef der Wirtschaftsförderung „Berlin Partner“, Andreas Eckert, festgestellt. Das frühere Start-up hat sich über mehrere Schritte vom Internet-Schuhversender zu einem veritablen Mode-Vertriebskonzern gemausert. Inzwischen beschäftigt die Firma allein in Berlin 3000 Mitarbeiter, hat am Spreeufer an der O2 World eine eigene Firmenzentrale bezogen und ist in die zweite deutsche Börsenliga, den MDax, aufgestiegen.

Jetzt zeigt sich, wozu solch ein Konzern in der Lage ist. Überraschend hat Zalando die insolvente Streetwear-Modemesse Bread & Butter übernommen. Ein Paukenschlag, heißt es in der Branche. Für den Online-Händler ist die trotz der jüngsten Turbulenzen immer noch hippe Bread & Butter ein wichtiges Instrument, sich von einem reinen Versandhändler zu einer vielseitigen Mode-Plattform zu entwickeln. Dazu müssen die Manager an ihrem Image beim zahlenden Publikum arbeiten und ihre Bande zu den angesagten Modemarken noch enger knüpfen.

„Bread & Butter“-Gründer bleibt an Bord

Da kommt der umtriebige und bestens vernetzte Bread & Butter-Gründer Karlheinz Müller gerade recht. Er soll an Bord bleiben und sein Baby mit seinen wie immer sprudelnden Ideen in eine neue Ära führen. Dass die Messe erhalten bleibt, ist im Interesse der Hauptstadt. Denn es waren Müllers „Jeanser“, die jahrelang zweimal im Jahr Tausende von Fachbesuchern ins Flughafengebäude von Tempelhof lockten und der Fashion Week einen wesentlichen Teil ihrer wirtschaftlichen Bedeutung verliehen.

Zalando und die Übernahme der Bread & Butter sind ein weiteres Indiz dafür, wie inzwischen aus dem angesagten Image Berlins echtes Business entsteht. Ein hier gewachsener Milliardenkonzern saugt einen wesentlichen Teil der kreativen, feierfreudigen Metropole auf, um sich neue Impulse zu holen und sein Geschäft weiter zu entwickeln. Es zeigt sich, dass das virtuelle Shopping-Erlebnis eben doch der Ergänzung in der realen Welt bedarf, mit echten Menschen, echten Partys und Jeansjacken, die man auch anfassen und anprobieren kann.

Ohne Risiko ist auch dieser Deal nicht

Ohne Risiko und Schattenseiten ist aber auch dieser Deal nicht. Die Bread & Butter war in den vergangenen Jahren von Mal zu Mal geschrumpft. Eigene Flagshopstores und Internet-Aktivitäten haben dem herkömmlichen Geschäftsmodell Messe immer mehr Probleme bereitet. Die nun unter Zalando-Regie angestrebte Öffnung der Fachmesse für normale Konsumenten hatte schon Müller versucht, war aber an Bedenken der Modemarken gescheitert. Die wollten ihre Präsentationsstände nicht zu Verkaufstresen ummodeln und befürchteten Enttäuschung bei den Kunden, wenn sie die coole Jeans der nächsten Kollektion eben noch nicht im Laden finden könnten.

Diese Einwände werden die Zalando-Manager als internationaler Marktteilnehmer vermutlich mit etwas mehr Nachdruck entkräften können als der Einzelkämpfer Müller. Man darf davon ausgehen, dass die Strategen am Spreeufer bereits an Lösungen tüfteln, wie Messebesucher über Zalando eben doch vorne liegen können, wenn es darum geht, mit der allerneuesten Mode zu glänzen.

Mit dem Einstieg des Online-Händlers muss auch über die Zukunft des Tempelhofer Terminals neu diskutiert werden. Denn er bedeutet, dass Hangars und Haupthalle auch in Zukunft zweimal pro Jahr mit einer großen Modemesse belegt sein werden. Die Zukunft Tempelhofs als Standort für Messen, Veranstaltungen und Events ist damit de facto festgeschrieben. Andere Ideen, von der Landesbibliothek bis zum neuen Kongresszentrum sind wohl gestorben. Eine schrittweise Sanierung des Gebäudes wird sich an den Interessen des politisch erst von Klaus Wowereit und jetzt von seinem Nachfolger Michael Müller schwer hofierten Mieters orientieren müssen. Es sollte selbstverständlich sein, dass Berlin einem Berliner Unternehmen keine Steine in den Weg legt.