Verwaltung

Berlins Behörden finden nicht ausreichend Nachwuchskräfte

Berlins Behörden haben zunehmend Probleme, neue Auszubildende zu finden – auch weil die Anforderungen an die Bewerber hoch sind. Vor allem Feuerwehr und Justiz haben Probleme, aber auch Bezirksämter.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Vielen Behörden im Land Berlin fällt es zunehmend schwer, geeignete Bewerber zu finden und die angebotenen Ausbildungsplätze zu besetzen. Das liegt auch an den Anforderungen, die an die Interessenten gestellt werden.

So scheitern bei der Polizei etwa 40 Prozent der Bewerber am Eignungstest, „davon allein schon 85 Prozent wegen mangelnder Deutschkenntnisse“, wie ein Polizeisprecher am Sonntag sagte.

Jeder vierte Bewerber erscheine zu den Terminen gar nicht oder nehme nicht an den Tests teil, obwohl eine Bewerbung für einen Ausbildungsplatz bei der Polizei vorlag. Rund zehn Prozent der Bewerber, die alle Tests bestehen, scheiden aus. Häufig sind sie gesundheitlich nicht in der Lage, die Anforderungen zu bewältigen.

>> Kommentar: Warum Berlins Behörden-Notlage selbstverschuldet ist

Während die Polizei wegen immer noch knapp ausreichender Bewerberzahlen alle Stellen besetzen konnte, sieht es etwa bei der Feuerwehr anders aus. „Die Bewerberzahlen sind drastisch nach unten gegangen“, sagte Harald Herweg, Leiter der Feuerwehrakademie. Derzeit kämen zwar 250 Bewerber auf 60 Ausbildungsplätze. Angesichts der hohen Anforderungen vor allem an die Fitness sei das jedoch zu wenig. Eigentlich sei ein Verhältnis von zehn zu eins zwischen Bewerbern und offene Ausbildungsplätzen nötig. „Wir bräuchten deutlich mehr Personal um die Abgänge zu ersetzen“, sagte Herweg.

Jeder Vierte geht in Ruhestand

Was sich bei der Polizei und Feuerwehr andeutet, droht auch in zahlreichen anderen Behörden, zum Teil ist es bereits Realität. „Vor allem die Justiz kriegt ihre Stellen nicht besetzt“, sagte die Jugendvertreterin beim Hauptpersonalrat, Ines Rohde. Justizwachtmeister oder Justizfachangestellte schienen offenbar vielen Jugendlichen nicht attraktiv, ebenso wie Ausbildungen als Gärtner oder Vermessungstechniker im Dienste der Landesbehörden oder Bezirksämter.

Während in den kommenden Jahren immer mehr Mitarbeiter in den Ruhestand wechseln, kommt die Nachwuchsarbeit nur mühsam voran. Bis 2020 geht jeder vierte Beamte oder Angestellte in den Ruhestand, in einigen Dienststellen sind es noch viel mehr. Das sind insgesamt 25.000 Mitarbeiterstellen, die auch angesichts der wachsenden Stadt neu besetzt werden müssten. Personalvertreter mahnen vom Senat schon lange verstärkte Anstrengungen, also zusätzliche Stellen für Azubis, weniger andere Aufgaben für mögliche Ausbilder sowie einen gezielten und zentral gelenkten Werbefeldzug, um junge Leute für einen Job im Landesdienst zu interessieren. „Wir müssten in der allgemeinen Verwaltung fünfmal mehr ausbilden als wir es tun“, sagte die stellvertretende Vorsitzende der Berliner Mitarbeitervertretung, Daniela Ortmann.

Die Senatsverwaltung für Finanzen verweist auf die steigenden Ausgaben für Ausbildung. 2014 habe Berlin 111 Millionen Euro für die Ausbildung von Nachwuchs aufgewendet. Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) sprach von Ausgaben „auf Rekordhöhe“. „Die Zahlen zeigen: Die Ausbildung von Nachwuchskräften hat für den Senat höchste Priorität“, sagte Kollatz-Ahnen. Man habe die Anstrengungen kontinuierlich gesteigert und werde das auch weiter tun. Altersbedingt ausscheidende Mitarbeiter könnten so ersetzt und einer Alterung der Belegschaft wirksam begegnet werden. Die Opposition kann diesen Optimismus mit Blick auf die Zahlen des vergangenen Jahres nicht teilen.

Insgesamt sind die Ausgaben für Ausbildung nur um drei Millionen Euro gestiegen, das sind weniger als drei Prozent und entspricht in etwa dem Ausgabenwachstum im gesamten Etat. „Wenn man den Anstieg der Tarife abzieht, bleibt von dem Anstieg der Ausbildungsmittel nicht viel übrig“, sagte der Grünen-Abgeordnete Oliver Schruoffeneger: „Die angekündigte Ausbildungsoffensive des Landes gibt es nicht.“

8400 Auszubildende

Denn die Ausgaben sind zwar gestiegen, aber nicht die Gesamtzahl der Azubis und Beamtenanwärter. Für 2013 hatte der Senat 8673 Auszubildende angegeben, 2014 nur noch 8400. Entsprechend hatte Kollatz-Ahnen in seiner Mitteilung auch nur von Rekordausgaben gesprochen. Das Ausbildungsangebot bleibe „auf hohem Niveau“, so der Senator.

Immerhin ist es gelungen, das zur Verfügung stehende Geld besser auszunutzen als in den Vorjahren. 6,5 Millionen der mehr als 117 Millionen im Haushalt vorgesehenen Euro konnten nicht wie geplant in den Behörden eingesetzt werden und gingen an Landesbetriebe, Theater oder Hochschulen für deren Auszubildende.

Schritte in die richtige Richtung

Ines Rohde will nicht ungerecht sein. „Es gibt Schritte in die richtige Richtung, aber es geht zu langsam“, beschreibt die oberste Vertreterin der Jugendlichen und Auszubildenden in Berlins öffentlichem Dienst die Bemühungen des Senats, den drohenden Personalnotstand in Berlins Ämtern zu bekämpfen. Denn noch immer halten die Ausbildungsaktivitäten der verschiedenen Behörden nicht mit den anstehenden altersbedingten Abgängen der kommenden Jahre mit. Immerhin hat der Senat jetzt beschlossen, auch Auszubildende mit einer Abschlussnote von 3,5 einzustellen. Immerhin fast zwei Drittel – mehr als früher – würden nach ihrer Lehrzeit einen festen Vertrag erhalten.

Aus Sicht der Jugendvertreterin beim Hauptpersonalrat, die vor ihrem Wechsel in die Personalvertretung im Bürgeramt Charlottenburg-Wilmersdorf tätig war, mangelt es jedoch vor allem an Bemühungen, Schüler und Studierende anzusprechen und für eine berufliche Zukunft im öffentlichen Dienst zu begeistern. Zwar läuft seit einiger Zeit eine eigene Werbeseite auf der Internet-Präsenz des Landes unter www.berlin.de/Karriereportal. Aber weder ist der Auftritt sonderlich attraktiv gestaltet, noch sind darüber wirklich alle beruflichen Optionen im Landesdienst zu finden.

Eine Arbeitsgruppe verschiedener Dienststellen arbeite jetzt an einem zentralen Auftritt des Landes als Arbeitgeber, das Projekt ist in der öffentlichen Ausschreibung.