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Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Charité-Streik

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Andreas Abel und Thomas Fülling

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Verdi hat ihre Mitglieder für Montag und Dienstag zum Warnstreik an der Charité aufgerufen. Seit 6 Uhr gibt es Einschränkungen in vielen Bereichen. Die Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen.

Welche Charité-Standorte sind betroffen?

Der Warnstreik betrifft alle drei Standorte des Universitätsklinikums, also Mitte, „Benjamin Franklin“ in Steglitz und „Rudolf Virchow“ in Wedding. Nach Verdi-Angaben ist auf 68 Stationen mit einem eingeschränkten Betrieb zu rechnen, dazu gehören auch die Intensivmedizin und Funktionsbereiche wie die Dialyse und die Radiologie.

Finden alle Operationen wie geplant statt?

Um die Auswirkungen des Warnstreiks in Grenzen zu halten, hat die Leitung der Charité rund 400 planbare Operationen abgesagt. Drei kardiologische Stationen sollen laut Gewerkschaft komplett geschlossen bleiben, zwei am Virchow-Klinikum, eine in Steglitz. Dies sei auch möglich, so Charité-Sprecher Uwe Dolderer, da geplante Herzkatheteruntersuchungen verschoben wurden und Patienten auf andere Stationen verlegt werden.

Welche Mitarbeiter streiken?

In erster Linie Krankenschwestern und -pfleger. Die Gewerkschaft Verdi erklärte, es könne auch in anderen Bereichen zu Arbeitsniederlegungen kommen, etwa in IT-Abteilungen, in der Verwaltung oder bei Reinigungskräften. Theoretisch können sich auch Ärzte am Streik beteiligen, das gilt aber als eher unwahrscheinlich.

Ist die Notfallversorgung gesichert?

Die Notfallversorgung ist gewährleistet. Die Feuerwehr wird die Charité anfahren, insbesondere für alle Patienten mit Erkrankungen oder Unfällen, für die eine Versorgung in einer Klinik der Maximalversorgung erforderlich ist. Alle Notfalloperationen seien gewährleistet, bestätigte auch die Verdi-Verhandlungsführerin Meike Jäger.

Können Patienten an allen drei Standorten in die Notaufnahme kommen?

Die Notfallversorgung von Patienten, die lebensbedrohlich erkrankt sind, sei gesichert, betonte die Gewerkschaft. Dafür habe Verdi eine Notdienstvereinbarung mit der Charité abgeschlossen und frühzeitig die erwartete Streikbeteiligung in den Bereichen mitgeteilt. Alle anderen Patienten, die die Notaufnahmen aufsuchen, müssen indes mit „erheblichen“ Wartezeiten rechnen. Der Charité-Sprecher empfiehlt daher, für leichtere Erkrankungen besser ambulante Arztpraxen aufzusuchen.

Sind alle Ambulanzen geöffnet?

Zahlreiche Ambulanzen werden nur einen eingeschränkten Betrieb gewährleisten können, so der Charité-Sprecher. Wenn möglich, sollte per Anruf vorab geklärt werden, ob ein Termin auch stattfinden kann. Die Medizinischen Versorgungszentren der Charité, die zum vertragsärztlichen Bereich gehören, sind geöffnet. Notfälle werden in den Rettungsstellen versorgt.

Was bedeutet der Streik für die Patienten, die bereits in der Charité sind?

Die Pflege aller Patienten sei gewährleistet, so der Charité-Sprecher. Durch die Schließung der drei kardiologischen Stationen sei aber nicht auszuschließen, dass von dort einzelne Patienten auf andere Stationen verlegt werden. In Stationen, die nicht geschlossen sind, finde zumindest eine Pflege auf Nachtdienstniveau statt, erklärte Verdi. Um Patienten und deren Versorgung nicht zu gefährden, habe die Gewerkschaft die bestreikten Bereiche reduziert.

Kann ich Montag und Dienstag Patienten auf den Stationen besuchen?

Das sei selbstverständlich möglich, so die Klinikleitung.

Wird es eine Info-Hotline geben?

Es wird keine Hotline geben. Patienten mit organisatorischen Fragen zu ihrer Behandlung (zum Beispiel Terminverschiebung bei geplanten Eingriffen) melden sich in den jeweiligen Kliniken. Für leichtere medizinische Fragestellungen stehen ambulante Ärzte zur Verfügung. Schwer Erkrankte werden in den Notaufnahmen versorgt.

Worum geht es eigentlich bei dem Warnstreik? Was fordert Verdi?

Die Gewerkschaft will vor allem eine Mindestbesetzung mit Pflegefachkräften auf den Stationen in einem Tarifvertrag festlegen. Die ausgegebene Zielmarke lautet: eine Pflegekraft für fünf Patienten auf normalen Stationen, eine für zwei Patienten auf Intensivstationen. Und im Nachtdienst sollen immer mindestens zwei Pflegekräfte pro Station eingesetzt werden.

Was hat die Charité angeboten?

Der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums, Ulrich Frei, sagte, es sei finanziell nicht möglich, die Verdi-Forderungen voll umzusetzen. Dazu müsste die Charité zu ihren rund 4000 Pflegekräften weitere 600 einstellen, so Frei. Das würde pro Jahr 30 bis 36 Millionen Euro kosten. Das Angebot der Charité sieht vor, Mindestbesetzungen zunächst auf Intensivstationen einzuführen. Dafür müssten 50 bis 60 Zusatzkräfte eingestellt werden. Verdi erklärte, das Angebot biete selbst für die Intensivpflege kaum Verbesserungen, zudem würde es die Belegschaft spalten, da mehr als 12.000 Beschäftigte davon nicht profitieren würden.

Wie bewertet die Charité den Warnstreik?

Der Warnstreik bringt gravierende Einschnitte mit sich, auf den sich die Charité und die Beschäftigten jedoch sorgfältig vorbereitet haben, um jede Gefährdung der Patienten auszuschließen. Für einen Warnstreik sei eine Dauer von zwei Tagen und Nächten ungewöhnlich lange, so der Charité-Sprecher.