Fernbusmarkt

Die Deutsche Bahn nimmt jetzt öfter den Bus

Der Konzern will sein Angebot auf dem umkämpften Fernverkehrsmarkt vervierfachen. Und um die Vermarktung zu verbessern, vereinigt die Bahn alle Fernbusaktivitäten unter der Marke „BerlinLinienBus“.

Foto: Patrick Seeger / dpa

Um im Fernreiseverkehr nicht noch weitere Marktanteile zu verlieren, geht die Deutsche Bahn (DB) jetzt in die Offensive. „Bis Ende 2016 wollen wir die Anzahl unserer Fernbusverbindungen vervierfachen“, kündigte der für den Personenverkehr zuständige DB-Vorstand Ulrich Homburg am Montag in Berlin an.

Und um die Vermarktung zu verbessern, will die Bahn zudem alle eigenen Fernbusaktivitäten wie den „BerlinLinienBus“ und den „IC-Bus“ unter der Marke „BerlinLinienBus“ (BLB) vereinigen. Das Unternehmen wird seinen Sitz in Berlin haben, sagte Homburg. Er betonte zugleich, dass der Ausbau des Fernbusangebots nicht zulasten der Schienen gehen soll. „Es wird keine einzige Schienenverkehrsverbindung deswegen eingestellt“, versprach Homburg.

Seit Anfang 2013 ist es Busunternehmen möglich, Linienverkehr auf Städteverbindungen anzubieten, die zuvor der Bahn vorbehalten waren. Seither wächst die Branche. Während nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die Fernbusunternehmen 2014 mit 17 bis 19 Millionen Fahrgästen ihre Nutzerzahlen gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelten, sank die Zahl der Reisenden in Fernzügen um 1,3 auf 130 Millionen. Die Deutsche Bahn bezifferte ihre Umsatzverluste durch den Fernbus für 2014 auf 120 Millionen Euro. „Wir haben den Fernbusmarkt in seiner Dynamik unterschätzt“, räumte Homburg unumwunden ein. Zwar hatte die Deutsche Bahn schon vor der Marktliberalisierung eigene Busunternehmen. Dazu gehört der bereits 1947 gegründete „BerlinLinienBus“. Später kam der IC-Bus hinzu, der auf unrentablen Bahnstrecken etwa zwischen Berlin und Breslau oder Nürnberg und Prag Zugverbindungen ersetzt. Doch um das eigene Kerngeschäft auf den Schienen nicht zu gefährden, agierte der Bahn-Konzern bislang nur zurückhaltend im Fernbusmarkt.

Fusion von MeinFernbus und FlixBus führt zu Umdenken

Die Fusion der beiden größten Fernbusanbieter MeinFernbus und FlixBus zu Jahresbeginn hat jetzt offenbar zu einem Umdenken gesorgt. „Der Bus ist aus Fernverkehr nicht mehr wegzudenken, wir wollen in dem Markt ein starker Spieler sein“, sagte Bahn-Vorstand Homburg. Nach eigenen Angaben bietet die Bahn aktuell 25 Fernbusverbindungen zu 250 Zielen an. Eingesetzt werden auf den Linien 140 Busse. Bereits im Sommer dieses Jahres sollen zahlreiche neue Linien hinzukommen, etwa zwischen Berlin und Bremen sowie zwischen Thüringen und Bayern. Wie bei der Konkurrenz werden Busse nicht selbst beschafft und Fahrer eingestellt, sondern kommen von Partnern aus dem Mittelstand. Auch in der Vermarktung will die DB das Erfolgskonzept der Mitbewerber übernehmen. Es werde „attraktive Preise für preissensible Kunden“ geben, heißt es.

Die Konkurrenz reagierte gelassen auf die Ankündigungen der Bahn. „Der heute angekündigte Ausbau des Bahn-Fernbusnetzes ist Ausdruck einer verfehlten Gesamtstrategie der Bahn. Er kommt zu spät und bietet keinen Zusatznutzen“, sagte André Schwämmlein, Geschäftsführer von MeinFernbus FlixBus. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben mehr als 1000 Busse im Einsatz, die im Vorjahr mehr als elf Millionen Fahrgäste befördert haben. Laut dem Iges-Institut haben MeinFernbus und FlixBus gemessen an den Fahrplankilometern zusammen einen Marktanteil von 74 Prozent, die Busmarken der Bahn, BerlinLinienBus und IC-Bus, kommen zusammen auf 9 Prozent. Nummer drei ist der ADAC-Postbus (9 Prozent). Wegen hoher Verluste haben sich der ADAC, aber auch andere Anbieter inzwischen aus dem Fernbusgeschäft zurückgezogen.