Kommentar

Sekundarschulen und Abitur - Die Berliner Eltern haben abgestimmt

Berliner Eltern meiden Sekundarschulen, die keine gymnasiale Oberstufe haben. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat jetzt die Notbremse gezogen, sagt Regina Köhler.

Schon einmal haben die Berliner Eltern mit den Füßen abgestimmt. Vor einigen Jahren haben sie ihre Kinder einfach nicht mehr an einer Hauptschule angemeldet. Heute meiden sie Sekundarschulen, die keine gymnasiale Oberstufe haben. Einige Schulleiter haben deshalb bereits vor einer Wiedereinführung der Hauptschule durch die Hintertür gewarnt.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat jetzt die Notbremse gezogen und den Willen der Eltern ernst genommen. Jede Sekundarschule darf nun eine Oberstufe einrichten, vorausgesetzt, sie findet andere Sekundarschulen, Oberstufenzentren oder Gymnasien, mit denen sie sich zu diesem Zweck verbündet.

Eine vernünftige Entscheidung, die das Problem durchaus lösen könnte, dass etliche Sekundarschulen – und zwar die mit eigener Oberstufe – bisher geradezu überrannt worden sind, während andere eine sehr geringe Nachfrage hatten und kaum leistungsstarke Schüler. Vorausgesetzt, die Schulen lassen sich Zeit. Ein Verbund muss gut vorbereitet werden. Es gilt, Lehrer und Eltern mit ins Boot zu holen, auch die Chemie zwischen den Schulen muss stimmen.

Fraglich ist allerdings auch, ob Schulen, die gemeinsam eine Oberstufe einrichten wollen, genügend geeignete Räume finden. In diesem Punkt hat die Bildungsverwaltung den schwarzen Peter an die Bezirke weitergegeben. Als Schulträger müssen diese nun zusehen, wo sie die Räume herbekommen. Schon jetzt ist es an vielen Schulen mehr als eng und es fehlt Geld für die notwendige Sanierung vieler Bildungseinrichtungen.

Schließlich gibt es bei der ganzen Sache auch einen großen Verlierer – die Oberstufenzentren. Scheeres hat es nicht geschafft, die Eltern ausreichend über diese Schulen zu informieren. Deren berufliche Gymnasien sind noch immer kaum bekannt. Kein Wunder also, dass viel zu wenig Eltern die Möglichkeit in Betracht gezogen haben, dass ihr Kind nach dem mittleren Schulabschluss an einer Sekundarschule sein Abitur an einem Oberstufenzentrum macht. Genau das aber war ein wesentlicher Bestandteil der Oberschulreform von 2010.