Jedermann-Rennen

10.000 Radsportler rasen beim Velothon durch Berlin

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Annette Kuhn

Berlin tritt in die Pedale

Mehr als 10000 Hobby-Radfahrer und 120 Profis nahmen am Sonntag am achten Velothon teil. Bis zum frühen Abend waren die Teilnehmer auf zwei Strecken unterwegs.

Video: Abendschau, RBB
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Beim achten Garmin Velothon gingen knapp 10.000 Radler an den Start. Auf Berlins Straßen herrschte den ganzen Tag über Ausnahmezustand. Besondere Vorkommnisse gab es laut Polizei nicht.

Besser hätte das Wetter kaum sein können. Fast zumindest. „Der Wind war echt heftig“, sagte Susanne Gnauk, kurz nachdem sie in die Ziellinie eingefahren war. 120 Kilometer in 3 Stunden und acht Minuten. Mit dem Ergebnis konnte die 46-Jährige aus Berlin trotz Wind zufrieden sein. Immerhin war sie ganz vorne dabei und ist 15. Frau des Radrennens geworden. Susanne Gnauk war in einer Vierergruppe gefahren, „Lokomotive Mensch“, hieß ihr Team. Zum dritten Mal war sie dabei, immer die 120-Kilometer-Strecke: „Für 60 Kilometer steig ich nicht aufs Rad“, sagte sie lachend. Das hat sie anderen überlassen.

Am Sonntagmorgen hatten sich insgesamt knapp 10.000 Radler beim achten Garmin Velothon auf den Weg gemacht. Allein beim Jedermann-Rennen waren es 1015 Frauen und 8133 Männer. Laut Veranstalter handelt es sich um das zweitgrößte Jedermann-Rennen in Europa. Um 7.40 Uhr starteten die Fahrer am Großen Stern für die 60-Kilometer-Strecke, um 9.15 Uhr fiel dann der Startschuss für die 120-Kilometer, die an allen großen Sehenswürdigkeiten vorbeiführte. Erst ging es durch Charlottenburg, Spandau und Zehlendorf, dann über Kleinmachnow und Ludwigsfelde zurück durch Tempelhof Neukölln, Friedrichshain und Mitte. Für die Autofahrer bedeutete das eine Geduldsprobe. Über den ganzen Tag gab es umfangreiche Sperrungen im gesamten Stadtgebiet. Zu größeren Vorkommnissen sei es laut Polizei aber nicht gekommen.

Sieg mit Durchschnittstempo 43

Exakt zu der Zeit, als sich die Radler auf die 120-Kilometer-Strecke auf den Weg machten, fuhren die schnellsten Fahrer der 60-Kilometer-Strecke auch schon wieder ins Ziel ein. Die meisten machten einen fitten Eindruck. „Die Beine merke ich aber schon“, verriet Julia Frank aus Münster. Die 37-Jährige war zum ersten Mal dabei, macht sonst eher Triathlon. Einen 30er-Schnitt sei sie gefahren und war darüber mehr als glücklich, gerechnet hat sie eher mit 25 Stundenkilometern. Die Mindestgeschwindigkeit lag bei 23 Stundenkilometern. Nun wartete sie auf ihren Freund, der noch auf der 120 Kilometer-Strecke unterwegs war. Danach wollten die beiden noch Berlin genießen.

Um kurz nach 12 Uhr war es dann soweit. Stefan Räth lief als erster in der Ziellinie ein, nach zwei Stunden und 46 Minuten und mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 42,8 Stundenkilometern. Die erste Frau, Katrin Lütge, brauchte zwar nur zehn Minuten länger, aber trotzdem sah es im Zielbereich erst einmal eine ganze Weile so aus, als sei das 120-Kilometer-Rennen eine reine Männerveranstaltung. Die meisten hatten ein Bier in der Hand, atmeten erst einmal tief durch und sprachen über Zeiten, Geschwindigkeiten und Unfälle auf der Strecke. Ein paar Stürze habe es schon gegeben, sagte Michael Kurze. Der Hobbyradler war extra aus Hannover angereist, um beim Velothon mitzufahren. Angefeuert wurde der 43-Jährige dabei von Frau und Sohn am Streckenrand.

Dort hatten sich auch viele Berliner eingefunden, um die Radler zu motivieren. Insbesondere im Start und Zielbereich an der Straße des 17. Juni. Am Mittag rückten die Zuschauer dann vor bis zum Ernst-Reuter-Platz, um den Start der Profi-Rennfahrer zu verfolgen. Den Startschuss gab Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) um 12.50 Uhr und dann machten sich 120 Profifahrer auf den Weg auf die 175-Kilometer-Strecke. Das Elite-Rennen ist das letzte des diesjährigen Velothons.

Laut Veranstalter kam es bei den Rennen vereinzelt auch zu Unfällen und Stürzen von Teilnehmern. 54 Fahrern musste an der Strecke geholfen werden, 20 davon wurden von Rettungskräften per Krankenwagen von der Strecke geholt. Einige der Betroffenen mussten ins Krankenhaus gebracht und dort behandelt werden. Nach ersten Erkenntnissen erlitt ein Teilnehmer einen Beckenbruch, ein anderer eine Schulterfraktur.

Kurz vor 17 Uhr fuhren dann die Profiradler des Elite-Rennens ein. Das Spitzenfeld mit sechs Teilnehmern erreichte nach exakt 3 Stunden, 54 Minuten und 42 Sekunden die Ziellinie. Dabei auch der Deutsche Gerald Ciolek vom Team MTN – Qhubeka. Er fuhr auf der 175,1 Kilometer langen Strecke eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 44,6 Stundenkilometern.

Extra-Rennen für Kinder und Fixies

Begonnen hatte die Veranstaltung bereits am Sonnabend mit dem Direct Line Kids Velothon auf der Straße des 17. Juni, bei dem 400 Kinder an den Start gegangen waren. Neu beim beim Velothon war in diesem Jahr ein Rad Race Battle, der Wettkampf wurde ebenfalls bereits am Sonnabend ausgetragen. Dabei starteten von einer Rampe je vier Teilnehmer und lieferten sich ein Sprintrennen über 250 Meter. Die beiden ersten kamen eine Runde weiter. Später hieß es dann dann eins gegen eins.

Am Sonntag gab es außerdem eine inoffizielle Weltmeisterschaft für Fixed-Gear-Bikes ohne Handbremse. Über eine Marathondistanz fuhren etwa 300 Teilnehmer von Ludwigsfelde bis zur Straße des 17. Juni. Begleitet wurde der Velothon mit einer Messe zwischen Ernst-Reuter-Platz und Charlottenburger Tor, auf der 70 Aussteller Neuheiten rund um den Radsport präsentierten. Über ihren Ständen wehte der Duft von Currywurst, den die Verpflegungsbuden dazwischen verströmten.

Am Sonntagnachmittag konnten erste Straßensperrungen wieder aufgehoben werden. Nur das Areal rund um den 17. Juni bleibt noch bis 11. Juni für das Fanfest des Champions-League-Finale am kommenden Sonnabend gesperrt.

Die Strecke und Straßensperrungen im Überblick

>> Die Grafik der Streckensperrungen <<

Foto: Glanze