Hauptstadt-Besucher

So viele Touristen wie noch nie kamen 2014 nach Berlin

Der Tourismus-Boom in der Hauptstadt hält an: 2014 verzeichnete Berlin 28,7 Millionen Übernachtungen und 11,9 Millionen Gäste - im Vergleich zum Vorjahr ein deutliches Plus.

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Burkhard Kieker, Geschäftsführer der Tourismusgesellschaft Visit Berlin weiß, was Touristen an der deutschen Hauptstadt lieben. „Ich setze mich ins Café und gucke den Berlinern beim Leben zu, darum geht es.“ An diesem Leben wollten sie für ein paar Tage teilhaben – und die Berliner ließen das auch zu. Außerdem biete Berlin eine „Comeback-Story“, das würden die Menschen lieben. Berlin habe touristisch am Boden gelegen und sei nun obenauf. Astrid Langer vom Statistischen Landesamt konnte das bei der Vorstellung des Tourismusberichts 2014 am Mittwoch auch mit Zahlen untermauern: 1992 habe der Anteil der Übernachtungen in Berlin am Gesamtaufkommen in Deutschland 2,5 Prozent betragen, heute sind es 6,8 Prozent. Den 7,9 Millionen Übernachtungen in Berlin von damals standen im vergangenen Jahr 28,7 Millionen gegenüber.

56,4 Prozent der Hotelgäste im vergangenen Jahr kamen aus Deutschland. Bei denen aus dem Ausland waren starke Besucherzuwächse insbesondere aus Großbritannien, Italien, Niederlande, Spanien und Polen zu verzeichnen. Bei den Besuchern aus Übersee liegen traditionell die Amerikaner vorn. Deren rund eine Million Übernachtungen bedeuten ein Plus von 10,5 Prozent. Wachstumsraten von mehr als 20 Prozent gab es hingegen bei Übernachtungen von Menschen aus den arabischen Golfstaaten, Israel und Korea.

Bedarf an Kongressflächen

Einen wesentlichen Anteil an diesem Erfolg hat das Kongressgeschäft. Im vergangenen Jahr fiel jede vierte Hotelübernachtung in diesen Bereich. „Wir merken, dass wir Kapazitäten für größere Kongresse brauchen“, betonte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD). Zahlen aus der Studie eines Münchener Instituts im Auftrag der Messegesellschaft und von Visit Berlin, wonach Berlin in den Jahren 2014 bis 2018 mehr als 30 Kongresse verloren habe, weil es dafür keine Raumkapazitäten gab, bezeichnete Müller indes als „nicht nachvollziehbar“. Kieker wollte sich nicht zu der Studie äußern. Er verwies auf das neue Convention-Center, das am „Estrel“ in Neukölln von Hotelchef Ekkehard Streletzki errichtet wird. Dieses bringe eine große Entlastung.

Müller sprach auch noch ein anderes Problem an. Er verteidigte die kritische Haltung des Senats gegenüber Ferienwohnungen. Das Problem sei, dass mehr als 10.000 dieser Apartments sich auf wenige Stadtviertel konzentrierten. Burkhard Kieker stimmte ihm zu. Ein Sockel von Ferienwohnungen brauche jede touristisch attraktive Stadt, die Auswüchse müssten aber konsequent bekämpft werden.

Mit kostenloser App in die Kieze

Mit einer neuen kostenlosen App will Visit Berlin Besucher in die Kieze abseits von Brandenburger Tor und Museumsinsel locken. Der digitale Reiseführer Going Local Berlin will vor allem Besucher ansprechen, die nicht zum ersten Mal in der Hauptstadt sind, ihnen Orientierung und Anregungen geben, neue Seiten der Stadt zu entdecken. „In der App finden sich persönliche Tipps von Berlin-Kennern“, sagte Kieker. Alle zwölf Bezirke und ihre Besonderheiten würden vorgestellt, zum Start 60 Kieze mit mehr als 600 Tipps präsentiert. Empfohlen werden Tipps in den Kategorien „Unbedingt ansehen“, „Verborgene Orte“ und „Essen und Trinken“.

Neue Seiten von Berlin werden auch Fernsehzuschauer in arabischen Ländern entdecken. Wie der Visit-Berlin-Geschäftsführer berichtete, habe ein Filmteam aus Kuwait in den vergangenen Wochen hier eine 30-teilige Serie gedreht. Sie thematisiere das Leben von Studenten in Berlin, werde während des Ramadans ausgestrahlt und daher eine enorme Werbewirkung erzielen.