Bahnstreik

Das sind die Gewinner und Verlierer des GDL-Streiks in Berlin

Viele Fernzüge und S-Bahnen stehen still in Berlin. Für Autofahrer wird es zu Pfingsten besonders stressig. Doch ist gibt auch Branchen, die von dem Streik profitieren. Wir haben Gewinner getroffen.

Foto: Reto Klar

Es sah nach einem richtig guten Wochenende für Hotelier Uwe Hauptmann aus. Eigentlich waren alle Zimmer im Hotel Kastanienhof zum Beginn des Pfingstwochenendes ausgebucht, zu höheren Preisen als sonst – die Nachfrage machte es möglich. Es wären wichtige Einnahmen gewesen für das familiengeführte Haus an der Kastanienallee in Mitte. Doch mit der Nachricht vom neuerlichen Streik bei der Bahn kamen auch die ersten Absagen. „Viele Gäste sind unsicher, ob ihre Anreise wie geplant klappt“, sagte Hauptmann. Ein Glück, dass eine große Gruppe mit dem Reisebus kommen wird, deren Betten bleiben jedenfalls gebucht. Auch wird der Kastanienhof am Wochenende mehr Leihfahrräder als sonst anbieten, damit die Gäste unabhängig von der S-Bahn die Stadt erkunden können. Auf die Absagen reagiert das Hotel aber kulant und bietet eine Verschiebung des Aufenthaltes an. „Wir müssen das schlucken und hoffen, dass viele Gäste nun mit ihrem eigenen Auto anreisen“, sagt Hauptmann.

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Dass viele Hoteliers ihren Gästen eine Umbuchung anbieten, ist eine freundliche Geste. „Juristisch gibt es darauf keinen Anspruch“, sagte Thomas Lengfelder, Geschäftsführer des Berliner Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga). Jeder Gast sei für die Anreise selbst verantwortlich. „Wir wissen aber, dass viele Häuser in Berlin mit Stornierungen sehr kulant umgehen“, sagte Lengenfelder. Auch wenn der Bahnstreik Hoteliers wie Uwe Hauptmann vom Kastanienhof hart trifft – bisher habe der Verband keine größere Zahl von Absagen für Hotelzimmer bemerkt. „Wir gehen davon aus, dass die Stadt am Wochenende sehr gut gebucht sein wird“, so Lengenfelder.

Touristen suchen Alternativen

Auch die Tourismus-Gesellschaft Visit Berlin registrierte zahlreiche Anfragen von verunsicherten Kunden in ihrem Callcenter sowie den fünf Informationscentern im Stadtgebiet. Allerdings seien die meisten Touristen, die einen Berlin-Besuch planen, flexibel und suchten vor allem nach einer Alternative zur Bahn, vom eigenen Pkw zum Fernbus bis zum Flugzeug, sagte ein Sprecher von „Visit Berlin“. Erfahrungen aus zurückliegenden Streiks hätten zwar gezeigt, dass auch einige Besucher ihre Reise absagen und gebuchte Hotelzimmer stornieren wollen, allerdings nur in wenigen Fällen.

Kaum noch freie Plätze in Fernbussen

Während zumindest einige Berliner Hoteliers zu den Verlierern des Lokführerstreiks bei der Bahn gehören, freuen sich Fernbusanbieter, Autovermieter und Taxiunternehmen über ein Zusatzgeschäft. Vor allem die Fernbusunternehmen vermelden Rekordumsätze. „Gerade die Strecken aus der Hauptstadt in den Norden und in andere Großstädte sind teilweise schon ausgebucht“, sagte Marika Vetter, Sprecherin des Markführers MeinFernbus/Flixbus. Speziell nach Hamburg oder Rostock gebe es am Pfingstwochenende kaum noch freie Plätze in den Bussen, hieß es am Mittwoch.

„Auch in Richtung Düsseldorf oder Frankfurt am Main wird man zum Wochenende nur noch mit Glück einzelne Plätze ergattern können“, so Vetter. Der Fernbusanbieter setzt wegen des Bahn-Streiks 60 Fahrzeuge mehr als sonst ein, denn „viermal so viele Menschen wie normalerweise buchen derzeit eine Busreise“, sagte Vetter. Und je voller die Busse, desto teurer werden auch die Tickets. „Wir haben zwar eine feste Preisspanne, acht bis 25 Euro nach Hamburg zum Beispiel, aber Interessierte bekommen dann vielleicht kein Ticket in der günstigsten Kategorie mehr“, sagte sie.

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Auch beim Mietwagenverleiher Sixt spürt man die Auswirkungen des Streiks deutlich. „Es ist schwer vorher zu sagen, ob man am Wochenende bei uns noch ein Auto bekommt“, sagte eine Sprecherin des Unternehmens. „Die Wagen werden hier aber meist schnell zurückgebracht.“ Aber auch hier müsse man am besten bald buchen. Zumindest gibt es aber keinen Preisaufschlag wegen des Streiks.

In der Taxibranche freut man sich gleichfalls über zusätzliche Fahrten, ohne dass jedoch Euphorie ausbricht. „Vom letzten Bahnstreik haben wir definitiv profitiert“, sagte etwa Ingo Kaesmann, Taxifahrer in Berlin. „Da hab ich locker 50 Prozent mehr Umsatz gemacht als normalerweise“, sagte er. Am Mittwoch wartete er jedoch mit vielen anderen Kollegen am Bahnhof Zoo auf Kundschaft. „Bisher haben wir vom Streik nicht viel gemerkt. Ich hoffe aber, dass ändert sich noch.“