Bearbeitungsstau

Junge Berliner Familien warten lange auf das Elterngeld

Die Wartezeiten für das Elterngeld sind in Berlin zu lang. In manchen Bezirken dauert es fast vier Monate, bis die Leistung ausgezahlt wird. Die Bezirke wollen das jetzt ändern.

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Jungen Eltern wird in Berlin der Start als Familie nicht leicht gemacht. Obwohl die meisten nach der Geburt eines Kindes Anspruch auf Elterngeld haben, müssen sie in manchen Bezirken länger als drei Monate auf die Bewilligung ihres Antrages warten. Das ergaben Recherchen der Berliner Morgenpost. Das Elterngeld fängt den Wegfall des Einkommens auf, wenn Mutter oder Vater Zuhause für ihr Kind da sein wollen und ihre Arbeit unterbrechen oder einschränken.

Die größten Probleme hat Steglitz-Zehlendorf, dort müssen die Eltern bis zu 15 Wochen auf ihr Geld warten. In Friedrichshain-Kreuzberg sind es 14 Wochen und in Reinickendorf zwölf. Die anderen Bezirke brauchen im Schnitt zwischen vier und acht Wochen, Tempelhof-Schöneberg und Neukölln sind mit durchschnittlich zwei Wochen die schnellsten.

In fast allen Fällen sind es personelle Engpässe, die zu den langen Wartezeiten führen. 270 Elterngeldanträge werden jeden Monat in Steglitz-Zehlendorf bearbeitet, dazu kommen etwa 70 Betreuungsgeldanträge. Bezirksstadträtin Christa Markl-Vieto (Grüne) sagt, sie habe 4,5 Stellen in der Elterngeldstelle, inklusive einer Kraft für das Betreuungsgeld. Die langen Wartezeiten resultierten aus den Schwierigkeiten bei einer Stellenneubesetzung. „Bei einem kleinen Team von vier Kolleginnen fällt das stark ins Gewicht“, so Markl-Vieto.

Friedrichshain-Kreuzberg immer noch sehr attraktiv

14 Wochen müssen junge Eltern in Friedrichshain-Kreuzberg auf ihr Geld warten. „Es ist richtig, das ist nicht hinnehmbar“, sagt Bezirksamtssprecher Sascha Langenbach. Aber der Bezirk übe auf junge Familien eine ungebrochene Attraktivität aus, die Zahl der Neugeborenen steige. Sechs Mitarbeiter kümmern sich um die Bearbeitung der Anträge. Die Zahl solle in den kommenden Wochen auf neun aufgestockt werden, sagt Langenbach.

Marzahn Hellersdorf liegt mit vier Wochen im Mittelfeld. „Das schaffen wir aber nur mit Mühe“, sagt Jugendstadträtin Juliane Witt (Linke). Die Mitarbeiter würden unter hohem Druck arbeiten, die Eltern sollten nicht für die Personalpolitik bestraft werden. „Der Senat hatte bereits im Januar beschlossen, die Elterngeldstellen zu stärken“, sagt die Stadträtin. Davon sei aber nichts umgesetzt.

Der Senat und die Bezirke haben eine gemeinsame Arbeitsgruppe zum Elterngeld eingerichtet. „Dort sprechen wir gerade über einen zusätzlichen Personalbedarf der Bezirke“, sagt Jens Metzger, Sprecher der Senatsfinanzverwaltung. Die Gespräche stünden kurz vor dem Abschluss.