Masern in Berlin

Carl-Zeiss-Schule geschlossen - Schulverbot für Nicht-Geimpfte

Die Carl-Zeiss-Oberschule in Lichtenrade ist für einen Tag geschlossen. Einer der Schüler ist schwer an Masern erkrankt. Nicht geimpfte Schüler und Lehrer müssen nun drei Wochen zu Hause bleiben.

Foto: Marion Hunger

Der Tod eines kleinen Jungen in Reinickendorf hat in Berlin Entsetzen ausgelöst. Doch schon vor der Schreckensnachricht gab es wegen der Masernepidemie in der Stadt viel Unruhe.

Nach Bekanntwerden eines schweren Masernfalls hat in der Carl-Zeiss-Oberschule im Tempelhof-Schöneberger Ortsteil Lichtenrade am Montag kein Unterricht stattgefunden. Die Schulleitung hatte sich am Freitag kurzfristig entschlossen, die mehr als 1000 Schüler zu Hause zu lassen. Alle Eltern wurden in einem Schreiben der Gesamtelternvertretung von der Schulschließung informiert.

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Schulleiter Stephan Zapfe sagte am Montag der Berliner Morgenpost: „Die Schließung ist eine reine Vorsichtsmaßnahme.“ Nach Angaben der Senatsbildungsverwaltung hatte der Schuldirektor von einem Elternteil erfahren, dass ein Schüler so schwer an Masern erkrankt war, dass er noch immer stationär behandelt werden muss. Der Schuldirektor habe jedoch das zuständige Gesundheitsamt des Bezirks Tempelhof-Schömeberg nicht erreichen können und deshalb „rein präventiv“ die Schließung der Schule veranlasst, um einen größeren Masernausbruch zu verhindern, sagte Beate Stoffers, Sprecherin der Senatsbildungsverwaltung. Für Notfälle sei eine Betreuung in der Schule organisiert worden.

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Es ist nicht der einzige Masernalarm an einer Schule, teilweise Schließungen gab es bereits vor den Winterferien. In der Grundschule am Ritterfeld in Kladow und am Leibniz-Gymnasium in Kreuzberg sorgte die Erkrankung für Aufregung. Weil Schüler an Masern erkrankten, musste Unterricht ausfallen. Mehrere Lehrer, die keinen Impfschutz nachweisen konnten, durften nicht unterrichten. Nach Angaben der Bildungsverwaltung waren Schließungen oder Teilschließungen von Kitas in Berlin wegen der Masern bisher nicht erforderlich.

50 Kontaktpersonen gefunden

Die Carl-Zeiss-Schule soll am Dienstag wieder öffnen. Die Schulleitung habe inzwischen die Kontaktpersonen des an Masern erkrankten Schülers ermittelt. „Es handelt sich um zirka 45 Schüler und fünf Kollegiumsmitglieder“, sagte Beate Stoffers, Sprecherin der Senatsverwaltung für Bildung. Alle Schüler und Lehrer sollen am heutigen Dienstag ihre Impfbücher mitbringen. Das Gesundheitsamt des Bezirks wird den Impfstatus aller Kontaktpersonen überprüfen. Nach den Richtlinien der Senatsgesundheitsverwaltung müssen Schüler und Pädagogen, die nicht geimpft sind, der Schule fernbleiben, solange Ansteckungsgefahr besteht (siehe unten).

Die Tempelhofer Gesundheitsstadträtin Sibyll Klotz (Grüne) nannte die Schließung der Schule „vollkommen überzogen“. Es sei nicht nötig gewesen, alle Schüler zu Hause zu lassen. Die Stadträtin wies die Darstellung zurück, ihr Gesundheitsamt sei am Freitag für die Schule nicht erreichbar gewesen. „Das bezirkliche Gesundheitsamt hatte sich selbst im Sekretariat gemeldet, als es die Information von dem Masernfall durch das Krankenhaus erhalten hatte“, so die Darstellung des Bezirks. „Wir müssen jetzt gemeinsam klären, was dort schiefgelaufen ist“, sagte Sybill Klotz. Möglicherweise seien die Alarmpläne der Senatsverwaltung für Gesundheit der Leitung der Zeiss-Schule nicht bekannt gewesen.

Es habe im Fall der Lichtenrader Schule offenkundig ein Missverständnis gegeben, sagte auch Constanze Frey, Sprecherin des Berliner Gesundheitssenators Mario Czaja (CDU). Eigentlich seien die Notfallpläne für Infektionskrankheiten allen Schulen und Kitas der Stadt bekannt. „Die Alarmpläne funktionieren für gewöhnlich“, sagte sie. Gesundheitsstadträtin Klotz forderte unabhängig vom Fall der Zeiss-Schule vom Land, mehr für die Prävention zu tun und die Gesundheitsämter personell besser auszustatten. Zwar sei die Überprüfung des Impfstatus und die Aufklärung der Eltern bei allen Einschulungsuntersuchungen Pflicht. Doch das gelte nicht für Zuwandererkinder, die im laufenden Schuljahr kämen. Wichtiger als eine Impfpflicht sei Aufklärung. „Es sind ja nicht überwiegend bildungsferne Schichte, die sich nicht impfen lassen“, betonte Klotz, „es sind oft gebildete Leute, die sich vor der Impfung fürchten.“

Auch Gesundheitssenator Czaja widersprach nach dem Tod des Berliner Kleinkindes der Darstellung, die hochansteckende Krankheit werde von Zuwanderern in Berlin verbreitet. „Es sind Menschen in gut situierten Bezirken Berlins, die sich nicht impfen lassen“, sagte er. Am Montag hatte Czaja bekannt gegeben, dass ein eineinhalbjähriger Junge aus Reinickendorf am 18. Februar an Masern gestorben war. Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll der tote Junge nicht aus einer Migrantenfamilie stammen. Die behandelnde Charité teilte am Abend mit, noch sei ein Zusammenhang mit den Masern gerichtsmedizinisch nicht bewiesen.

Viele Erwachsene erkrankt

„Dieser sehr traurige Fall sollte jeden darin erinnern, für sich und alle, für die er Verantwortung trägt, den Impfstatus zu überprüfen“, sagte Czaja. Er sei zwar ein Anhänger der Impfpflicht für Kinder. Für Erwachsene, die von der aktuellen Welle besonders betroffen sind, könne es aber wohl keine Pflicht geben. „In dieser Altersgruppe können Sie schwer jemanden zur Impfung zwingen“, sagte Czaja.

Der Sprecher des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Jakob Maske, bezeichnete den Ausbruch der Masern als „Katastrophe aus medizinischer Sicht“. Kleine Kinder seien besonders gefährdet: „Diese Gruppe kann man nur schützen, wenn das Umfeld geimpft ist.“ Also die Erwachsenen.