Jüdisches Museum

Warum Michael Blumenthal ein Glück für Berlin ist

Michael Blumenthal wird Ehrenbürger Berlins. Er hat das Jüdische Museum in nur 17 Jahren zum Aushängeschild für das neue Deutschland gemacht. Eine Würdigung von Kulturstaatsministerin Monika Grütters.

Foto: Amin Akhtar

„Lieber Staub aufwirbeln als Staub ansetzen!“ – Dieses schöne Motto, das ein verdienter deutscher Verleger geprägt haben soll, könnte gut als Überschrift über seinem Ruhestand stehen. Statt nach einer beeindruckenden Karriere in Politik und Wirtschaft dem Müßiggang zu frönen, hat Michael Blumenthal mit 71 Jahren mit der Leitung des damals noch neuen Jüdischen Museums Berlin eines der anspruchsvollsten Ehrenämter übernommen, das in Deutschland zu vergeben war. Was für ein Glück für Berlin!

Dass er zum Ehrenbürger unserer Stadt wird - das ist nicht nur für ihn eine Ehre, sondern auch ein schöner Gewinn für uns. Wer hätte vor 17 Jahren zu hoffen gewagt, dass das Jüdische Museum Berlin innerhalb von nicht einmal zwei Jahrzehnten so etwas wie einem „Aushängeschild für das neue Deutschland“ wird? Wer hätte damals gedacht, dass sich das Museum mit seiner ständigen Ausstellung zu zwei Jahrtausenden deutsch-jüdischer Geschichte zu einem der meistbesuchten Museen Berlins entwickelt, mit jährlich über 700.000 Besuchern? All das ist der Verdienst Michael Blumenthals.

Als Gründungsdirektor hat er dem Museum die reichen Früchte seiner Lebens- und Berufserfahrung zugute kommen lassen: seine Führungsqualitäten, seine Tatkraft, seinen Optimismus und nicht zuletzt seine exzellenten Kontakte. Was mich aber in all den Jahren, die wir uns kennen, immer am meisten beeindruckt hat, ist seine Fähigkeit, über den Horizont der Gegenwart hinaus zu denken. Die Akademie des Jüdischen Museums ist dafür das beste Beispiel. Michael Blumenthal hat sich nicht damit begnügt, die Geschichte der Juden in Deutschland zu erzählen. Er hat in der historischen Erfahrung der Diskriminierung und Verfolgung auch eine Verantwortung für die Zukunft erkannt - die Verantwortung, für die Integration aller in Deutschland lebenden Menschen einzutreten - unabhängig von Religion oder Herkunft.

Michael Blumenthal hat unserem Land viel geschenkt

Dankbarkeit für das Engagement Michael Blumenthals empfinde ich aber nicht nur von Amts wegen, als Kulturpolitikerin. Es berührt mich immer wieder, dass er am Ende eines erfüllten Berufslebens in den USA in das Land zurückgekehrt ist, aus dem er 1939 als Kind jüdischer Eltern mit seiner Familie fliehen musste. Es berührt mich, was er unserem Land geschenkt hat, das heute zum Glück, so hat er selbst es einmal gesagt, „ein ganz anderes Land“ ist als das Land seiner Kindheit. Dass Berlin ihm heute wieder zweite Heimat sein darf, empfinde ich als die kostbarste Gabe seines 17-jährigen Wirkens, und dass er mir dabei auch ein guter Freund geworden ist, bedeutet mir sehr viel!

Michael Blumenthal gehört als passionierter Zigarrenraucher zu den Genießern, die sich gerne Zeit nehmen für die Freuden des Lebens. „Die Zigarre verkörpert Souveränität und Freiheit des Geistes“, habe ich kürzlich gelesen, und wer ihn kennt, kann das nur bestätigen. Thomas Mann ging sogar so weit, Hans Castorp im „Zauberberg“ über das Zigarrenrauchen sagen zu lassen: „Ich verstehe es nicht, wie jemand nicht rauchen kann – er bringt sich doch sozusagen um des Lebens besten Teil und jedenfalls um ein ganz eminentes Vergnügen.“ Mit Blick auf ein so wechselvolles und erfülltes Leben wie dasjenige Michael Blumenthals wage ich zu bezweifeln, dass die Stunden des Rauchens der „beste Teil“ zu sein beanspruchen können. Aber „ein ganz eminentes Vergnügen“, das wünsche ich ihm für jeden Tag seines wohlverdienten Ruhestands: viele schöne Stunden, die sich mit dem Genuss einer Zigarre krönen lassen, dazu Gesundheit und Glück im Kreis seiner Familie. Ich bin mir sicher, dass er mit seinen unerschöpflichen Ideen und Plänen die Entwicklung Berlins weiter begleiten und prägen wird. Danke Dir, lieber Michael!“