Kommentar

Eine Impfung gegen Masern schützt uns alle

Ein Kind stirbt, eine Berliner Schule muss geschlossen werden. Wegen Masern. Dabei gibt es eine so einfache Lösung: die Impfung. Heike Dietrich über eine großartige medizinische Leistung.

Ein eineinhalbjähriges Kind stirbt. Eine Berliner Schule muss geschlossen werden wegen eines schwer erkrankten Kindes. Wegen der Krankheit Masern, gegen die es eine einfache Lösung gibt: die Impfung. Noch sind kaum Details zu dem verstorbenen Kleinkind bekannt.

So viel ist aber schon klar: Es war nicht geimpft. Und es stammt nicht aus einer asylsuchenden Familie aus Bosnien oder Serbien, die den Ausbruch im Oktober vergangenen Jahres ausgelöst haben sollen. In dieser Gruppe gibt es tatsächlich große Impflücken.

Warum sich die Eltern des verstorbenen Kindes gegen die zweimalige Immunisierung entschieden, wissen wir nicht. Für sie ist es allemal ein großes Unglück. Doch sie hätten ihr Kind und damit auch andere, zu denen es Kontakt hatte, schützen können, wenn sie es hätten impfen lassen. Ihr Kind könnte wohl noch leben. Die Eltern müssen mit diesem Wissen, mit dieser Verantwortung nun leben.

Die Eltern irren

Sicherlich: Es geht wohl zu weit, wenn Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe und der Gesundheitsexperte Jens Spahn (beide CDU) Eltern, die sich gegen eine Impfung entscheiden, als egoistisch bezeichnen. Natürlich wollen Eltern nur das Beste für ihr Kind. Und viele Mütter und Väter halten die Nebenwirkungen einer Impfung für zu groß. Manche vertreten die Meinung, dass eine Erkrankung sogar sinnvoll sei, weil sie zur Reifung des Immunsystems beitrage. Wer als Kind Masern hatte und diese glimpflich überstanden hat, könnte sich obendrein sagen: So schlimm ist eine Masernerkrankung dann auch wieder nicht. Und danach besteht laut dem Robert-Koch-Institut eine lebenslange Immunität.

Dennoch irren diese Eltern, die eine Masernimpfung so strikt ablehnen. Bis heute konnte nicht nachgewiesen werden, dass beispielsweise Autismus, Diabetes oder Multiple Sklerose durch eine Impfung hervorgerufen werden, wie von manchen Impfskeptikern behauptet. Das Risiko, das mit einer Erkrankung einhergeht, ist dagegen sehr viel größer.

Seit 1968 wird in Deutschland gegen Masern geimpft, und das Land war schon sehr weit. In diesem Jahr sollte die Infektionskrankheit eigentlich eliminiert sein. Und nun dieser Rückschlag. Auch wenn wir von einer generellen Impfpflicht schon aus verfassungsrechtlichen Gründen noch weit entfernt sind: Impfungen sind prinzipiell eine großartige medizinische Leistung, die wir bei schweren Erkrankungen nutzen sollten. Sie schützen letztlich uns alle.