Kommentar

Die BVG braucht ein Konzept für ihre alte U-Bahn

Dass Geld aus dem Berliner Sonderfonds für den Kauf neuer U-Bahnen eingesetzt werden soll, ist ein richtiger Schritt, sagt Thomas Fülling. Doch es braucht ein langfristiges Konzept.

Seit Jahren wird die Berliner U-Bahn auf Verschleiß gefahren. Der Wagenpark hat inzwischen ein teils enormes Alter von 50 Jahren erreicht. Die Folge sind hohe Ausfallquoten und lange Werkstattaufenthalte. Nun will der Berliner Senat aus seinem neu geschaffenen Sonderfonds für die wachsende Stadt 58 Millionen Euro für bis zu 42 neue U-Bahn-Wagen abzweigen. Das ist ein richtiges Signal, gerade in einer Stadt, die sich das Ziel gestellt hat, mehr Menschen von den Vorzügen des öffentlichen Nahverkehrs zu überzeugen. Angesichts des weitaus größeren Bedarfs bei der BVG ist die versprochene Summer allerdings nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein.

Zumal U-Bahn-Züge nicht beim Händler um die Ecke auf dem Hof stehen. Neue Schienenfahrzeuge, insbesondere Sonderanfertigungen, wie sie für Berlins U-Bahn benötigt werden, haben einen Entwicklungs- und Erprobungszeitraum von bis zu sechs Jahren. Es folgen weitere Jahre, bis alle Züge vom Hersteller ausgeliefert sind. Bis 2033 gibt es nach Berechnungen der BVG einen Ersatzbedarf bei der U-Bahn von etwa 2,2 Milliarden Euro.

Wirklich notwendig ist daher ein langfristiges Konzept, wie das Land und sein Verkehrsunternehmen diese gewaltige Summe in den nächsten Jahren aufbringen können. Sonst drohen den Berlinern bei der U-Bahn schon bald Zustände wie in den schlimmsten Zeiten der S-Bahn-Krise.