Bilanz

382 Opfer meldeten sich bei Gewaltschutzambulanz

Die erste Gewaltschutzambulanz in Berlin öffnete vor einem Jahr. 382 Opfer meldeten sich, 175 ließen ihre Verletzungen für einen eventuellen Prozess dokumentieren - darunter 66 Kinder.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Vor einem Jahr eröffnete die erste Gewaltschutzambulanz in Berlin, eine Anlaufstelle für Gewaltopfer. Nun hat die Ambulanz, die der Rechtsmedizin der Charité angegliedert ist, eine erste Bilanz gezogen: 382 Opfer haben sich in dem einen Jahr des Bestehens gemeldet, 175 von ihnen haben ihre Verletzungen von den Rechtsmedizinern so dokumentieren lassen, dass es vor Gericht Bestand hätte. „Wir sind sehr stolz, dass unser Angebot tatsächlich diejenigen erreicht, die es benötigen“, sagte die stellvertretende ärztliche Leiterin der Ambulanz Saskia Etzold.

Von den 175 Gewaltopfern, die ihre Verletzungen dokumentieren ließen, waren 109 Erwachsene und 66 Kinder. Sie kamen mit Knochenbrüchen, Verbrennungen, Hämatomen oder Platzwunden – auch ohne dass vorher die Polizei eingeschaltet wurde. Entschließen sich die Versehrten, doch Anzeige zu erstatten, kann die Dokumentation an Dritte, zum Beispiel einen Anwalt, weitergegeben werden. Aber sie kann auch erst einmal aufbewahrt werden, für den Fall, dass die Betroffenen zu einem späteren Zeitpunkt Anzeige erstatten möchten. „Wir kaufen den Betroffenen im Grunde Zeit“, erklärt Saskia Etzold. Denn es besteht die Möglichkeit, die Dokumentation der Verletzungen bis zu zehn Jahren zu archivieren.

„Opferschutz erfolgreich gestärkt“

Die Kinder, die in der Gewaltschutzambulanz untersucht wurden, kamen in der Regel über das Jugendamt oder den Kinder- und Jugendnotdienst. Denn eigentlich dürfen sie nur untersucht werden, wenn beide Erziehungsberechtigten zustimmen. Das ist problematisch, wenn die Kinder Opfer häuslicher Gewalt geworden sind. Also nimmt das Jugendamt die Kinder erst einmal in seine Obhut. Oft sind es die Schulen, die Verletzungen feststellen und melden.

Finanziert wird die Gewaltschutzambulanz im Doppelhaushalt 2014/2015 mit je 150.000 Euro von der Senatsverwaltung für Justiz und Verbraucherschutz. „Wir konnten den Opferschutz in unserer Stadt erfolgreich stärken“, sagte Justizsenator Thomas Heilmann (CDU). Zudem sei die Kombination einer rechtsmedizinischen Untersuchungsstelle mit einer psychosozialen Beratung am selben Ort bisher beispiellos in Deutschland.