Religion

Berliner Senat stellt Kirchen mehr Geld zur Verfügung

Der Streit über die Förderung des Religions- und Weltanschauungsunterrichts an Berliner Schulen ist beigelegt. Der Senat gibt mehr Geld - rund 5,2 Millionen Euro im Jahr.

Foto: Reto Klar

Der Senat wird den freiwilligen Besuch des Religions- und Weltanschauungsunterrichts in den Berliner Schulen weiter fördern und will ab 2016 dafür den drei größten Trägern – der evangelischen und katholischen Kirche sowie dem Humanistischen Verband – rund vier Millionen Euro mehr zur Verfügung stellen. Die fünf kleineren Anbieter sollen rund 1,2 Millionen Euro mehr erhalten. Der Streit über die Höhe der Förderung geht damit nach rund zwei Jahren zu Ende. Wie der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Montag nach einem Treffen auf Einladung von Bischof Markus Dröge ankündigte, will der Senat das neue Abkommen in Kürze unterzeichnen. Geschnürt werde das Gesamtpaket, um die Tarifanpassung für die Religionslehrer nachzuholen.

Nur 75 Prozent der Lehrergehälter abgedeckt

Darin festgelegt ist die Refinanzierung des Religionsunterrichts. Die bisher geltende Quote der Bezahlung orientiere sich an den Gehaltsstandards des Jahres 2012. „Das ist nicht mehr zeitgemäß“, betonte Bischof Dröge. Eigentlich wird das Schulwahlfach Religion vom Land Berlin zu rund 90 Prozent finanziert. Gegenwärtig können mit dem Gesamtzuschuss jedoch nur etwa rund 75 Prozent der Gehälter von Religionslehrern abgedeckt werden. Der Vertrag sah keine Dynamisierung vor, sodass sich der Zuschuss nicht erhöhte. Für 2014 zahlt das Land Berlin laut Müller 48 Millionen Euro für den Religions- und Weltanschauungsunterricht der drei großen und fünf kleineren Träger. Im laufenden Schuljahr nehmen daran 169.847 Schülerinnen und Schüler in den öffentlichen und privaten Schulen Berlins teil. Das sind 51,43 Prozent aller 330.232 Berliner Schüler.

Als „echten Fortschritt“ bezeichnete Bischof Dröge die neue Vereinbarung auch deshalb, weil in Zukunft schneller wieder über die öffentlichen Zuschüsse zum Religionsunterricht verhandelt werden soll. Geplant ist, dass sich Senat und Kirchenleitungen bereits 2019 treffen, um nach Lösungen zu den Kostensteigerungen zu suchen. Das neue Abkommen wird 2021 auslaufen.

Es geht um rund 840 Stellen

Die rund 500 evangelischen Religionslehrer (circa 440 Vollzeitstellen) mussten nach Auskunft einer Sprecherin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz zwar auch bislang keine Einbußen hinnehmen. Sie werden nach Tarif bezahlt. Die Lücke allerdings zwischen Zuschuss und Tariflohn müssen bisher noch die Anbieter aufbringen. Bei der katholischen Kirche handelt es sich um rund 130 Stellen und beim Humanistischen Verband um 271 Stellen. Religionslehre und Humanistische Lebenskunde sind in Berlin keine ordentlichen Schulfächer, sondern freiwillige Angebote der Träger. Die Regelung von 2002 führte dazu, dass sie einen wachsenden Eigenanteil aufbringen mussten.

Bischof Dröge und der Regierende Bürgermeister Müller bezeichneten die Atmosphäre bei dem vierten Treffen von Senat und Kirchenleitung der evangelischen Kirche als offen und partnerschaftlich. Dröge sicherte dem Senat die Bereitschaft diakonischer Einrichtungen zu, den Flüchtlingen weiterhin zu helfen. „Im vierstelligen Bereich“ könnte sich die Kirche neue Angebote vorstellen, um Asylbewerber unterzubringen. Der Bischof rief zugleich dazu auf, nach „juristisch akzeptablen Lösungen“ für die Flüchtlinge wie die vom Kreuzberger Oranienplatz zu suchen, die sich noch in kirchlicher Obhut befänden und für die es noch keine Perspektiven gebe. „Das ist für uns ein ziemlich großer Druck“, so Dröge.

Müller verspricht Unterstützung für geplantes Bet- und Lehrhaus

Müller dankte für das Engagement der Kirchen und versprach, sie „mit den 85 bis 90 Flüchtlingen nicht alleinzulassen“. Innensenator Frank Henkel (CDU) habe bei dem gemeinsamen Treffen am Montag in der Neuköllner Martin-Luther-Kirchengemeinde an der Fuldastraße angeboten, die Fälle nochmals zu prüfen.

Der Regierende Bürgermeister versprach auch Unterstützung für das geplante Bet- und Lehrhaus „House of One“ von Juden, Christen und Muslimen auf dem Petriplatz. Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) setze sich dafür ein, dass das landeseigene Grundstück auf erbbaurechtlicher Grundlage dem Trägerverein übertragen werden soll. Müller und Dröge lobten das Vorhaben als „großartiges Signal und Symbol des Miteinanders gerade in diesen Tagen der religiösen Auseinandersetzungen“. Allerdings müssen für das Bet- und Lehrhaus noch mehr als 43 Millionen Euro Spenden zusammenkommen. „Das wäre ein wichtiges Signal, wenn es gelingen könnte, das Haus fertigzustellen, auch wenn es noch ein weiter Weg ist“, sagte Müller. Ein erster Spendenaufruf habe 150.000 Euro erbracht, aber die Erfahrung zeige: Je konkreter ein Projekt werde, desto eher werde gespendet.

Kirche für Olympiabewerbung

Müller sicherte zudem die Hilfe des Senats für den Deutschen Evangelischen Kirchentag 2017 in Berlin mit rund 140.000 Dauerteilnehmern sowie das „Reformationsjubiläum“ im selben Jahr zu. Das Gedenkjahr soll nach Dröges Angaben am 31. Oktober 2016 in Berlin eröffnet und genau ein Jahr später abgeschlossen werden. Dröge seinerseits begrüßte die Absicht des Berliner Senats, sich um die Olympischen Spiele zu bewerben. Damit könnten „neue Bilder von einem weltoffenen Berlin“ in die Welt getragen werden, die sich von der Olympiade 1936 unter der Herrschaft der Nationalsozialisten unterschieden.