Sanierungsstau

Berliner Feuerwehrwachen sind ein Fall für den Notruf

Verstopfte Toiletten, kaputte Heizungen, defekte Elektrik: Viele Berliner Feuerwehr-Gebäude sind marode. Es herrscht Sanierungsstau, er wird vom Senat auf 140 Millionen Euro beziffert.

Klaus Krzizanowski ist Hauptbrandmeister bei der Feuerwehr, Notfälle gehören zu seinem Job. Doch statt Brände zu löschen und Menschen zu retten, muss er sich immer öfter mit verstopften Toiletten rumärgern, mit kaputten Heizungen und mit Schimmel in Duschräumen – und zwar in seiner eigenen Arbeitsstätte. Denn viele Gebäude der Feuerwehr sind marode. Die Senatsverwaltung für Finanzen hat den Sanierungsstau nach einer entsprechenden Anfrage des Grünen-Abgeordneten Benedikt Lux jetzt auf 140 Millionen Euro beziffert. Betroffen sind 150 Häuser. 58 Einrichtungen bergen „Gefahr für Leib und Leben oder für Sachwerte“.

Die Folgen spürt Krzizanowski täglich. Er arbeitet in der Wache in der Neuköllner Kirchhofstraße, Sanierungsbedarf: fast 5,7 Millionen Euro. Ein paar Räume seien „gepinselt“ worden. Doch das Gemäuer habe Risse, bei starkem Wind fielen Ziegel vom Dach, die Elektrik sei so veraltet, dass es Stromausfälle gebe, die Fenster würden kaum oder gar nicht schließen. „Das ist nicht zumutbar“, sagt Krzizanowski in seiner Eigenschaft als Mitglied der Bezirksgruppe Feuerwehr der Gewerkschaft der Polizei (GdP).

Verzögerungen bei Notfalleinsätzen

Verantwortlich für die Gebäude ist die Berliner Immobilienmanagement (BIM), die der Senatsverwaltung für Finanzen untersteht. Seit 2011 haben BIM und Feuerwehr für die Sanierung von Feuerwehr-Gebäuden 26,5 Millionen Euro ausgegeben. Weitere Arbeiten sollen folgen. 7,7 Millionen Euro stehen aus dem Sonderfonds „Wachsende Stadt“ bereit. Zu wenig, findet die GdP. „Der Sanierungsstau muss schnellstens beseitigt werden“, sagt Vorstandsmitglied Oliver Mertens. Gebäudeteile seien nicht nutzbar, weil der Putz bröckele. Mitunter würden Ausfahrtstore klemmen. Die Folge: Verzögerungen bei Notfalleinsätzen.

Druck macht auch Innensenator Frank Henkel (CDU). „Wenn ich mir manche Wachen der Freiwilligen Feuerwehr anschaue, dann ist das nicht unbedingt Werbung für ein Ehrenamt“, sagt Henkel. Die Mitarbeiter hätten einen Anspruch, unter ordentlichen Bedingungen arbeiten zu können. Feuerwehr-Sprecher Stephan Fleischer sagt, die Dienststellen seien „grundsätzlich arbeitsfähig“. Er sagt aber auch: „Einen Handlungsbedarf für die Sanierungsmaßnahmen sehen wir im Interesse des Arbeitsschutzes durchaus.“

Jens Metzger, Sprecher der Finanzverwaltung, versichert, die BIM arbeite kontinuierlich daran, den Sanierungsbedarf „Schritt für Schritt“ abzubauen. Wegen der knappen Mittel müssten aber Prioritäten gesetzt werden. Die Umsetzung orientiere sich daher an der Dringlichkeit.