Prozess in Berlin

Rentner am S-Bahnhof totgeschlagen - Sechs Jahre Haft

Ein Rentner wird auf dem S-Bahnhof Grünbergallee in Treptow von einem Radfahrer touchiert. Er will den Mann zur Rede stellen - und wird Opfer einer tödlichen Prügelattacke. Nun erfolgte das Urteil.

Es war ein überflüssiger Streit mit fürchterlichen Konsequenzen: Am 6. August 2014 touchierte der 39-jährige Sebastian L. mit seinem Fahrrad den 72-jährigen Joachim B. Als ihn der Rentner daraufhin erbost zur Rede stellen wollte, wurde er von Sebastian L. geschlagen, stürzte und erlitt dabei tödliche Verletzungen.

Ein Moabiter Schwurgericht verurteilte Sebastian L. am Montag wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu fünf Jahren und neun Monaten Freiheitsstrafe. Richter Ralph Ehestädt sprach bei der Urteilsbegründung von einer „affektiv aufgeheizten Stimmung“. Die Schuld für den Disput mit dem Rentner liege jedoch eindeutig bei dem Angeklagten . „Sie haben den Mann mit Ihrem Fahrrad angerempelt, er durfte sich an diesem Tag über Sie ärgern. Er war im Recht, Sie waren im Unrecht“, sagte Ehestädt zum Angeklagten.

Zeugenaussagen zufolge befuhr Sebastian L. am 6. August den Fußgängerbereich in der Unterführung des S-Bahnhofs Grünbergallee (Ortsteil Treptow) mit viel zu hoher Geschwindigkeit. Joachim B., der zu Fuß unterwegs war, taumelte nach der Kollision zu Boden, konnte aber wieder aufstehen und verfolgte den Radfahrer. Sebastian L. bemerkte das, stellte sein Fahrrad beiseite und erwartete den Rentner. Als der aufgebrachte Joachim B. näherkam, versetzte ihm Sebastian L. mehrere Schläge gegen den Kopf und den Oberkörper. Joachim B. stürzte eine Treppe hinunter und erlitt dabei schwerste Kopfverletzungen. Er starb fünf Tage später im Krankenhaus.

Die Staatsanwaltschaft hatte Sebastian L. wegen Totschlags angeklagt. Dieser Vorwurf sei jedoch nicht haltbar, so Ehestädt, dem Angeklagten sei ein Tötungsvorsatz nicht nachzuweisen. Es handele sich eher um ein „Sekundenversagen“. Die Kammer glaube dem Angeklagten auch, dass er die Tat bedauere. Sebastian L. durfte das Untersuchungsgefängnis am Montag verlassen. Er muss sich bis zum Antritt seiner Haft wöchentlich dreimal beim zuständigen Polizeiabschnitt melden, seinen Pass und seinen Ausweis abgeben. Berlin darf er nur mit Zustimmung des Gerichts verlassen.