Drogenhandel

Jugendarrest für drei Kleindealer vom Görlitzer Park

Null Toleranz im Görlitzer Park: Wegen Drogenhandels wurden jetzt drei Dealer verurteilt, die am Rande des Kreuzberger Parks Marihuana verkauften.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Bubacarr C. sagt an diesem Tag kaum etwas vor einem Moabiter Jugendschöffengericht. Aber dieser eine Satz ist dann doch von ihm zu hören: „Ich verstehe nicht, warum ich wegen so ein bisschen Marihuana im Gefängnis sitzen muss.“

Der 19-Jährige ist angeklagt wegen Besitzes und Handels mit Drogen. Er und die Mitangeklagten – der 19-jährige Yaka S. und der 28-jährige Say B. – wurden am 23. Dezember vergangenen Jahres in Kreuzberg am Rande des Görlitzer Parkes festgenommen. Sie und ihr Kollege hätten die drei Männer an diesem Tag schon einige Zeit beobachtet, gab eine Polizistin vor Gericht zu Protokoll. Die drei seien arbeitsteilig vorgegangen: Einer habe die Passanten angesprochen, der zweite die in einem kleinen Beutel verpackten Drogen an den Interessenten herausgegeben und das Geld – 20 Euro – kassiert. Der Dritte stand absichernd in der Nähe. Die Zivilbeamten hatte er dabei offenkundig nicht entdeckt.

Drei Gramm Marihuana gefunden

Der Käufer wurde beim Verlassen des Parkes von Beamten in Uniform aufgehalten. Sie fanden bei ihm drei Gramm Marihuana. Schwerwiegender war für die Angeklagten jedoch, dass sie bei ihrer eigenen Festnahme 34 Schnellverschlusstüten mit Marihuana dabei hatten. Das reichte für eine Anklage wegen Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Strafandrohung: mindestens ein Jahr Freiheitsentzug. Konsequenz waren Haftbefehle. Denn alle drei hatten in Berlin keinen festen Wohnsitz. Mit hoher Wahrscheinlichkeit campierten sie im Gebäude der ehemaligen Gerhart-Hauptmann-Schule. Bubacarr C. und Say B. stammen aus Guinea-Bissau, Yaka S. aus Gambia. Ihr Weg nach Deutschland führte über Lampedusa. Sie wurden in Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und Brandenburg in Wohnheimen untergebracht. Aber es zog sie nach Berlin, weil hier viele ihrer Landsleute leben. Bubacarr C. gab an, über das Internet eine Frau aus Berlin kennengelernt zu haben.

Es gab schon vor diesem Prozess Gespräche zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung, wie im Falle von umfassenden Geständnissen verfahren werden könnte. So kommt es dann auch: Bubacarr C. und Yaka S. gelten mit ihren 19 Jahren noch als Heranwachsende und werden nach Jugendstrafrecht mit je zwei Wochen Jugendarrest bestraft. Die Strafe gilt nach den fast vier Monaten Untersuchungshaft aber schon als abgegolten.

Null-Toleranz-Konzept greift noch nicht

Der 28-jährige Say B. gilt natürlich als Erwachsener. Bei ihm wird von einem minderschweren Fall ausgegangen. Das Jugendschöffengericht verurteilte ihn zu sechs Monaten Haft, ausgesetzt auf zwei Jahre Bewährung. Alle drei Angeklagten müssen nicht mehr zurück in die Untersuchungshaftanstalt.

Vielleicht wird sich im Görlitzer Park herumsprechen, dass Verhaftung und Untersuchungshaft drohen. Das neue Null-Toleranz-Konzept indes hat noch nicht gegriffen. Es wird immer noch gedealt. Nach Auskunft der Polizei wurden zuletzt knapp 200 Personen überprüft. Das führte zu 56 Platzverweisen, 67 Strafanzeigen und 32 Haftbefehlen.