Mietspiegel 2015

Wohnungen in Berliner Neubauten werden immer kleiner

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Ulrich Kraetzer

Die Mieten steigen - auch weil Neubauten immer teurer werden: Zum einen treiben Kapitalanleger die Preise für Bauland nach oben, zum anderen ist das Bauen selbst erheblich teurer geworden.

Die Mietsteigerungen der vergangenen Jahre sind nicht nur ein Ergebnis der gestiegenen Nachfrage. Bei Neubauten spielen vielmehr auch die für die Bauherren gestiegenen Kosten eine erhebliche Rolle. Zu diesem Ergebnis kommt eine kürzlich veröffentlichte Auswertung der Investitionsbank Berlin (IBB), die sich auf Daten des Statistischen Landesamtes stützt. Der Analyse zufolge mussten Bauherren 2008 pro Quadratmeter Wohnfläche rund 900 Euro investieren. Im vergangenen Jahr lag der Preis bereits bei knapp 1300 Euro. Das entspricht einem Anstieg von fast 45 Prozent in sechs Jahren.

>> Berliner Mietspiegel 2015 - die Wohnlagen <<

Als eine der Ursachen sehen die Autoren des IBB-Papiers neu erlassene Gesetze und Verordnungen sowie Steuern und behördliche Anforderungen an die Baumaterialien. Bund, Länder und Kommunen hätten den Wohnungsbau dadurch bundesweit erheblich verteuert. Zu dieser Einschätzung kommt auch der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW). Als Beispiel nannte der stellvertretende Geschäftsführer der BFW, Bernd Strehlow, höhere Anforderungen an den Schallschutz oder behördliche Vorgaben wie die der Energieeinsparverordnung. „Das ist alles schön zu haben, aber es fließt in die Kosten ein“, sagte Strehlow der Berliner Morgenpost. „Die Politiker sollten die Verfahren beschleunigen und Verordnungen auf den Prüfstand stellen“, sagte Strehlow.

Teures Bauland

Laut IBB hat auch die gestiegene Nachfrage von Kapitalanlegern die Preise nach oben getrieben. Die Preise für Bauland sind im Jahr 2013 gegenüber dem Vorjahr um mehr als 33 Prozent gestiegen. Der Berliner Immobilienmarkt habe lange als unterbewertet gegolten. Die Preissteigerungen erfolgten in einem „raschen Tempo“, seien aber eine „regionale Anpassung“. Seit Mitte vergangenen Jahres hat sich der Anstieg der bei der Baugenehmigung prognostizierten Kosten für Wohnneubauten laut den Daten des Statistischen Landesamtes abgeschwächt. Von einer dauerhaften Trendwende könne allerdings nicht ausgegangen werden, schreibt die IBB. Unwägbarkeiten während der Bauphase und Zeitverzögerungen könnten zudem dazu führen, dass die tatsächlichen Kosten die Prognosen überstiegen.

>> Berliner Mietspiegel 2015 - die Tabelle

Während die Preise steigen, werden die geplanten neuen Wohnungen immer kleiner. Von 2007 bis 2011 lag die durchschnittliche Größe einer Neubauwohnung bei mehr als 110 Quadratmetern. Im vergangenen Jahr lag sie bei nur noch 85 Quadratmetern. „Einerseits kann dies als eine Reaktion auf die veränderten Bedürfnisse einer Metropole gewertet werden, in der inzwischen 54,1 Prozent der Haushalte Single-Haushalte sind“, heißt es in der IBB-Analyse. Die Bauherren würden bei stark steigenden Quadratmeterpreisen aber auch versuchen, die Steigerung der Kosten pro Wohnung abzufedern. „Wenn die Wohnungen teuerer werden, können sich die Leute große Wohnungen nicht mehr leisten“, sagte Strehlow.

Die Investitionsbank Berlin rechnet damit, dass die Immobilienpreise auch 2015 weiter steigen. Der Neubau von Wohnungen habe mit dem steten Zuzug in den vergangenen Jahren nicht Schritt gehalten. Die anhaltende Unsicherheit über die finanzwirtschaftliche Entwicklung im Euro-Raum begünstige weiterhin die Flucht in Sachwerte und somit die Nachfrage nach Wohnungen als Kapitalanlage. Sollte sich die Preisentwicklung „in einem sehr raschen Tempo“ fortsetzen, seien auch Preisblasen nicht auszuschließen.

>> So stark steigen die Mieten in Berlins Kiezen <<