Kommentar

Der Senat muss die Gefahrenstellen für Radfahrer beseitigen

Immer mehr Berliner steigen aufs Rad. Eine gute Entwicklung, weil Radfahren ökologisch und gesund ist. Doch mit den steigenden Radfahrer-Zahlen wachsen auch die Gefahren, kommentiert Gilbert Schomaker.

Wer morgens im Stau steht oder die Verkehrsnachrichten hört, glaubt diese Zahl kaum: Nicht einmal mehr 30 Prozent macht der Autoverkehr an der Fortbewegung der Berliner aus.

Berlin wächst. Damit auch der Autoverkehr – in absoluten Zahlen. Aber relativ gesehen, also im Verhältnis der einzelnen Verkehrsteilnehmer, nimmt der Anteil der Radfahrer und der Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs zu. Das ist eigentlich eine gute Botschaft. Radfahren ist ökologisch und gesund. Busse und Bahnen zu nutzen, wenn sie denn fahren, ist in vielen Fällen gerade in der Innenstadt eine echte Alternative zum Auto.

Doch beim Miteinander der Verkehrsteilnehmer gibt es Probleme. Autofahrer schneiden Fußgänger und Radfahrer. Letztere nutzen Gehwege und ignorieren rote Ampeln. Gegen Verkehrssünder helfen am besten Verkehrskontrollen.

Es ist aber auch an der Zeit, über neue Verkehrskonzepte für Berlin nachzudenken. Der Senat sollte den Weg fortschreiten, den er bisher eingeschlagen hat: die Nebenstraßen konsequenter für den Fahrradverkehr und die Anwohner ausbauen. Denn die Radwege sind vielerorts zu eng und in einem zu schlechten Zustand, als dass sie den steigenden Fahrradverkehr mit seinen unterschiedlichen Geschwindigkeiten noch bewältigen können.

Die Nebenstraßen den Radfahrern!

Wenn man über Nebenstraßen wie die Prinzregentenstraße in Wilmersdorf mit dem Fahrrad fast so schnell vorankommt wie über die von Ampeln gesäumte Bundesallee, dann forciert das das Umsteigen aufs Rad. Der Fahrradbeauftragte des Senats sollte auch darauf drängen, dass die vielen Gefahrenstellen für Radfahrer beseitigt werden. Wenn ein Radweg plötzlich auf einer zweispurigen Straße einmündet, ist es absehbar, dass es zu Unfällen kommt. Die Verlagerung des Radverkehrs auf die Busspuren ist auch keine optimale Lösung. Denn Busse und Taxen halten häufig wenig Abstand.

Nein: Ein Nebenstraßennetz für die Radfahrer aufzubauen, ist eine echte Alternative. Gleichzeitig sollten die Hauptstraßen als Magistralen für den Autoverkehr erhalten bleiben. Denn es ist eine Illusion zu glauben, man könne den Pkw-Verkehr aus einer so dezentralen, flächenmäßig riesigen Stadt wie Berlin völlig ausschließen.