Ex-Direktor Jüdisches Museum

W. Michael Blumenthal soll Ehrenbürger der Stadt werden

Der Ökonom W. Michael Blumenthal, wird als Ehrenbürger der Stadt ausgezeichnet. Der gebürtige Brandenburger war Gründungsdirektor des Jüdischen Museums in Berlin.

Foto: Amin Akhtar

Der langjährige Direktor des Jüdischen Museums Berlin, W. Michael Blumenthal, 89, soll Ehrenbürger von Berlin werden. Das hat der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) auf Nachfrage bestätigt. „Der Senat möchte das gerne“, sagte Müller. Auch aus dem Abgeordnetenhaus gibt es offenbar keine Widerstände. Über die Ehrenbürgerwürde müssen Senat und Parlament gemeinsam entscheiden. Der Abstimmungsprozess zwischen den Verfassungsorganen habe schon zu Zeiten des Übergangs von Klaus Wowereit zu Michael Müller im vergangenen Jahr begonnen.

W. Michael Blumenthal war von 1997 bis September 2014 Gründungsdirektor des Jüdischen Museums Berlin. Er konnte den damaligen Regierenden Bürgermeister, Eberhard Diepgen (CDU), davon überzeugen, dass Berlin ein eigenständiges Museum zur deutsch-jüdischen Geschichte braucht. Das Museum an der Lindenstraße 9–14 in Kreuzberg besteht aus dem Altbau des barocken Kollegienhauses und dem markanten zickzackförmigen Neubau des amerikanischen Architekten Daniel Libeskind. Mehr als acht Millionen Menschen haben das Haus seit der Eröffnung 2001 besucht. Es ist eines der meistbestbesuchten Museen Berlins.

Flucht nach Shanghai

W. Michael Blumenthal wurde am 3. Januar 1926 in Oranienburg geboren. Er wuchs in Berlin auf, seine Eltern hatten am Olivaer Platz ein Geschäft für Damenmoden. Nach der Pogromnacht 1938 gelang der Familie per Schiff die Flucht aus Nazi-Deutschland nach Shanghai, bis Blumenthal 1947 nach Amerika auswandern konnte. Er lernte Chinesisch, Englisch, Französisch und Spanisch. 1952 wurde er amerikanischer Staatsbürger.

Der passionierte Zigarrenraucher hat in Berkeley Internationale Ökonomie studiert, lehrte als Wirtschaftsprofessor in Princeton und wechselte danach in führende Managementpositionen. Er war Berater des Präsidenten John F. Kennedy, 1977 holte ihn Jimmy Carter als Finanzminister ins Kabinett, aus dem er zwei Jahre später zurücktrat. Zuletzt arbeitete er bis 1995 als Partner der Investmentbank Lazard & Freres.

W. Michael Blumenthal, der dem Jüdischen Museum für eine Übergangszeit beratend auch im Jahr 2015 als Gründungsdirektor zur Verfügung steht, lebt mit seiner Frau Barbara (geb. Bennett) in Princeton, New Jersey. Er hat mit ihr einen gemeinsamen Sohn sowie drei Töchter aus erster Ehe.

Für sein 1998 erschienenes Buch „Die unsichtbare Mauer: Die dreihundertjährige Geschichte einer deutsch-jüdischen Familie“ erforschte der vielfach Ausgezeichnete die Lebensläufe mehrerer Vorfahren, zu denen die für ihre Berliner Salons berühmte Rahel Varnhagen und der Opernkomponist Giacomo Meyerbeer zählen. Im Oktober 2010 sind im Propyläen Verlag seine Memoiren „In achtzig Jahren um die Welt. Mein Leben“ erschienen.