Busfahrten

Wie die neue Fernbus-Allianz Europa aufmischen will

MeinFernbus und Flixbus wollen Ende des Jahres gemeinsam 1000 Busse im Linienbetrieb fahren lassen. Sie rechnen mit 18 bis 20 Millionen Passagieren. Vorgesehen sind unter anderem Nacht- und Expressbusse.

Foto: Lukas Schulze / dpa

Grün werden sie sein. Die neuen Busse des fusionierten Unternehmens MeinFernbus Flixbus übernehmen die Farbe und auch „Fahr grün“ von der Berliner MeinFernbus. „Der Slogan hat uns auch schon immer gefallen“, sagte Jochen Engert, ehemals Flixbus-Geschäftsführer und jetzt in der gleichen Funktion im neuen Unternehmen tätig. Flixbus kam bisher in blau daher.

Engert und seine vier Geschäftsführerkollegen haben einiges vor in diesem Jahr. Im Tempodrom kündigten sie an, den Fuhrpark bis Ende des Jahres um 440 auf 1000 Busse aufstocken zu wollen. Sie kalkulieren, dass sie in diesem Jahr im gemeinsamen Unternehmen 18 bis 20 Millionen Fahrgäste befördern werden. 2014 waren es 10,5 Millionen, sieben Millionen davon transportierte MeinFernbus. Der Gesamtmarkt umfasste rund 20 Millionen Fahrgäste.

Nacht- und expressbusse vorgesehen

Auf den Strecken, auf denen beide Unternehmen bisher parallel gefahren sind, soll die Taktung steigen. Die wichtige Strecke Berlin–Hamburg zum Beispiel will das Unternehmen im Halbstundentakt bedienen. Zusätzlich soll es mehr Expressbusse geben, die zwischen zwei Großstädten nicht oder nur einmal stoppen, etwa auf der Strecke Berlin–Amsterdam. So soll der Zeitvorteil der deutschen Bahn verringert werden.

Zudem will MeinFernbus Flixbus weitere deutsche Städte und touristische Regionen ins Programm nehmen. Torben Greve, bisher MeinFernbus und zuständig für das Netz, nannte Nord- und Ostsee. Geplant sei auch Brüssel, Paris, Venedig und Verona ans Netz anzubinden. Ebenfalls vorgesehen ist ein Nachtangebot auf allen Strecken, wie Greve sagte. „Dass die Deutsche Bahn ihre Nachtzüge einstellt, kommt uns da sehr zupass.“ Ziel von MeinFernbus Flixbus ist, in einigen Jahren Marktführer in Europa zu sein. Dort will das Unternehmen mit der Marke Flixbus auftreten – MeinFernbus ist in einigen Sprachen nur sehr schwer auszusprechen. In welchen Ländern sie den Ausbau beginnen wollen, ließen die Geschäftsführer offen. Erst einmal müssten jetzt die beiden Unternehmen zusammengefasst werden. In einem halben Jahr wollen sie soweit sein.

Gemeinsame Holding-Gesellschaft in München

Vorgesehen ist eine Holding mit Landesgesellschaften, die das operative Geschäft steuern. Als Dachgesellschaft des neuen Unternehmens fungiert Flixbus in München. Größte Anteilseigner sind die fünf Gründer, gefolgt vom US-Investor General Atlantic. Ebenfalls beteiligt ist Holtzbrinck Ventures und verschiedene Business Angel. Das Unternehmen beschäftigt derzeit rund 490 Mitarbeiter, 260 davon in Berlin, Tendenz steigend.

Gebremst werden könnten die fünf Unternehmer noch davon, dass geeignete Busfahrer fehlen und von Engpässen an den Zentralen Omnibusbahnhöfen. Internationale Konkurrenz dagegen macht ihnen nicht so viel Sorge. „Wir sind Impulsgeber der Branche, wir sind immer drei Schritte voraus“, sagte Greve. Er nannte den britischen Anbieter National Express, der in Spanien und Großbritannien jeweils große Netze betreibt, in Deutschland aber aufgegeben hat. „Wir glauben: Qualität setzt sich durch.“

Bounusprogramm für treue Kunden geplant

Die Unternehmen punkten mit kostenlosem Internet bei den Kunden. Auch Steckdosen an allen Plätzen, einfache Online-Buchung, komfortable Sitzabstände und Fahrradmitnahme sollen die Kunden locken. Ein Bonusprogramm ist geplant, Umbuchungen sollen bis 15 Minuten vor Fahrtbeginn möglich sein.

Beide Unternehmen wurden 2011 gegründet, MeinFernbus fährt seit seit April 2012, Flixbus seit Februar 2013. das Konzept ist gleich: Sie besitzen keine eigenen Busse, sondern arbeiten mitmittelständischen Busunternehmen zusammen, denen die Busse gehören. Liniennetz und Buchungssystem sowie Farbgebung und Konzept kommen von Flixbus MeinFernbus.

Zwei Firmen, eine Fusionsidee

Die Idee zur Fusion hatten beide Firmen nach Aussage von Panya Putsathit, bisher MeinFernbus, fast zeitgleich zu Beginn der Saison 2014. Greve und Putsathit besprachen demnach mit den Anteilseignern von MeinFernbus, wie es perspektivisch weitergehen könnte, und kamen zu einer Fusion mit Flixbus. Bei einem ersten Telefont sei dann klar geworden, dass auch Flixbus zu diesem Ergebnis gekommen sei. Bereits beim ersten Treffen im Sommer 2014 habe man sich sehr gut verstanden. Auf dem Podium im Tempodrom wirken die fünf jedenfalls sehr mit ihrer Entscheidung im Reinen. Einen Sprecher der Geschäftsführung gibt es nicht. „Wir beschließen einstimmig“, sagte Greve.

Nach angebotenen Streckenkilometern deckt das fusionierte Unternehmen 75 Prozent des stark wachsenden Marktes ab. Nächstgrößter Fernbuskonkurrent ist die Deutsche Bahn mit Berlinlinienbus und IC-Bus (zehn Prozent) vor ADACPostbus. Der Fernbusmarkt wurde Anfang 2013 liberalisiert.