Nach BER-Start

Eine Milliarde Euro für die Nachnutzung von Tegel

Wenn der BER eröffnet, soll der Flughafen Tegel stillgelegt werden. Dort soll dann ein Wissenschafts- und Technologiepark entstehen. Es wird das größte Entwicklungsprojekt der Stadt.

Foto: gmp Architekten

Es wird das größte Entwicklungsprojekt der Stadt für die mittlere Zukunft. Rund eine Milliarde Euro aus öffentlichen Kassen sollen in den nächsten Jahrzehnten investiert werden, um aus dem Flughafengelände in Tegel einen Wissenschafts- und Technologiepark zu machen. Diese Summe steht in der Vorlage, die der Senat am Dienstag beschlossen hat. Einzelheiten wurden jedoch nicht genannt. Insgesamt sollen 148 Hektar, die das Terminalgebäude und die südlichen Rollbahn umfassen, zu einem Zentrum für urbane Zukunftstechnologien werden.

In einem ersten Schritt hat der Senat nun festgelegt, im nächsten Doppelhaushalt 2016/2017 11,2 Millionen Euro ausgeben zu wollen, um die Planungen voranzutreiben. Ziel ist es, möglichst schnell bauen zu können, sobald die Flughafengesellschaft nach der für Herbst 2017 geplanten Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER in Schönefeld Tegel geräumt hat.

15.000 Arbeitsplätze sollen entstehen

Aus Sicht der Tegel-Entwickler ist der Senatsbeschluss ein Meilenstein für ein Vorhaben, das einmal 15.000 Arbeitsplätze bieten und 300 Millionen Euro Steuereinnahmen pro Jahr generieren soll. Erstmals haben sich die drei Senatsressorts für Stadtentwicklung, Wirtschaft und Wissenschaft auf konkrete Arbeitsaufgaben für die kommenden Monate verständigt. „So manchem Zweifler dürfte jetzt klar geworden sein, dass es für Tegel nicht nur ein schlüssiges Konzept gibt, sondern dass auch kein Anlass für irgendwelche Spekulationen besteht“, sagte Philipp Bouteiller, Chef der Tegel Projekt GmbH. Zuletzt hatte es Irritationen gegeben, weil auch das Olympische Dorf in Tegel entstehen sollte. Für Wohnungsbau ist jedoch eine Fläche nördlich des „Urban Tech Republic“ genannten Gewerbegebietes vorgesehen.

2500 Studenten sollen ab spätestens 2022 in Tegel lernen

Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) sagte, man habe „vor dem Hintergrund der Verschiebung der Eröffnung des BER schon lange die Füße in Tegel still halten müssen“. Mit dem Senatsbeschluss als Initialzündung stehe die Senatswirtschaftsverwaltung jetzt „in den Startlöchern, um die ersten bereitgehaltenen Fördermittel für Planungsprojekte“ vergeben zu können.

In einem ersten Schritt wird es um die Nachnutzung des sechseckigen Terminal-Rings und des angrenzenden Hochbaus gehen, auf dem heute der Namen des Flughafens steht. Diesen Komplex herzurichten wird nach ersten Analysen 233 Millionen Euro kosten. Den Ring wird die Beuth-Hochschule für Technik komplett nutzen. Daneben sollen in dem Hochbau ein Technologiezentrum für junge Unternehmen sowie Kongress- und Veranstaltungsräume entstehen.

Der Anteil der Fachhochschule, die der wissenschaftliche Anker für die gesamte Entwicklung des Areals werden soll, hat sich gegenüber früheren Überlegungen deutlich vergrößert. 2500 Studenten der Fachrichtungen, die mit Stadtplanung, Bau, Abwasser und anderen urbanen Technologien zu tun haben, sollen ab spätestens 2022 in Tegel lernen, Firmen ausgründen und mit Unternehmen kooperieren. Zunächst waren nur 1500 Studenten vorgesehen. Ihr zweiter Campus neben der Zentrale in Wedding soll nun mit 26.000 Quadratmetern doppelt so groß werden wie zunächst vorgesehen. „Das Konzept ist sehr gut“, sagte die Präsidentin der Hochschule, Monika Gross: „Wir sehen uns als Nukleus des Industriestandortes.“ Der Senatsbeschluss sei für die unter räumlicher Enge leidenden Hochschulangehörigen ein ermutigendes Zeichen. Wenn die Leute wüssten, dass es eine Perspektive gibt, könnten sie mit der Situation umgehen, sagte Gross.