Berlin-Werber

„Visit Berlin“ entlässt Mitarbeiter wegen Veruntreuung

Zwei Mitarbeiter eines Touristen-Informationsbüros von „Visit Berlin“ haben „Welcome Cards“ verkauft und das Geld behalten. Der Schaden ist enorm, soll aber unter den kolportieren 200.000 Euro liegen.

Foto: Reto Klar

Zwei Mitarbeiter der Berliner Tourismuswerber von „Visit Berlin“ haben erhebliche Geldsummen in die eigene Tasche abgezweigt. Es handelt sich um einen festen und einen freien Mitarbeiter des Unternehmens, das als Partner zwischen dem Land Berlin und der Tourismuswirtschaft fungiert. Die beiden Männer verkauften in einer der sechs Berliner Touristen-Informationsbüros die Berlin Welcome Card und wirtschafteten die Erlöse an der offiziellen Buchführung vorbei. Der festangestellte Beschäftigte wurde inzwischen fristlos gekündigt, beide wurden bei der Polizei angezeigt.

„Ja, es gab den Fall“, bestätigte „Visit Berlin“-Geschäftsführer Burkhard Kieker auf Anfrage Informationen der Berliner Morgenpost. „Er wurde erkannt, bekämpft und zur Anzeige gebracht.“

Unregelmäßigkeiten bei den Abrechnungen waren im letzten Quartal des Jahres 2014 aufgefallen. Eine Inventur brachte dann endgültig an den Tag, dass Erlöse aus dem Verkauf der beliebten Rabattkarte fehlten. Interne Ermittlungen und die Revision führten dann zu den beiden Tätern. Die genaue Schadenssumme will Kieker nicht nennen. Die kolportierte Summe von 200.000 Euro, die angeblich unterschlagen worden sein soll, sei jedoch viel zu viel.

Mitarbeiter behielten Einnahme aus Verkauf von Welcome Card

Insgesamt arbeiten in den sechs Tourist Infos der „Visit Berlin“ 42 Mitarbeiter. Mit dem Verkauf von Stadtplänen oder Souvenirs verdienen sie einen Beitrag für das Marketing-Budget der Berlin-Werber. Die wichtigste eigene Erlösquelle für das Unternehmen ist aber die Berlin Welcome Card. 1,5 Millionen Mal pro Jahr erwerben Berlin-Besucher die Karte, die unter anderem auch die Berliner Verkehrsbetriebe anbieten. Sie bietet 200 Rabattangebote für Museen, Stadtrundfahrten, Radtouren, Theater oder auch Restaurants. Zusätzlich gibt es einen Fahrschein für die BVG, Stadtplan und Reiseführer. Für 48 Stunden kostet die Welcome Card 19,50 Euro. Für 72 Stunden ist man mit 26,70 Euro dabei, fünf Tage gibt es für 34 Euro.

Während der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Zehden von Kieker über den Fall informiert wurde, sollen die übrigen Aufsichtsräte von der Geschäftsführung erst bei der nächsten Sitzung mit dem Revisionsbericht ins Bild gesetzt werden.

„Visit Berlin“ wirbt seit 1993 für die Berlin als Touristenziel

Die „Visit Berlin“ wirbt seit 1993 für die Stadt als Ziel für Touristen und Kongressbesucher. Größter Eigentümer sind die „Visit Berlin“-Partnerhotels (40 Prozent), die landeseigene Investitionsbank Berlin (25 Prozent), das Land Berlin (15 Prozent), die Flughafengesellschaft (10 Prozent), die Berliner Messegesellschaft (5 Prozent) und die Tourismus Marketing Brandenburg GmbH (5 Prozent).

Für seine Aktivitäten hatte „Visit Berlin“ 2013 knapp 20 Millionen Euro zur Verfügung. Davon stammten 37 Prozent vom Land Berlin. 55 Prozent der Mittel stammten aus Eigeneinnahmen, ein Gros steuert der Verkauf der Welcome Card bei. Alle Einnahmen würden wieder in das Marketing für Berlin gesteckt, versichert das Unternehmen.