Bilanz

Charité hält sich in den schwarzen Zahlen

Gegen den bundesweiten Trend schafft es die Charité in Berlin erneut, einen Gewinn zu erwirtschaften. 2008 gab es noch einen zweistelligen Millionenverlust. Dafür gibt es Lob.

Foto: Rainer Jensen / dpa

Immer mehr Krankenhäuser in Deutschland rutschen in die roten Zahlen. Nur noch jede sechste der 36 Universitätskliniken bundesweit erwirtschaftet Überschüsse. Vor diesem Hintergrund waren die Chefs der Berliner Charité besonders stolz, dass sie am Mittwoch ordentliche Zahlen für das 2014 verkünden konnten. „Wir haben uns extrem bemüht, mindestens eine schwarze Null zu erreichen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Karl Max Einhäupl.

Mit einem Ergebnis von 7,6 Millionen Euro hat die Charité zum vierten Mal in Folge seit 2011 einen positiven Jahresabschluss vorgelegt. 2008 hatte die Berliner Universitätsmedizin noch einen Verlust von 56 Millionen Euro ausgewiesen. Einhäupl und sein kaufmännischer Vorstand Matthias Scheller wissen, dass ihre Bilanz das beste Argument ist beim Ringen um weitere Millionen des Landes zur Sanierung der nach wie vor vielerorts maroden Bausubstanz und Technik. Sie hatten sich verpflichtet, als Gegenzug für die Millionen aus dem Masterplan für das erneuerte Bettenhaus in Mitte aus der Verlustzone zu kommen. „Wir dürfen das Vertrauen der Politik und der Steuerzahler nicht aufs Spiel setzen“, sagte Einhäupl.

Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) lobte als Aufsichtsratschefin die Arbeit des Managements. Die Modulbauten, die die Kapazitäten des Bettenhauses in der Bauphase ersetzen, seien gut ausgelastet. Trotz weiterer Belastungen, wie der Behandlung schwierigster Fälle, etwa der Ebola-Patienten oder traumatisierter Flüchtlinge, gebe es ein positives Ergebnis. Auch die Leistungsfähigkeit der Charité bleibe gewährleistet, sagte Scheeres und verwies auf Ranglisten, die die Berliner Uniklinik als bestes Krankenhaus Deutschlands und auch als besonders stark in der Forschung einordnen. Wieder hat die Charité 150 Millionen Euro Drittmittel aus fremden Quellen für die Forschung eingeworben.

Charité rechnete im November noch mit Verlust

Die Senatorin konnte auch frisches Geld für die Charité in Aussicht stellen. Aus den 66 Millionen, die in Berlin frei werden, weil der Bund die Bafögzahlungen übernimmt, erhält die Uniklinik acht Millionen Euro. 53 Millionen Euro fließen aus dem neuen Investitionstopf, der aus den Haushaltsüberschüssen des Jahres 2014 gespeist wird. Mit dem Geld werden die Stromversorgung der Charité-Häuser in Wedding und Steglitz modernisiert, die Hochschulambulanzen saniert und der Hubschrauberlandeplatz den aktuellen Anforderungen angepasst.

Trotz der schwarzen Zahlen schrammte die Charité nur knapp an einem Defizit vorbei. Noch im November war das Management von einem Minus von 1,2 Millionen Euro ausgegangen. Schließlich habe aber die Fakultät, also der für Forschung und Lehre zuständige Teil der Charité, nicht das befürchtete Minus ausgewiesen. Auch Einspareffekte seien erst am Ende des Jahres vollkommen deutlich geworden, hieß es zur Begründung. Im Dezember hätten aber schwere Fälle unter den behandelten Patienten mehr Geld von den Krankenkassen eingebracht. Die Energiekosten seien um 3,8 Millionen Euro niedriger ausgefallen als geplant. Die Kooperation mit dem anderen städtischen Krankenhauskonzern Vivantes im gemeinsamen Labor sparte weitere zwei Millionen Euro. Auch gemeinsamer Einkauf einer bestimmten Art von Stents, die verkalkte Adern aufweiten, habe 3,8 Millionen Euro gespart. Dass alle Patienten von Vivantes und der Charité jetzt das gleiche Essen bekommen, brachte eine Million Euro im Jahr.

Wirtschaftsplan rechnet für 2015 mit Defizit

Auch 2015 wird es schwierig, über der Null-Linie zu bleiben. Der Wirtschaftsplan 2015 geht von einem Defizit von 2,1Millionen Euro aus. Um das zu schaffen, muss die Charité ein Plus von 3,2Prozent bei ihren Einnahmen erzielen. Finanzvorstand Scheller verlangte von der Bundesregierung gesetzliche Änderungen, um die Universitätskliniken mit ihren teuren Spezialaufgaben auskömmlich zu finanzieren. Allein die Behandlung der mutmaßlichen Ebola-Fälle belastete die Charité mit 750.000Euro.

Das Zentrum, in dem Professoren für andere Kliniken Krebspatienten begutachten, kostet drei Millionen Euro, nur eine Million wird dafür bezahlt, rechnete Finanzvorstand Scheller vor. Außerdem sei die Charité dringend darauf angewiesen, ihre bisher 3000 Betten zu erhalten. Wenn wie vom Senat erwogen 300 Betten gestrichen werden, würde die Charité in diesem Jahr 15 Millionen Euro Verlust machen.