Baudarlehen

Berliner Senat will junge Familien beim Wohneigentum fördern

Vor allem Berliner Familien mit geringeren Einkommen sollen künftig mit einem staatlich geförderten Baudarlehen beim Wohnungsbau unterstützt werden. Das kündigte der Chef der Investitionsbank Berlin an.

Foto: dpa

Bei der Förderung von Wohnungsbau will der Berliner Senat neue Wege gehen. Junge Familien sollen künftig Unterstützung beim Erwerb einer neu errichteten Immobilie erhalten. Das kündigte Jürgen Allenkamp, Vorstandsvorsitzender der landeseigenen Investitionsbank Berlin (IBB), an. „Mit einem staatlich geförderten Baudarlehen wollen wir Familien mit geringen und mittleren Einkommen in die Lage versetzen, Wohneigentum zu erwerben“, sagte Allenkamp bei der Vorstellung des neuen IBB-Wohnungsmarktberichtes am Donnerstag.

Bereits im Frühjahr, so der Bankmanager weiter, solle das Programm zur Familienbauförderung aufgelegt werden. „Wir wollen, dass auch die Familien, die nur über ein geringes Eigenkapital verfügen, vom historisch niedrigen Zinsniveau profitieren“, sagte Allerkamp. Zins- und Tilgungskosten lägen derzeit oftmals deutlich unter den Mietkosten. Details, etwa wie sich die Anzahl der Kinder auf die Höhe der Förderung auswirken soll, nannte er noch nicht. „Wir beraten gerade, in zwei Monaten können wir genaueres sagen.“ Offen ist derzeit auch, wo die Einkommensgrenze gezogen werden soll.

„Wir wollen der Krankenschwester, zwei Kinder und verheiratet mit einem Polizisten, ein Angebot machen“, ergänzte Bausenator Andreas Geisel (SPD) das Vorhaben. Ein Widerspruch zur mieterfreundlichen Politik der Landesregierung sei das jedoch nicht. „Berlin ist und bleibt eine Mieterstadt und unser Hauptaugenmerk wird auch weiter darauf liegen, weitere Mietwohnungen zu schaffen“, sagte Geisel. Allerdings sei die Schaffung von Wohneigentum auch eine Form der Alterssicherung, die es zu fördern gelte. Ideologische Scheuklappen, so der Politiker weiter, gebe es da nicht. Die Eigenheimzulage, mit der die Bildung von selbstgenutztem Wohneigentum gefördert wurde, war 2006 von der damaligen schwarz-roten Bundesregierung auf Betreiben der SPD abgeschafft worden.

„Zügig bezahlbaren Wohnraum schaffen“

„Es kann nicht sein, dass Berlin die Eigentumsbildung finanziell unterstützt, während eine ganze Reihe wichtiger Aufgaben nicht gelöst sind, so zum Beispiel die Mietensituation im sozialen Wohnungsbau, die ungenügende Zahl preiswerter Neubauwohnungen und die viel zu teure energetische Sanierung“, kritisierte der Vorsitzende des Mietervereins Reiner Wild die Neuausrichtung der Wohnungspolitik. „Hier werden falsche Prioritäten gesetzt“, so Wild weiter.

Bausenator Geisel wies die Kritik zurück und betonte, dass die Familienbauförderung nur eine von vielen Maßnahmen sein werde. „Berlin hat zahlreiche Instrumente zur Mietpreisdämpfung auf den Weg gebracht. Wir haben Bündnisse mit den Bezirken, der Bauwirtschaft und den landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften geschlossen, die alle das gleiche Ziel haben: zügig bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.“ . Das wirksamste Instrument zur Mietpreisreduzierung sei aber der Neubau, so der Senator. In den vergangenen vier Jahren kamen 175.000 Menschen neu nach Berlin. Die Mietpreissteigerungen seien unmittelbar mit der höheren Nachfrage verknüpft. Er werde daher alles tun, um das Neubauklima in der Stadt zu verbessern.

1000 Wohnungen jährlich fördern

Geisel räumte ein, dass bei der im Mai 2014 eingerichteten Neubauförderung, mit der das Land Berlin von 2014 bis 2018 jeweils rund 1000 Wohnungen jährlich fördern will, nachgebessert werden muss. Das Volumen des mit 320 Millionen Euro ausgestatteten Topfes solle „verdoppelt oder sogar verdreifacht“ werden, kündigte er an. Fördermittel können diejenigen Bauherren abrufen, die bereit sind, einen Teil ihrer neu geschaffenen Wohnungen zu Mieten zwischen sechs und 7,50 Euro anzubieten, und eine Belegungsbindung für 20 Jahre akzeptieren. Bislang greifen allerdings fast ausschließlich kommunale Wohnungsbaugesellschaften darauf zurück. „Das niedrige Zinsniveau hat dazu geführt, dass sich das Interesse der Privaten an unserem Angebot in Grenzen hält“, sagte Geisel. „Wir überlegen, wie wir den Fonds attraktiver gestalten können.“

Bestärkt sieht sich Geisel bei der Neubaupolitik durch die Statistik. So wurde 2012 erstmals wieder ein Anstieg der Baufertigstellungen beobachtet, die auch 2013 deutlich zunahmen. Insgesamt wurden rund 6600 Wohnungen neu gebaut, 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Noch stärker ist die Zahl der Genehmigungen gestiegen. 2013 wurde der Bau von rund 12.500 Wohnungen genehmigt. Das war im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 26 Prozent. Bis November 2014 wurden rund 17.300 Wohnungen genehmigt, 53 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. „Dieser Trend lässt erwarten, dass das Etappenziel, pro Jahr 10.000 bis 12.000 Wohnungen neu zu errichten, in absehbarer Zeit erreicht werden kann“, so IBB-Chef Allerkamp.

>> Interaktive Grafik: So stark steigen die Mieten in Berlins Kiezen <<<